In-vitro-Fertilisation: "Wir brauchen eine öffentliche Debatte"

Moraltheologe Beck und Juristin Merckens fordern als Mitglieder der Bioethikkommission eine Berücksichtigung auch der Minderheitenvoten

Wien, 04.05.12 (KAP) Mit dem Ruf nach einer "niveauvollen öffentlichen Debatte" zur komplexen Thematik der In-vitro-Fertilisation (IVF) und den damit einhergehenden ethischen Fragestellungen hat der Mediziner und Moraltheologe Matthias Beck aufhorchen lassen. Die mediale Berichterstattung über die umstrittenen reproduktionsmedizinischen Entwicklungen und die differenzierten Stellungnahmen der Bioethikkommission sei oft "dürftig oder verzerrt" oder es würden ethische Argumente ausgehebelt, indem "aus Fakten eine Ethik gemacht wird", so Beck, der Mitglied der Kommission ist, gegenüber "Kathpress".

Die Kommission tritt am Montag zu ihrer nächsten Sitzung u.a. zur umstrittenen Frage der IVF für alleinstehende Frauen und lesbische Paare zusammen. Auch die Themen Fremdsamenspende mit IVF und Präimplantationsdiagnostik (PID) stehen auf der Tagesordnung der Kommission, die gegenwärtig an einer Neufassung des Fortpflanzungsmedizingesetzes arbeitet.

Eine öffentlich geführte Debatte auf hohem Niveau sei notwendig, "damit sich die Bevölkerung ein Bild machen kann" und nicht der Eindruck entstehe, die Bioethikkommission winke nur mehr Entscheidungen durch, die "die Politik im Hinterzimmer schon längst gefällt hat". Damit verband Beck zugleich auch die Mahnung, parteipolitische Einflussnahme aus der Bioethikkommission zu verbannen.

Merckens: "Österreich sollte eigenen Weg gehen"

Unterstützt wird Beck in seinem Ruf nach einer breiten öffentlichen Debatte von Stephanie Merckens, Juristin und ebenfalls Mitglied der Bioethikkommission. Sie sei verwundert, dass sich die mediale Berichterstattung über die letzte Stellungnahme der Kommission hauptsächlich auf das Mehrheitsvotum konzentrierte, als habe die Kommission "grünes Licht" für die Ausweitung der IVF gegeben.

Auch Merckens zählt zu den Kritikern einer Ausweitung der IVF. Es komme zu einer "Verzweckung des Embryos" und zu einem "grundlegenden Paradigmenwechsel in der Elternschaft", warnte Merckens bei einem Vortrag über "Rechtliche Aspekte des umfassenden Schutzes des menschlichen Lebens" am Donnerstag im Wiener Institut für Ehe und Familie (IEF). Zugleich ermunterte sie dazu, "dass Österreich in der Frage der IVF einen eigenen Weg gehen sollte". Eine Liberalisierung sei keineswegs der unabänderliche Weg, Zweifel und ethische Bedenken gäbe es auch in anderen Ländern, so Merckens.

O-Töne von Stephanie Merckens können unter www.kathpress.at/audio abgerufen werden.

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