• 02.05.2012, 10:10:21
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Fußball-EM: Zu Hause bleiben bringt nichts - von Wolfgang Unterhuber

Europa muss der Ukraine den Weg weisen.

Wien (OTS) - Sport und Politik sind untrennbar miteinander
verbunden. Besonders, wenn es sich um sportliche Großereignisse
handelt. Politiker sonnen sich dann gerne im Glanz der Athleten und
versuchen ihr Land - vor allem aber auch sich selbst - in hellstem
Licht erscheinen zu lassen. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden.
Problematisch wird es jedoch dann, wenn sportliche Großereignisse in
diktatorisch regierten Staaten stattfinden. Eines der schaurigsten
Ereignisse in der jüngeren Sportgeschichte war etwa die Fußball-WM in
Argentinien 1978, das damals von einer brutalen Militärjunta
beherrscht wurde. Der damalige Fifa-Präsident Joao Havelange dachte
nicht im Traum daran, den Austragungsort der Meisterschaft infrage zu
stellen. Auch die Olympischen Spiele in Peking 2008 erschienen wegen
der repressiven Menschenrechtspolitik Chinas in einem schiefen Licht.
Jetzt steht die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine an. Und
erneut stellt sich die Frage, wie man mit einem diktatorischen Regime
umgeht. Präsident Viktor Janukowitsch trachtet danach, die Opposition
in seinem Land mundtot zu machen. Die frühere Ministerpräsidentin und
nunmehrige Oppositionsführerin Julia Timoschenko verbüßt derzeit eine
siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Machtmissbrauchs. Der
Westen kritisiert das Urteil zu Recht als politisch motiviert.
Timoschenkos Tochter richtete zuletzt einen dramatischen Appell an
den Westen. Wenn ihre schwer erkrankte Mutter sterbe, sterbe auch die
Demokratie in ihrem Land.

Aus Protest haben inzwischen mehrere westeuropäische
Staatsoberhäupter ihre Reise zu einem geplanten Gipfeltreffen Mitte
Mai in der Ukraine abgesagt. EU-Kommissionspräsident Jose M. Barroso
geht noch einen Schritt weiter. Er will den EM-Spielen in der Ukraine
fernbleiben. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel erwägt ebenfalls
einen sogenannten politischen Boykott der EM. Sportfunktionäre und
Politiker aus der zweiten Reihe denken inzwischen auch an eine
Verlagerung der Spiele in ein anderes Land nach. Allerdings wegen der
angespannten Situation nach den jüngsten Bombenanschlägen.

Sollte sich die Sicherheitslage entspannen, sollte die EM unbedingt
in der Ukraine ausgetragen werden. Und alle westeuropäischen
Politiker sollten hinfahren und die große Bühne dafür nutzen, um
offen ihre Meinung zu sagen. So wie die deutsche Fechterin Imke
Duplitzer in Peking. Sie blieb der Eröffnungsfeier demonstrativ fern
und übte scharfe Kritik am Regime in Peking. Ihre Wettkämpfe hat sie
trotzdem bestritten. Das war mutig.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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