- 04.05.2012, 17:16:46
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Erfolgreiche Strategien aufzeigen und weitergeben
Arge Alp-Tagung "Wege zur Energiestadt" in St.Gallen
St. Gallen (OTS/VLK) - Wie wird eine Gemeinde Vorreiterin in
Sachen Energie? Acht Gemeinden aus Bayern, Graubünden, Salzburg,
St.Gallen, Südtirol, Tirol, Trentino und Vorarlberg stellten an der
Arge Alp-Tagung "Wege zur Energiestadt" in St.Gallen ihre
erfolgreichen Projekte vor und zeigten ihren individuellen Weg auf.
Für Vorarlberg hat die Marktgemeinde Wolfurt teilgenommen.
Der Kanton St.Gallen stellt sein Vorsitzjahr in der
Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) unter das Thema "Die
Alpen: Quelle erneuerbarer Energie". Insbesondere die Rolle der
Gemeinden sowie deren Anstrengungen und Leistungen sollen gewürdigt
werden. An die Tagung "Wege zur Energiestadt" vom Donnerstag und
Freitag (3. und 4. Mai) in St.Gallen wurden acht Gemeinden aus dem
Arge Alp-Gebiet in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz
eingeladen, ihren individuellen Weg zur Energiestadt vorzustellen.
Der St.Galler Regierungsrat und Vorsitzender der Arge Alp, Willi
Haag, sagte einleitend: "Wir wollen die vielfältigen,
gemeindespezifischen Themen im Energiebereich aufzeigen, Netzwerke
bilden und Handlungsspielräume ausloten. Wir wollen erfahren, wie
andere Regionen die Themen Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer
Energien in Angriff nehmen und inwiefern solche Massnahmen -
vielleicht sogar regional übergreifend - realisierbar sind."
Acht Wege zur Energiestadt
Die Gemeinden Wildpoldsried (Bayern), Landquart (Graubünden),
Weissbach bei Lofer (Salzburg), Buchs (St.Gallen), Toblach
(Südtirol), Virgen (Tirol), Trento (Trentino) und Wolfurt
(Vorarlberg) haben im Bereich der erneuerbaren Energien
Herausragendes geleistet und gelten in ihren Ländern, Regionen und
Kantonen als Vorbilder. Groß und Klein haben sich in St.Gallen
getroffen - von der italienischen Mittelstadt Trento mit 117'200
Einwohnerinnen und Einwohnern bis zum österreichischen Dorf Weissbach
an der Lofer mit 420 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Die Vorarlberger Gemeinde Wolfurt verfügt über zwei
Biomasse-Nahwärme-Anlagen. Durch Lieferverträge mit lokalen
Waldbesitzern wird sichergestellt, dass ein erheblicher Teil der
Hackschnitzel direkt aus Wolfurter Wäldern stammt. Zudem wurde ein
weiteres Biomasse-Nahwärmenetz im Dorfzentrum errichtet, das
ebenfalls sechs teils kommunale, teils private Gebäude versorgt. Auf
die Sanierung der Volksschule mit Passivhaus-Komponenten ist die
Gemeinde besonders stolz. Eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach
der Schule erzeugt im Jahresverlauf mehr Strom als für den Betrieb
der Wärmepumpe benötigt wird.
Die bayrische Gemeinde Wildpoldsried hat seit 1999 ein
ökologisches Profil mit Einbindung der Bürgerinnen und Bürger
erarbeitet. Schritt für Schritt konnte dabei das Vertrauen der
Einwohnerinnen und Einwohner für erneuerbare Energien gewonnen,
Anreiz geschaffen und die örtliche Wertschöpfung ausgebaut werden. Im
Jahr 2000 wurde die erste Bürgerwindkraftanlage in Wildpoldsried
erbaut. Mittlerweile stehen fünf Windkraftanlagen im Ort, zwei
weitere sind im Bau. Zudem wurden fünf Biogasanlagen realisiert sowie
Photovoltaik und thermische Anlagen installiert. Wildpoldsried
betreibt auch ein ökologisches Bildungszentrum, um die vielen
Erfahrungen aus eigenen Projekten weiterzugeben.
Die Bündner Gemeinde Landquart hat 2011 die gesamte
Straßenbeleuchtung saniert und ist die erste Gemeinde in der Schweiz
mit flächendeckender Straßenbeleuchtung mit Leuchtdioden (LED).
Dadurch konnte die Gemeinde 60 Prozent Strom sparen. Die eingesparten
Kosten amortisieren die Investitionen in acht Jahren. Landquart
verfügt zudem über ökologische Beschaffungsrichtlinien für Verwaltung
und Schulen sowie ein Förderprogramm für Umbauten und Solaranlagen
für Privathaushalte. Das ehrgeizige Ziel, die Sonnenkollektorenfläche
in vier Jahren zu verdoppeln, wurde bereits nach drei Jahren
erreicht.
Das Bergsteigerdorf Weissbach in Salzburg ist seit 1998 im
e5-Programm aktiv und hat sich Energieautarkie zum Ziel gesetzt. Das
Nahwärme-Heizwerk einer örtlichen Tischlerei sorgt dafür, dass
mittlerweile 90 Prozent des Wärmebedarfs der Gemeinde aus Biomasse
gedeckt wird. Weissbach lebt aber einen ganzheitlichen Ansatz für
eine nachhaltige Entwicklung. Energie wird hier nicht nur als Wärme-
und Stromspender gesehen. Wichtig sind der Gemeinde auch die
zwischenmenschlichen Energien durch Kommunikation und der Umgang
miteinander.
Die Stadt Buchs im Kanton St.Gallen benötigt einen Drittel weniger
Primärenergie als der schweizerische Durchschnitt. Basis dazu bilden
die Wärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage und der hohe Anteil an
erneuerbaren Energien im atomfreien Strommix. Bis 2020 sollen 90
Prozent der Gebäude im Fernwärmeperimeter Buchs ans Wärmenetz
angeschlossen sein. Die Stadt fördert mit dem gemeindeeigenen Wasser-
und Elektrizitätswerk gezielt Naturstrom, der aus der Sonnenkraft und
mit Trinkwasserkraftwerken gewonnen wird. Für die Anlage auf dem
Vorderberg hat die Gemeinde den Schweizer Solarpreis erhalten.
Die Südtiroler Gemeinde Toblach liegt auf 1245 Metern und hat
deshalb einen hohen Energiebedarf. Durch verschiedene Maßnahmen und
die Zusammenarbeit aller Akteure ist es gelungen, den Energiebedarf
fast ausschließlich mit erneuerbarer Energie zu decken. Im November
2008 wurde in Toblach die Agentur für Energieeffizienz gegründet,
welche die Bürgerinnen und Bürger in sämtlichen Energiefragen berät
und grundlegend zur Verbreitung des Energie-Spargedankens in der
Bevölkerung beigetragen hat. Die Bevölkerung wird stark mit
einbezogen, beispielsweise durch Führungen im Fernheizwerk, einem
Biomasse-Lehrpfad für Kinder und das Schulprojekt "Die kleinen
Energieberater". Ein besonderes Projekt in der Gemeinde: Der
Tourismusverein Toblach bietet den Gästen klimaneutralen Urlaub an.
Die Tiroler Gemeinde Virgen ist seit Beginn der 1990er-Jahre im
Energie-, Verkehrs- und Umweltbereich aktiv. Mit dem Start im Jahr
1995 arbeitete sie aktiv am Programm "Energiebewusste Gemeinde in der
Arge Alp" mit, im Jahr 1999 war sie eine der ersten Tiroler Gemeinden
im e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden. Seither ist sie
Vorbild und Vorreiterin im Tiroler e5-Programm. Beim Verkauf von
Baugründen verpflichtet die Gemeinde Virgen ihre Bürgerinnen und
Bürger zum Bau in Niedrigenergiehaus-Qualität und zum Einsatz
erneuerbarer Energieträger beziehungsweise zum Anschluss an die
Dorfwärme.
Energiesparen und die Förderung nachhaltiger Mobilität sind in der
Stadt Trento, Hauptort der gleichnamigen italienischen Provinz,
zentral. So verlangt etwa die Bauordnung, dass bei Neubauten und
Renovierungsarbeiten Photovoltaikanlagen installiert werden.
Mindestens die Hälfte des Warmwassers muss mit erneuerbarer Energie
produziert werden - damit wurden erst später durch den Staat und die
Provinz eingeführte Normen vorweggenommen. Zudem lancierte Trento ein
Förderprogramm für nachhaltiges Bauen bzw. energieeffiziente
Bauwerke. Bis heute wurden bei 93 Prozent der Straßenbeleuchtung
Energiesparlampen eingesetzt.
Arge Alp
Der 1972 in Tirol gegründeten Arbeitsgemeinschaft gehören neun
Länder/Regionen/Kantone in vier Staaten an. Mitglieder sind die
Kantone St.Gallen, Graubünden und Tessin, die österreichischen
Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg, der Freistaat Bayern
sowie die italienischen Regionen Südtirol und Trient. Der Vorsitzende
der Arge Alp wird jeweils für ein Jahr von einem Mitgliedsland
gestellt. Sitz der Geschäftsstelle ist Innsbruck. Die Arge Alp-Region
umfasst eine Fläche von 118.504 Quadratkilometern und wird von 16
Millionen Menschen bewohnt. www.argealp.org
Rückfragehinweis:
Landespressestelle Vorarlberg Tel.: 05574/511-20141, Fax: 05574/511-920196 mailto:[email protected] http://www.vorarlberg.at/presse Hotline: 0664/625 56 68, 625 56 67
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