- 03.05.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unsere Lehrer machen einen guten Job... - von Wolfgang Unterhuber
...aber es geht immer um den Nutzen für die Schüler
Wien (OTS) - Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ)
ließ dieser Tage wieder einmal mit einem brisanten Vorschlag
aufhorchen: Laut Burgstaller sollen Lehrer künftig nur noch fünf
Wochen Urlaub haben. In der restlichen Ferienzeit sollen die
Pädagogen Schüler betreuen. Die Reaktion der Lehrergewerkschaft fiel
erwartungsgemäß aus: Von Schock und von unfairer Behandlung war die
Rede. Es gab auch sonst noch zahlreiche Stellungnahmen. Aber die
wollen wir uns hier ersparen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wieder einmal gingen - wie immer,
wenn es um die Lehrer geht - die Emotionen hoch, sowohl bei den
125.000 Mitgliedern dieser Berufsgruppe, die sich ständig verfolgt
sehen, als auch bei der breiten Bevölkerung, die den Lehrerjob als
angenehme Nebenbeschäftigung mit viel Freizeit betrachtet. Die
Wahrheit ist frei nach Ex-Kanzler Sinowatz etwas komplizierter. Denn
die Wahrheit ist, dass der Beruf des Lehrers nicht gerade lustig ist.
Die Lehrer leisten längst nicht nur Bildungs-, sondern
Erziehungsarbeit. Weil beide Elternteile (so nicht ohnehin
geschieden) berufstätig sein müssen, um sich einen halbwegs normalen
Lebensstandard leisten zu können. Die Kindererziehung in den eigenen
vier Wänden reduziert sich oft auf den TV-Konsum. Allein das sorgt
für ein Spannungsverhältnis. Die gestressten Eltern wollen absolut
nicht einsehen, dass ihre Sprösslinge keine wohlerzogenen Genies
sind, und machen die Lehrer dafür verantwortlich. Die Lehrkräfte
wiederum sind mit Sprachförderung, der Integration von
Migrantenkindern, der neuen Mittelschule, den neuen
Bildungsstandards, der neuen Matura sowie jeder Menge Bürokratiekram
beschäftigt und entsprechend überfordert. Dazu kommen veraltete
Lehrpläne, die auf die Reproduktion von Wissen ausgerichtet sind und
nicht auf die Förderung von Begabungen.
Die soeben begonnenen Verhandlungen über das neue Lehrerdienstrecht
bergen deshalb eine Chance: Die Chance, nüchtern und emotionslos mit
alten, verkrusteten Strukturen aufzuräumen und auf die neuen
gesellschaftlichen Herausforderungen zu reagieren. Unsere Lehrer
machen einen guten Job. Aber beim neuen Dienstrecht muss es immer
auch darum gehen, wie unsere Kinder davon profitieren können und wie
wir die Begabten zu den Besten ausbilden.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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