- 11.04.2012, 20:51:35
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Déjà-vu, Kommentar zur Bund-Auktion von Kai Johannsen
Frankfurt (ots) - Es gleicht einem Déjà-vu mit dem zweiten Halbjahr
2011. Der Bund tritt in einem mit Blick auf die Eurozonen-Peripherie
nervösen Marktumfeld auf und will planmäßig eine Anleihe versteigern.
Die Investoren reißen sich regelmäßig - Stichwort: Flucht in
Sicherheit - um Bundesanleihen. Nur in der Momentaufnahme der Auktion
reicht die Nachfrage der Banken nicht aus, um das Emissionsvolumen
vollständig zu platzieren. Eine Unterdeckung in der Auktion ist die
Konsequenz.
Gründe dafür ließen sich seinerzeit viele finden. Infolge der Flucht
in Qualität waren die Renditen auf immer neue Rekordtiefs gesunken.
Oder die Akteure hielten sich zurück, weil gerade eine Anleiheauktion
eines Peripherielandes schlecht lief oder ein solches Land kurz nach
dem Bund wieder an den Markt wollte und befürchtet wurde, dass auch
diese Auktion enttäuschen würde. Oder bei den Bundesanleihen wurden
just zum Zeitpunkt der Auktion Gewinne mitgenommen, was in der
Auktion zur Zurückhaltung mahnte. Für Verunsicherung sorgte mitunter
auch die Europäische Zentralbank (EZB), wenn befürchtet wurde, sie
könnte bei Bondkäufen extrem stark zugreifen.
Und gestern? Gestern kam alles zusammen. In der vorigen Woche lief
eine Anleiheauktion der Spanier enttäuschend - erstmals in diesem
Jahr. Das erhöhte die Nervosität, wie an seit Tagen andauernden
Spread-Ausweitungen ablesbar ist. Befürchtet wurde, dass auch andere
Länder nun wieder unter Druck geraten könnten. Das zeigte sich
ebenfalls gestern. Die Italiener mussten am Geldmarkt kräftig
draufzahlen. Und vor allem: Heute kommen die Italiener auch noch mit
Bonds - kein gutes Omen.
Am Sekundärmarkt waren zudem Gewinnmitnahmen zu beobachten, denn tags
zuvor war der Bund-Future auf ein Rekordhoch geklettert - wegen der
Verunsicherung mit Blick auf die Peripherie. Da hielten sich Anleger
bei neuen Bund-Papieren ein wenig zurück. Und zu guter Letzt: Auch
die EZB mischte wieder mit: EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré
hält den steigenden Druck der Finanzmärkte auf Spanien nicht für
gerechtfertigt und bringt Eingriffe über den Bondmarkt ins Spiel.
Und ein Marktteilnehmer, dem das alles nicht zur Zurückhaltung
ausreichte, der konnte sich ja noch die Rendite der neuen
zehnjährigen Bundesanleihe vor Augen führen: Ein rekordniedriger
Kupon von gerade einmal 1,75%, eine zwei Basispunkte höhere
Durchschnittsrendite. Real ist der Ertrag ohnehin negativ. Wer
wundert sich bei dieser Gemengelage über ein vorsichtiges Taktieren
der Anleger in der Auktion?
Rückfragehinweis:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
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