- 06.04.2012, 13:00:40
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Salzburger Gletscher wurden 2011 wieder kleiner
Blachfellner: Konsequente Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz nötig / Gletscherrückgang um bis zu 17 Meter
Salzburg (OTS) - Die Entwicklung der Gletscher in Salzburg war im
Beobachtungszeitraum 2010/2011 von einem massiven Verlust geprägt.
Von den dreizehn gemessenen Gletschern zwischen Fuscher Tal
(Brennkogelkees) und dem Wildgerlostal (Wildgerloskees) waren alle
rückläufig, bei acht Gletschern war das Ausmaß des Rückgangs größer
als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Längenverlust der
einzelnen Gletscher betrug zwischen 6,1 und 17,2 Meter. Im
Durchschnitt betrug der Längenverlust aller gemessenen Gletscher 10,3
Meter.
Dies geht aus einem aktuellen Bericht von Mag. Gabriel Seitlinger,
Sachverständiger im Referat Örtliche Raumplanung des Landes,
Univ.-Prof. Dr. Heinz Slupetzky und DI Hans Wiesenegger, Leiter des
Referates Hydrographischer Dienst des Landes, hervor. "Der Rückgang
der Gletscher ist ein eindeutiger Beweis für den Anstieg der
Durchschnittstemperaturen", betonte Umweltschutz- und
Raumordnungsreferent Landesrat Walter Blachfellner heute, Freitag, 6.
April.
Blachfellner spricht sich daher für eine konsequente Umsetzung der
vielen notwendigen Klimaschutzmaßnahmen, wie beispielsweise die
stärkere Nutzung des öffentlichen Verkehrs, aus und erwähnte in
diesem Zusammenhang die erfolgreiche Jahreskartenförderung des
Umweltschutzressorts. Umweltbewusste Menschen belohnen und Anreize
bieten, dass mehr Menschen mit dem Bus oder mit der Bahn in die
Arbeit fahren, sei das erklärte Ziel der Jahreskartenförderung.
"Besitzerinnen und Besitzer einer Jahreskarte des Salzburger
Verkehrsverbundes erhalten 20 Prozent der Kosten für die Jahreskarte
vom Land zurückerstattet", erläuterte Blachfellner.
Der Umweltschutzreferent verwies auf die gemeinsam mit dem
Energieressort von Landesrat Sepp Eisl festgelegten Ziele in der
Klimaschutz- und Energiepolitik für das Land Salzburg. "Bis 2020
sollen die Treibhausgasemissionen um 30 Prozent und bis 2030 um 50
Prozent reduziert werden. 2050 soll das Land Salzburg klimaneutral
und energieautonom sein."
Zur Erreichung dieser Ziele wurde in den vergangenen Monaten ein
zwischen dem Umweltschutz- und Energieressort abgestimmter
Maßnahmenplan zur Erhöhung der Energieeffizienz, für den Klimaschutz
und die Luftreinhaltung ausgearbeitet. Der Plan nimmt mehrere
Bereiche in die Pflicht: Raumwärme und Warmwasser sind ebenso
betroffen wie Energieaufbringung und -verteilung, Mobilität und
Verkehr sowie Raumplanung und öffentliche Gebäude. "Siedlungen vor
allem an der Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs mit Hilfe der
Raumordnung zu entwickeln, ist deshalb ein Gebot der Stunde", so
Blachfellner.
Rückgang der Gletscher
Die größten Längenverluste im Beobachtungszeitraum 2010/2011
betreffen Schmiedingerkees (Kitzsteinhorn) und Landeggkees
(Granatspitzgruppe) mit je 17 Metern sowie das Wildgerloskees
(Reichenspitzgruppe) mit 15 Metern.
Beim Karlinger Kees im Kapruner Tal wurden nach fast 20-jähriger
Pause, während der sich der Gletscher über die markante Steilstufe
zurückgezogen hatte und ein Messen zu riskant war, sieben neue
Messmarken angebracht und gleichzeitig mit GPS eingemessen. Beim
Stubacher Sonnblickees haben die in den vergangenen Jahren immer mehr
ausgeaperten Felsfenster 2011 dazu geführt, dass ein großer Eiskörper
mit einer Fläche von rund 90.000 Quadratmetern endgültig abgetrennt
wurde. Am neuen Eisrand wurden am 4. September 2011 zwölf neue
Messmarken angelegt.
Markante Längenänderungen bzw. Rückschmelzbeträge seit 1960
betreffen Ödenwinklkees (Rückgang: 394 Meter), Unteres Rifflkees (226
Meter) und Stubacher Sonnblickkees (109 Meter).
Millionenverlust am Stubacher Sonnblickkees
Am Stubacher Sonnblickkees wird im Auftrag des Hydrographischen
Dienstes des Landes Salzburg der jährliche Massenverlust gemessen.
Das Sonnblickkees verlor fast 2,8 Mio. Kubikmeter an Eis, das sind
umgerechnet in Schmelzwasser 2,5 Mio. Kubikmeter. Das ist eine
Eisschicht über den ganzen Gletscher (1,1 Quadratkilometer) von 2,3
Metern oder eine 250 Meter hohe Wassersäule auf einem Fußballplatz.
Der Verlust von durchschnittlich 2,3 Metern an Dicke über den ganzen
Gletscher ist der zweitgrößte jährliche Verlust in der 53 Jahre
langen Messserie nach dem Rekordjahr 2003. Die Hauptgründe für den
abermals großen Massenverlust waren der zu warme Sommer kombiniert
mit äußerst wenig Schnee im Winter. Seit 1982, dem Beginn des nun
rund drei Jahrzehnte langen verstärkten Massenabbaus der Gletscher,
verlor das Stubacher Sonnblickkees 33 Millionen Kubikmeter an Wasser,
das sind 27 Mio. Kubikmeter Eis.
Die Nachmessung im Längenmessprogramm des Österreichischen
Alpenvereins am Stubacher Sonnblickkees am bisherigen Gletscherrand
(Zungenende) ergab einen Rückgang von 13 Metern im
Beobachtungszeitraum 2010/2011. Der tatsächliche, geländebedingte
Längenverlust betrug 490 Meter. In den vergangenen Jahren sind
Felsstufen ausgeapert, im Sommer 2011 erfolgte die komplette
Ausschmelzung einer Felsrippe, sodass der Eiskörper unterhalb
abgetrennt und zu "Toteis" wurde. Toteis ist ein nicht mehr von oben
ernährter Eiskörper, der an Ort und Stelle wegschmilzt.
Gletscherinventar erstellt
Von zirka 900 Gletschern in Österreich liegen 173 im Bundesland
Salzburg. 2011 wurde vom Institut für Meteorologie und Geophysik im
Auftrag des Hydrographischen Dienstes Salzburgs ein aktuelles
Gletscherinventar erstellt. In sieben Gebirgsgruppen (Ankogel,
Glockner, Granatspitz, Sonnblick, Hochkönig, Venediger und
Zillertaler Alpen) wurden die Gletscherränder neu kartiert. Die
gesamte vergletscherte Fläche Salzburgs ist von zirka 91
Quadratkilometern im Jahr 1969 auf derzeit rund 66 Quadratkilometer
geschrumpft. Die größten relativen Flächenverluste wurden in der
Ankogelgruppe und am Hochkönig festgestellt.
Die Nachmessungen werden seit 1960 innerhalb des jährlichen
Längenmessprogramms des Österreichischen Alpenvereins für die
österreichischen Gletscher durchgeführt. Sie erfolgen in Salzburg in
Kooperation mit der Raumplanungsabteilung und dem Hydrographischen
Dienst des Landes.
Rückfragehinweis:
Landespressebüro Salzburg - Medien- und Marketingzentrum
Chefredakteurin Mag. Karin Gföllner
Tel.: (0662) 80 42 / 24 33
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