• 11.04.2012, 12:40:52
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Diakonie: Abschiebung stoppen, Integration ermöglichen!

Familie mit schwer traumatisiertem Kind, schwangerer Mutter und selbstmordgefährdetem Vater soll nach Tschetschenien abgeschoben werden.

Wien (OTS) - Eine tschetschenische Familie mit drei Kindern wurde
gestern aus Kärnten nach Wien geholt und soll nach Tschetschenien
abgeschoben werden. Die gesamte Familie, die bereits 2007 nach
Österreich geflohen ist, spricht sehr gut Deutsch, die Kinder Selima
und Magomed sind sehr gute Schüler. Die Familie ist unbescholten und
hat weitreichende Integrationsbemühungen gesetzt. Sie haben die für
die Gewährung eines humanitären Aufenthaltes notwendigen
Kursmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen und der Vater sucht intensiv
nach einer Arbeit, damit er sich und seine Familie selbst versorgen
kann.

Diese Bemühungen sind umso bemerkenswerter, als Herr G. und seine
Tochter Samira schwer traumatisiert sind. Herr G. ist seit seiner
Einreise in psychotherapeutischer Behandlung beim Verein Aspis, seine
Tochter Samira hat aufgehört zu sprechen und ist in Behandlung beim
Kinderschutzzentrum Delfi. Der Primarius für Kinderneuropsychiatrie
am Klinikum Klagenfurt, Dr. Wolfgang Wladika hält Samira wegen
psychischer Belastung und Traumatisierung für nicht abschiebbar. Für
die schwangere Mutter ist die gesundheitliche Situation ihrer
Angehörigen besonders belastend.

Nach Beobachtungen der Diakonie ist es das erste Mal, dass eine
Familie direkt nach Tschetschenien abgeschoben werden soll.
Offensichtlich ist bisher auf die nach wie vor extrem schwierige
Menschenrechtslage in Tschetschenien Bedacht genommen worden.

Die Diakonie ist permanent mit verschiedenen
Menschenrechtsorganisationen in Russland in Kontakt, welche
wiederholt davon berichtet haben, dass Menschen nach ihrer Rückkehr
nach Tschetschenien inhaftiert wurden oder spurlos verschwunden sind.
Neben der bedrohlichen Sicherheitslage ist zusätzlich der Zugang zum
Gesundheitssystem - insbesondere zu einer Traumatherapie - für
Rückkehrer de facto nicht möglich.

Auf diese verzweifelte Lage hat Herr G. gestern mit einer
Selbstverletzung reagiert. Für den renommierten Traumaexperten der
Universität Klagenfurt, Prof. Dr. Klaus Ottomeyer besteht akute
Suizidgefahr.

"Alles spricht dafür, dass dieser Familie ein humanitäres
Aufenthaltsrecht eingeräumt werden muss. Denn die Frage kann nun
nicht mehr sein, ob die Familie alle Gründe für Asyl erfüllen kann,
sondern eher, ob die Familie im Falle ihrer erzwungenen Rückkehr nach
Tschetschenien ein Leben in Würde und Sicherheit erwartet. Wenn es
daran nur den geringsten Zweifel gibt, hat die Republik die
humanitäre Verantwortung, Familie G. eine sichere Zukunft in
Österreich zu ermöglichen ", so Christoph Riedl, Leiter des Diakonie
Flüchtlingsdienstes.

Rückfragehinweis:
Dr. Roberta Rastl-Kircher
Diakonie Österreich, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: (+43) 1 409 80 01-14, Mobil: (+43) 664 314 93 95
E-Mail: [email protected]
Web: www.diakonie.at

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