Lueger-Ring wird umbenannt, Lueger-Denkmal wird gekippt

Wien (OTS) - Nach dem Ende 2009 ausgerufenen Open Call des "Arbeitskreises zur Umgestaltung des LuegerDenkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus" und dem Ende 2011 erschienenen "Handbuch zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals" sollen den Verzögerungsaktionen seitens der Stadt Wien nun endlich Taten folgen und das Lueger-Denkmal gekippt werden.

Der prämierte Umgestaltungsentwurf von Klemens Wihlidal sieht vor, Statue und Sockel um 3,5 Grad nach rechts zu neigen. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass der Entwurf die Unsicherheit der Stadt Wien im Umgang mit Karl Lueger verdeutliche und den aktuellen Stand der Diskussion zeige. Die Schieflage verweist auf den problematischen Umgang der Stadt Wien mit ihrer antisemitischen Vergangenheit. Durch den Eingriff wird der vertikale Charakter des Monuments gebrochen und der Mythos um Lueger als Vaterfigur Wiens hinterfragt.

Mailath-Pokornys Argumente für die Umbenennung des Lueger-Rings ziehen die Notwendigkeit der Umgestaltung des Denkmals nach sich:
Lueger (1844 bis 1910) sei nicht nur ein "kommunaler Erneuerer" gewesen - der frühere Wiener Bürgermeister hatte kommunale Dienstleistungen wie die Wasser- und Energieversorgung und das Straßenbahnnetz von Grund auf neu organisiert -, sondern gelte auch als "Begründer des modernen Antisemitismus", so Mailath-Pokorny. Außerdem gebe es Belege für die Wissenschaftsfeindlichkeit des ehemaligen Stadtoberhaupts, wonach er etwa Universitäten als "Brutstätten der Religions- und Vaterlandslosigkeit" verunglimpft habe. Das vom Arbeitskreis veröffentlichte Handbuch (deu/eng) versteht sich als ein handlungsorientierter Beitrag zum Denk- und Mahnmaldiskurs. Die Publikation versammelt alle 225 eingereichten Entwürfe, zeigt den Projektverlauf und dokumentiert die Verhandlungen mit der Stadt Wien. Die eingereichten Umgestaltungsideen werden durch Beiträge von Gastautor*innen, Unterstützer*innenstatements, Auszüge aus dem Pressespiegel und einen Beitrag zum Personenkult um Karl Lueger kontextualisiert.

Gastautor*innen: Aleida Assmann (Kulturwissenschaftlerin), Eva Blimlinger (Historikerin, Rektorin), Ljubomir Bratic (Philosoph), Diedrich Diederichsen (Kulturwissenschaftler), Heide Hammer (Philosophin) und Kurto Wendt (Aktivist), Verena Krieger (Kunsthistorikerin), Rudolfine Lackner (Präsidentin der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs), Hannes Leidinger (Historiker) und Verena Moritz (Historikerin), Matthias Reichelt (Kunstkritiker), Heidemarie Uhl (Historikerin)

Das "Handbuch zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals" gibt es zu bestellen oder als Gratis-Download unter: http://www.luegerplatz.com

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