Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet

Studie von Viktor Mayer-Schönberger und Atilla Marton bestätigt Wichtigkeit von Online-Präsenz für Öffentlich-Rechtliche

Wien (OTS) - In einer neuen, vom ORF beauftragten Studie untersuchten die renommierten Medienwissenschafter Viktor Mayer-Schönberger und Attila Marton von der Oxford University "Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet". Die wichtigsten Ergebnisse wurden im Rahmen eines Studientages des ORF-Publikumsrates mit dem Titel "Öffentlich-rechtliche Medien im digitalen Zeitalter" am Montag, dem 16. April 2012, präsentiert. Die Studie kommt insgesamt zu dem Schluss, dass öffentlich-rechtlichen Medien wie dem ORF eine deutlich andere, aber auch weitere Rolle zukommen muss als bisher behauptet.

Mayer-Schönberger: "Derzeitige Beschränkungen unsinnig"

Mayer-Schönberger, Autor der preisgekrönten Weltbestsellers "Delete -Die Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten", und Marton skizzieren in der Studie die bisherige Public-Value-Debatte, analysieren die Argumente der Kritiker, entwickeln ein neues, den Qualitäten des Internets geschuldetes Rollenverständnis öffentlich-rechtlicher Medien im Netz und geben konkrete Empfehlungen an Politik, Regulierungsbehörde, die öffentlich-rechtlichen Medien selbst sowie die Gesellschaft ab. Eine der wesentlichen Schlussfolgerungen: "Die derzeitige gesetzliche Beschränkung öffentlich-rechtlicher Medien in Deutschland und Österreich ist schlichtweg unsinnig. Sie beschränkt in einer crossmedialen Welt die Öffentlich-Rechtlichen auf einen konventionellen Medienstrom. Das ist - bildlich gesprochen - als würde man öffentlich-rechtlichen Medien in Zeiten des Farbfernsehens vorschreiben, nur schwarz-weiß zu senden. Derlei ist sowohl wirtschaftlich absurd (weil höchst ineffizient), sondern auch demokratiepolitischer (und damit gesamtgesellschaftlicher) Unsinn."

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Studie bestätigt Position des ORF"

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz zeigt sich wenig überrascht von den Ergebnissen: "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen nun die Position des ORF, auf allen Plattformen, also auch im Internet, die Österreichrinnen und Österreicher mit Content und Programm zu versorgen. Der Erfolg unserer Angebote im Netz - 5,4 Millionen Unique Clients im ORF.at-Network, 8,8 Millionen monatliche Videoabrufe auf der ORF-TVthek - beweist, wie stark unserer öffentlich-rechtlichen Angebote im Netz vom Publikum geschätzt und genutzt werden."

Studie "Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet":
Forderungen an Politik, Regulator und ORF

Aus ihren Ergebnissen leiten die Studienautoren Mayer-Schönberger und Marton Empfehlungen und Forderungen an die Politik, den Regulator, die öffentlich-rechtlichen Medien und die Gesellschaft ab:
Politischen Entscheidungsträger/innen empfehlen sie, sich von überalterten Begriffen und Denkschemata zu befreien und die gesetzliche Rolle öffentlich-rechtlicher Medien aus den Qualitäten und Anforderungen einer vernetzten Welt heraus zu definieren. Im Konkreten seien absurde und ungerechtfertigte Beschränkungen abzuschaffen und eine Beteiligung von Nutzer/innen an der Diskussion zu ermöglichen. Regulierungsbehörden sollten sich nicht weiter nur auf die Umsetzung und Überwachung der Vorgaben durch Gesetzgeber zu beschränken, sondern hätten der Politik Feedback über Effektivität und Effizienz der Vorgaben zu geben und Grundlagen für Entscheidungen zu erheben.

Öffentlich-rechtlichen Medien wird empfohlen, sich auf den Wegfall der Beschränkungen vorzubereiten, ihre eigenen Strukturen und Prozesse zu überdenken und dahingehend anzupassen, ihre gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Sinne von Public Value gerade auch im Internet und crossmedial zu erfüllen.

Der Studientag des Publikumsrates wird am Donnerstag, dem 19. April 2012, um 22.30 als "ORF-DialogForum spezial" in ORF III ausgestrahlt. Die Studie "Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet" steht auf zukunft.ORF.at als Download zur Verfügung.

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