- 17.04.2012, 18:15:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum man auf Sarkozy hoffen muss - von Hans Weitmayr
Ohne kampferprobtes politisches Personal droht Eskalation der Eurokrise
Wien (OTS) - Er macht es einem nicht leicht, zu ihm zu halten - zu
unappetitlich ist sein Fischen in trüben rechten Gewässern. Auch sein
Hang zum Glamour lässt immer wieder Zweifel an seiner Seriosität
aufkommen. Und doch: Nicolas Sarkozy ist aus europäischer Sicht der
Kandidat für die französische Präsidentschaft, auf den man setzen
muss.
Zwar stimmt es, dass man nicht auf jeden nervösen Schluckauf der
Märkte reagieren darf. Diese befinden sich aber wieder auf dem Sprung
zu einer neuen Eskalationsstufe. Das scheinen weder Politik noch EZB
erkennen zu wollen. Ein Wechsel im Élysée durch einen unvertrauten
Francois Hollande, der bereits angekündigt hat, diverse Reformen in
Frankreich wieder zurückzufahren, würde höchstwahrscheinlich zu neuen
Kursrutschen an den Finanzmärkten führen. Das wäre im Aktiensegment
schon problematisch genug. Wenn wir in den vergangenen Jahren aber
eines gelernt haben, dann, dass man die Zerstörungskraft des Marktes
für Staatsanleihen nicht überschätzen kann. Kommt es zu einem
weiteren Anstieg der Renditen - über Spanien hinaus -, ist ein
schnelles Eingreifen der Europäer gefragt. Dazu braucht es aber die
Achse Paris-Berlin. Diese wäre nach einem sozialistischen Wahlsieg
vorerst außer Kraft gesetzt. Das wiederum würde bedeuten, dass man
sich wie zu Beginn der Krise einem Angriff der Märkte ohne
kampferprobtes politisches Personal gegenübersehen würde. Im
Gegenteil: Hollande könnte versuchen, sich zu profilieren, indem er
mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel auf Konfrontationskurs
geht. Ein politisches Patt wäre die Folge, das sich in einem zweiten
Schritt auf die EZB ausweiten würde - deren unorthodoxes Vorgehen war
nur möglich, nachdem Deutschland und Frankreich sich auf eine solche
Strategie geeinigt hatten - übrigens ein nicht hoch genug
einzuschätzendes Verdienst von Sarkozy.
In der letzten Stufe eines solchen Szenarios würde Spanien unter dem
Druck der Märkte zusammenbrechen. Ein Schlüpfen unter die
EU-Rettungseinrichtungen wäre die Folge. Diese wären dann aber
ausgereizt, weil für den zweiten Wackelkandidaten Italien die Mittel
nicht ausreichen. Es blieben nur zwei Alternativen: Frankreich und
Deutschland finden zusammen und die Schirme werden weiter aufgestockt
- dann wird man sich wünschen, die Schirme von Beginn an mit einer
Billion Euro - und nicht Dollar - ausgestattet zu haben. Oder der
Worst Case tritt ein und Italien geht pleite.
Angesichts dieser Risiken kann man Sarkozy wirklich nur die Daumen
drücken.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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