- 04.04.2012, 12:38:00
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AK Kundtner: "Es ist ein Mythos, dass es keinen Equal-Pay-Day mehr braucht. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist nicht Realität"
AK Studie zu "Gehaltsangaben in Jobinseraten" zeigt, dass selbst Gesetze mit Strafandrohung, die für höhere Frauenlöhne sorgen missachtet werden
Wien (OTS) - Das Profil behauptet: Die Einkommensschere zwischen
Frauen und Männern sei ein Mythos. Die AK stellt ein paar Tatsachen
klar:
1. Mythos "Die behauptete skandalöse Lohndiskriminierung findet so
nicht statt."
Tatsache ist aber: Von gleichem Lohn bei gleich(wertig)e Arbeit kann
nicht die Rede sein. Erstaunlich, dass profil die Lohndiskriminierung
zum Mythos erklärt und für die Unterschiede dann doch Belege bringt:
Schon die zitierte Böheim-Studie (2009) weist für 2007 einen nicht
erklärbaren Unterschied von 12,6 % in der Privatwirtschaft nach.
Außerdem: Die Böheim-Studie rechnet den Familienstand als erklärbaren
Faktor raus, obwohl das Gleichbehandlungsrecht solcher Art
Diskriminierungen verbietet. Eine Studie der Statistik Austria
(Geisberger 2007) ohne diesen Schwachpunkt kommt auf einen sachlich
nicht erklärbaren Einkommensnachteil von 18,9% für die Frauen.
"Fast 19 Prozent Einkommensunterschied sind schlicht und einfach
skandalös!", sagt Alice Kundtner.
Die AK fordert, verpflichtende Frauenförderung für die
Privatwirtschaft sollte Voraussetzung dafür sein,
Wirtschaftsförderung zu erhalten.
2. Mythos "Teilzeitfalle: Frauen verdienen in Teilzeit weniger als in
Vollzeit, weil sie weniger Stunden arbeiten." Das stellt sogar profil
fest. Was fehlt, ist die Erkenntnis, dass Frauen nicht nur wegen
weniger Arbeitsstunden weniger verdienen.
Tatsache ist: Schon eine Arbeitsstunde in Teilzeit ist um 24 %
schlechter bezahlt als eine in Vollzeit. Das zeigt die
Verdienststrukturerhebung (VESTE Statistik Austria) für 2006. Rund
die Hälfte des Einkommensunterschieds ist durch Teilzeit begründet.
Und dann stellt sich noch die Frage der Freiwilligkeit: Nur 15% aller
Kinder-Betreuungsplätze haben Öffnungszeiten, die mit einer
Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind. Und mehr als 140.000 Eltern
(vor allem Frauen) geben an, aufgrund fehlender
Kinderbetreuungsplätze nicht oder nur in Teilzeit berufstätig zu sein
(Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Statistik Austria 2010).
"Teilzeit-Arbeit entpuppt sich für Frauen spätenstens in der
Pension als Falle", sagt Alice Kundtner.
Die AK fordert, mehr und bessere Kinderbetreuung-Angebote und
Ganztagsschulen. Ein Papamonat könnte darüber hinaus die Beteiligung
der Väter an der Kindererziehung erhöhen.
3. Mythos "Managerdiskriminierung: Kein Skandal für die
Lohnlücken-Polizei"
Tatsache ist: Gerade, weil Frauen kaum in Führungspositionen
gelangen, verdienen sie insgesamt weniger als Männer." Profil stellt
fest, dass Frauen kaum in Führungspositionen vertreten sind. Soweit
noch richtig: Der Frauen.Management.Report der AK Wien zeigt: Im
Vorstand der österreichischen Top-200 Unternehmen sind nach der
neusten Erhebung der AK Wien nur 5,1 Prozent Frauen vertreten. In den
Aufsichtsräten hat sich der Anteil trotz zahlreicher Initiativen der
Wirtschaft nur geringfügig von 10,3 Prozent im Vorjahr auf 11,2
Prozent verbessert.
"Der Versuch, mit dem geringen Frauenanteil in Führungspositionen
Einkommensunterschiede weg zu argumentieren, verdreht die Tatsachen:
Schließlich verdienen Frauen in Österreich insgesamt auch deshalb
weniger als Männer, gerade weil sie so selten in die Top-Positionen
gelangen", sagt Alice Kundtner.
Die AK fordert eine 40-prozentige Quote für AufsichtsrätInnen.
4. Mythos "Positives wird geleugnet"
Tatsache ist: Unternehmen zahlen Frauen und Männern nach wie vor
nicht die gleichen Löhne. Selbst Gesetze mit Strafandrohung, die für
höhere Frauenlöhne sorgen, werden von manchen Unternehmen missachtet.
Ein Beispiel: Seit März 2011 sind Unternehmen verpflichtet,
Gehaltsangaben in Stelleninseraten zu machen. Aber: Erst mit Jänner
2012, seit dem Zeitpunkt, seit dem auch eine Verwaltungsstrafe droht,
wird das Gesetz von der Mehrheit der Unternehmen eingehalten - und
selbst dann nicht von allen.
Eine Analyse der AK Wien von über 1.200 Inseraten in den vier
Tageszeitungen zeigt:
86 Prozent der Unternehmen halten sich an das Gesetz und machen
Gehaltsangaben in ihren Jobinseraten. Das heißt aber auch: 14 Prozent
machen keine Gehaltsangaben: Mehr als ein Jahr danach noch immer rund
ein Viertel der Anzeigen von KMUs und rund 10 % jener von
Personalvermittlern keine solche Angabe machen. Im öffentlichen
Bereich beinhalten weniger als die Hälfte der Stellenanzeigen eine
Gehaltsangabe, allerdings gibt es dort nur teilweise die
Verpflichtung dazu.
"Es ist ein Mythos, dass alle vereint gegen Lohndiskriminierung
von Frauen ankämpfen. Freiwillige Selbstverpflichtungen wirken nicht.
Es braucht weitere handfeste Gesetze", sagt Alice Kundtner.
Die AK fordert, dass auch der öffentliche Bereich, vor allem die
Länder und Gemeinden endlich umsetzen. Außerdem, dass das Gesetz
endlich für alle DienstnehmerInnen unabhängig von ihrem Vertrag gilt
und dass alle bislang säumigen Betriebe ihrer Verpflichtung
nachkommen und in Jobinseraten zumindest gesetzeskonform
Gehaltangaben machen.
Außerdem sollten die Einkommensberichte anonymisiert evaluiert
werden und auf festgestellte unerklärliche Einkommensunterschiede in
den Betrieben verpflichtend Frauenfördermaßnahmen folgen müssen.
Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Martina Madner
Tel.: +43-1 501 65-2151
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at
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