- 19.04.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt Leitartikel: Wir brauchen jetzt keine schrägen Ideen - von Wolfgang Unterhuber
Über kürzere Arbeitszeiten zu diskutieren, ist fern der Realität
Wien (OTS) - Eigentlich war es eine gute Woche. Der Internationale
Währungsfonds revidierte die Wachstumsaussichten für die
Weltkonjunktur leicht nach oben, speziell diejenigen für Mittel- und
Osteuropa. Hier wurde das Wachstum von 1,1 auf 1,9 Prozent
hinaufkorrigiert. Ein gutes Signal für die österreichische
Wirtschaft, die in dieser Region bekanntlich stark engagiert ist. Was
Österreich anlangt, folgte dann die nächste gute Nachricht: Die
Ratingagentur Fitch bestätigte das Triple A. Die geringe
Arbeitslosigkeit und die insgesamt "soliden wirtschaftlichen
Fundamentaldaten" wurden als Grund für die Bestnote angeführt. Als
Sahnehäubchen obendrauf erwiesen sich schließlich die Ergebnisse des
"CFO-Barometers": Diese von Deloitte, Business Circle und dem CFO
Club Austria in Kooperation mit dem WirtschaftsBlatt durchgeführte
Umfrage zeigt, dass sich die Stimmung unter den Finanzvorständen
verbessert.
Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen: Die Krise ist nicht
vorbei. Allen, von den IWF-Analysten bis hin zu den heimischen
Finanzchefs, bereitet nach wie vor die europäische Finanzkrise
Sorgen. Für Euphorie besteht also kein Anlass. Aber eine
grundsätzlich bessere Stimmung ist schon mal lustiger als
verzweifeltes Händeringen. Jedenfalls geht es jetzt darum, den
eingeschlagenen Weg der allgemeinen Konsolidierung fortzusetzen.
Umso seltsamer mutet an, was diese Woche aus der SPÖ und dem ÖGB zu
vernehmen war. Dort will man jetzt über eine Verkürzung der
Arbeitszeit diskutieren. Diejenigen, die 40 Stunden pro Woche
arbeiten, sollen künftig auf 38,5 Stunden angeglichen werden. Das
soll dazu beitragen, dass ältere Arbeitnehmer länger arbeiten, weil
man ja das faktische Pensionsantrittsalter anheben will. In der
Schule würde man dazu "Themenverfehlung" sagen: Wenn die SPÖ in ihrem
Projekt "Österreich 2020" schon über allerlei Themen plaudern will,
so sollte sie darüber nachdenken, wie ältere Arbeitnehmer für die
Unternehmer billiger werden. Es lohnt sich sicher, hier wieder einmal
über Lohnnebenkosten und/oder diverse automatische Gehaltssprünge
nachzudenken.
Die Wähler werden es verstehen. Wie in der Schweiz: Dort hat sich die
Bevölkerung jüngst per Volksabstimmung deutlich gegen eine Erhöhung
des Urlaubsanspruchs ausgesprochen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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