• 30.04.2012, 09:19:11
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Heuer letzter 1. Mai-Aufmarsch ohne AsylwerberInnen

Kampagne fordert Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt für Asylsuchende statt Perspektivlosigkeit

Wien (OTS) - Die Plattform "Machen wir uns stark", die von SOS
Mitmensch, dem Verein Projekt Integrationshaus und M-Media getragen
und von weiteren Organisationen unterstützt wird, startet am 1. Mai
eine Kampagne für die Öffnung des Zugangs zum regulären Arbeitsmarkt
für Asylsuchende. Spätestens 6 Monate nach Asylantragstellung sollen
jugendliche und junge erwachsene AsylwerberInnen eine Lehre machen
dürfen und erwachsene Asylsuchende sollen über Saisonarbeit und
geringfügige gemeinnützige Tätigkeiten hinaus tätig werden dürfen.

Seit dem Jahr 2004 wird der Zugang zum Arbeitsmarkt für
Asylsuchende durch einen Erlass des Ministeriums für Arbeit und
Wirtschaft blockiert. Perspektivlosigkeit unter jungen Menschen ist
die Folge und auch Erwachsene trifft der versperrte Zugang zum
Arbeitsmarkt hart. Viele warten schon Jahre auf die Möglichkeit,
regulär zu arbeiten und auf eigenen Beinen stehen zu können.

Nicht nur Menschenrechtsorganisationen, sondern auch die
Sozialpartner haben diese Problematik erkannt. In ihrem Bad Ischler
Dialogpapier 2011 haben die Sozialpartner festgehalten:
"AsylwerberInnen sollen 6 Monate nach Asylantragstellung in
Österreich die Möglichkeit haben, eine auf max. 12 Monate befristete
Beschäftigungsbewilligung zu erhalten. Ein besonderes Anliegen sind
den Sozialpartnern die jugendlichen AsylwerberInnen, für die durch
die Möglichkeit einer Lehrausbildung eine neue Perspektive geschaffen
werden soll."

Unterstützt wird die "Machen wir uns stark"-Kampagne von
ProponentInnen aus fast allen gesellschaftlichen Bereichen. Zu den
ErstunterstützerInnen zählen etwa die Literaturnobelpreisträgerin
Elfriede Jelinek, die Unternehmer Hans Staud, Rudolf Semrad, Herbert
Stepic und Volker Hornsteiner, der Kabarettist Josef Hader, der
Regisseur Ulrich Seidl, die Autorin und Menschenrechtsaktivistin
Susanne Scholl sowie die Gesangskünstler Austrofred, Willi Resetarits
und Christoph & Lollo.

Lin (Asylwerberin): "Ich bin Asylwerberin. Ich habe fast fünf
Jahre auf meine Asylentscheidung gewartet. Wie lange muss ich noch
warten? Niemand weiß das. Ich habe in Österreich die deutsche Sprache
gelernt und mit Hilfe des Integrationshauses die Hauptschule
abgeschlossen. Ich habe auch eine Ausbildung als Heimhelferin
gemacht. Normalerweise kann ich schon arbeiten gehen, aber ich habe
keinen Asylbescheid. Ich möchte mich verselbstständigen. Ich habe
Kraft. Ich möchte arbeiten gehen. Arbeit! Arbeit! Arbeit!"

Hans Staud (Wiener Konfitürenhersteller): "Ich unterstütze die
Kampagne "Machen wir uns stark gegen Zukunftsraub", damit
Asylwerber/innen in kalkulierbarer Zeit ihre Fähigkeiten,
Qualifikationen und Motivation in den heimischen Arbeitsmarkt
einbringen können und dadurch ihre Zukunft sicherer planen und ein
menschenwürdiges Leben in unserem Land führen können."

Alexander Pollak (Sprecher von SOS Mitmensch): "Unser Ziel ist,
dass heuer der letzte 1. Mai-Aufmarsch stattfindet, an dem keine
AsylwerberInnen teilnehmen. Es ist gesellschaftlich falsch,
ökonomisch unvernünftig und menschlich katastrophal, AsylwerberInnen
den Zugang zu Lehre und Arbeitsmarkt zu versperren. Obwohl ein großer
Teil der Betroffenen langfristig in Österreich bleibt, werden
AsylwerberInnen künstlich zu Langzeitarbeitslosen gemacht. Das ist
Zukunftsraub. Die Sozialpartner und viele PolitikerInnen haben das
bereits erkannt. Mit unserer Kampagne wollen wir nun auch das
Sozialministerium und das Innenministerium von der Win-Win-Situation
überzeugen, die sich ergibt, wenn Asylsuchende nicht mehr zum
Nichtstun verurteilt sind."

Andrea Eraslan-Weninger (Geschäftsführerin des
Integrationshauses): "Der lange geforderte Zugang zum Bildungs- und
Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen soll endlich Realität werden. Dies
würde das Image von AsylwerberInnen heben und ein Leben in
Selbstbestimmung erleichtern. So wären Asylsuchende auch nicht mehr
nur auf die viel zu geringe Grundversorgung - "heiße" 10,08 Euro pro
Tag für einen Alleinstehenden inklusive Miete! - angewiesen.".

"Einerseits benötigt die Wirtschaft gut ausgebildete Fachkräfte
und andererseits gibt es eine Reihe von Asylsuchenden, die
interessante Ausbildungen, Erfahrungen und vielfältige
Sprachkenntnisse mitbringen. Doch solange sie im Asylverfahren sind,
heißt es für sie immer nur Bitte warten! Die Wirtschaft klagt auch,
dass sie offene Lehrstellen oft nicht besetzen kann. Für Jugendliche
gilt nicht nur ein de-facto Arbeitsverbot, sondern auch ein
Ausbildungsverbot, da die Aufnahme einer Lehrausbildung eine
entsprechende Genehmigung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz
voraussetzt. Hier werden Potentiale und wertvolle Lebenszeit
verschwendet! Dies müssen wir ändern. Geben sie Flüchtlingen eine
Zukunft und unterstützen sie unsere Kampagne", fordert
Eraslan-Weninger abschließend zur aktiven Unterstützung der Kampagne
auf.

Alle Informationen zur Kampagne finden Sie ab 1. Mai hier:
http://www.machen-wir-uns-stark.at/

Rückfragehinweis:
Alexander Pollak
Tel.: 0664 512 09 25
[email protected]
www.sosmitmensch.at

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