WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Weichen bei den ÖBB sind vorerst gestellt - von Esther Mitterstieler

Die ÖBB sind als Strukturunternehmen systemrelevant

Wien (OTS) - So wie es derzeit aussieht, geht es den ÖBB besser
als gedacht. Und ihr Chef Christian Kern wird die von Infrastrukturministerin Doris Bures vorgegebenen Weichen stellen. Will heißen: Nach einem Verlust von 28 Millionen Euro im Jahr 2011 werden die Staatsbahnen auch heuer noch negativ bilanzieren. 2013 aber will Kern nach Vorgaben seiner Chefin die operative Null erreichen. Knackpunkt bleibt die Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria. Nicht zuletzt durch die Schwierigkeiten dieses Sorgenkindes mussten die ÖBB 2010 satte 330 Millionen Euro Verlust ausweisen. Noch immer bleibt ein hoher Druck aus dem Bereich - vor allem im Containergeschäft - und die Margen brechen weg. Dennoch bleibt der Bahnchef optimistisch.

Dabei muss er noch jede Menge Hausaufgaben erledigen. Bis 2015 muss er 500 Millionen Euro Ergebniseffekt erzielen, 190 davon sind erst geschafft, bleiben noch 310. Bei den Mitarbeitern tut sich Kern schwer. Will er per Golden Handshake Mitarbeiter in die Pension schieben, bräuchte er dazu Geld. Das könnte er sich aus einer Kapitalerhöhung holen, die ihm die beiden Koalitionspartner aber noch nicht gebilligt haben. Rund 400 Millionen Euro sind im Gespräch. Außer der Auszahlung von Mitarbeitern sollte das Geld aber auch für die Expansion genutzt werden. Und hier liebäugelt Kern weiter mit einer Billigtochter. Gemeinsam mit der Ungarischen MAV, so der Plan, könnte die Tochter den südosteuropäischen Markt aufbereiten.

Ad billig: Rund 460.000 Billigtickets hat die Bahn im Vorjahr verkauft. In der Gunst der Bahnfahrer hat Kern sein Unternehmen sicher beliebter gemacht. Dazu hat ihm freilich auch die Westbahn verholfen. Konkurrenz belebt eben das Leben. Originell und klug ist der Vorstoß Richtung Pendler: Per Fahrtkostenrechner zeigen die ÖBB den Zugfahrern auf, wie viel Geld sie sparen können, wenn sie ihr Auto stehen lassen und die Bahn verwenden. Das sind richtig gestellte Weichen. Ob sie ausreichen, um die Bahn langfristig in der schwarzen Zahlenebene fahren zu lassen, wird sich weisen. Nicht zu vergessen:
Geschätzte 20 Milliarden Euro ÖBB-Schulden lasten auf dem Steuerzahler. Pro Jahr wird der Staat die Bahn auch weiterhin mit zumindest 1,5 Milliarden Euro auf die Schiene schicken müssen, zeigen Berechnungen von Experten. Gleichwohl ist das auch die Aufgabe des Staates für ein Infrastrukturunternehmen, das man in der Bankersprache getrost als systemrelevant bezeichnen dürfte. Relevanter als manch Kärntner Lokalbank sind die Staatsbahnen allemal. Kern hat die Weichen gestellt, muss aber auf Kurs bleiben.

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