- 10.04.2012, 14:37:51
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Falter: Nepotismusvorwürfe gegen Dekanin der Uni Wien
Andrea Seiler soll Forschungsgelder an Familienmitglieder verteilt haben
Wien (OTS) - In ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe
berichtet die Wiener Wochenzeitung Falter über brisante Vorwürfe von
Universitätsmitarbeitern gegen die Dekanin der Wiener
Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, Andrea Seidler.
Wie dem Falter zugesandte Honorarnoten und Buchhaltungsunterlagen
aus der Uni Wien zeigen, soll Dekanin Seidler im Rahmen eines vom
Wissenschaftsfonds FWF mit rund 400.000 Euro geförderten Projektes
einen nicht unerheblichen Anteil der Gelder an Familienmitglieder
vergeben haben. So wurde nicht nur die Tochter Seidlers mit rund 8000
Euro und einem zweieinhalb Jahre dauernden geringfügigen
Dienstvertrag bedacht, auch der Schwiegersohn, sowie der Mann von
Seidlers Cousine und einige Bekannte verdienten über mehrere Jahre
mit. Insgesamt landeten fast 30.000 Euro an staatlichen
Forschungsgeldern im Verwandten- und Bekanntenkreis der Dekanin.
Mitarbeiter Seidlers hatten sich vergangene Woche an den Falter
gewendet, weil sie die Aufträge innerhalb der Familie Seidlers nicht
mehr länger mitansehen wollen. So verdiente etwa Seidlers
Schwiegersohn, ein gelernter Friseur, für Scan-Arbeiten rund 4000
Euro. Der Mann von Seidlers Cousine stellte 10.300 Euro in Rechnung,
ein Ex-Freund der Tochter 2000 Euro und ein Bekannter aus Ungarn
weitere 5000 Euro.
Institutsmitarbeiter rittern derweil mit einem Monatslohn von 1500
Euro um kleinere Aufträge. Sie beklagen das Fehlen von
Compliance-Bestimmungen an der Uni.
Andrea Seidler weist im Gespräch mit dem Falter alle
Nepotismus-Vorwürfe zurück. Ihre Tochter sei die am besten
qualifizierte Studentin gewesen, die übrigen Jobs seien tadellos
erfüllt und nicht überbezahlt worden. Alle Verträge seien dem FWF
gemeldet worden. Die Vergabe von staatlichen Forschungsgeldern des
FWF an Familienmitglieder sei nicht verboten, wie Dekanin Seidler
betont. Ein Sprecher des FWF bestätigt diese Angaben Seidlers.
Compliance-Regeln des FWF gebe es nicht, man vertraue auf die
korrekte Verwendung der Mittel. Der Dekan der
rechtswissenschaftlichen Fakultät, Heinz Mayer, spricht im Falter
jedoch von einer "schiefen Optik", wenn Familienmitglieder in so
einem hohen Ausmaß bei staatlich geförderten Projekten beigezogen
werden.
Rückfragehinweis:
Falter. Stadtzeitung Wien Dr. Florian Klenk, stv. Chefredakteur Marc Aurelstraße 9 A-1011 Wien Tel: 01/53660-924 [email protected]
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