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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hollandes Sieg und Hellas' Ende" (Von Stefan Winkler)
Ausgabe vom 07.05.2012
Graz (OTS/Vorausmeldung) - Der Wahlsieg des Sozialisten Francois
Hollande ist für Europa nicht das Elementarereignis, zu dem er im
Vorfeld stilisiert wurde. Trotzdem könnte er für den
krisengebeutelten Kontinent eine bedeutsame Wende bringen.
Seit bald vier Jahren kämpfen die Europäer für den Erhalt ihrer
Währung. Mehrmals vermeinten sie, Licht am Ende des Tunnels zu
erblicken. Doch jedes Mal erwies sich die Hoffnung als trügerisch.
Zuletzt hat sich die Schlinge der fiebrigen Märkte gefährlich eng um
Spanien zusammengezogen.
Man mag von Nicolas Sarkozy halten, was man will. Mit Krisen umgehen
konnte er. Sie waren die Momente, in denen der quecksilbrige
Konservative sich von der besten Seite zeigte.
Wie krisenfest ist Hollande?
Der Neue im Elyséepalast hatte nie ein Regierungsamt inne und ist
auf dem internationalen Parkett ein Novize.
Das hat nichts zu bedeuten. Vorausgesetzt Hollande ist willens, sich
aus ideologischen Zwängen zu lösen und eine Politik des Pragmatismus
zu verfolgen, die den wirtschaftlichen Realitäten Rechnung trägt.
Was Hollande im Wahlkampf zur Eurokrise aber von sich gab, ist da
nicht gerade ermutigend. Die Ankündigung, den Fiskalpakt aufschnüren
zu wollen, hat bei den europäischen Partnern, zu Recht Besorgnis
ausgelöst.
Zwar tröstet man sich nun damit, dass das enge Korsett der Märkte
Hollande nicht viel Spielraum lassen werde.
Doch genau darüber, wie sich die Korsage lockern lässt, ist in der
EU ein Glaubenskrieg im Gange: Während die einen meinen, der Weg aus
der Krise könne nur über eisernes Sparen und schmerzhafte
Strukturreformen führen, behaupten die anderen, die Kürzungsorgien
würden Europas schwächelnder Wirtschaft den Rest geben. Im Wahlkampf
hat sich Hollande zum Wortführer der Krisenländer aufgeschwungen, die
gegen das "Kaputtsparen" aufbegehren. Für Europa wäre ein Abrücken
vom Konsolidierungskurs allerdings fatal.
Schulden mit noch mehr Schulden zu bekämpfen hat noch nie
funktioniert. Es würde den Reformeifer von Ländern wie Griechenland
erlahmen lassen. Dort ist die Zukunft des Landes nach dem Absturz der
dominierenden Sozialisten und Konservativen und dem Aufstieg
radikaler Kleinparteien ungewisser denn je.
Ein Bruch mit den Euro-Rettern würde das Land endgültig in den
Abgrund ziehen.
Europas Wiege als Milliardengrab für den Euro. Was für eine traurige
Ironie! Man mag sich das gar nicht ausmalen. Aber seit gestern ist
die Rettung der gemeinsamen europäischen Währung um einiges
schwieriger geworden. ****
Rückfragehinweis:
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