Reinhard Göweil: Ex-EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell soll in den ÖVAG-Aufsichtsrat

Staat stellt Volksbanken de-facto unter Kuratel

Wien (OTS) - Der Regierung und den Aufsichtsbehörden platzt bei
den Volksbanken nun der Kragen. Die öffentliche Hand hat der Volksbanken-Gruppe 2009 die Kommunalkredit "abgenommen", der Volksbanken AG Staatshilfe gegeben, 700 Millionen Euro abgeschrieben, und finanziert über eine Kapitalerhöhung deren Überleben. Die Eigentümer des Spitzeninstituts, die 68 Volksbanken (inklusive Ärztebank), verlangten aber bis zuletzt noch zusätzliche Sicherheiten. Nun wird offensichtlich aufgeräumt: In den Aufsichtsrat soll die Ex-EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell entsandt werden. Der bisher für den Aufsichtsratsvorsitz gehandelte Unternehmensrechtler Waldemar Jud hatte bisher die 68 Volksbanken beraten. Ihm wird die notwendige Unvoreingenommenheit nicht geglaubt. Aber die Finanzmarkt-Aufsichtsbehörden gingen noch einen Schritt weiter. Um das langfristige Überleben der Volksbanken-Gruppe zu sichern, soll es einen wechselseitigen und allumfassenden Haftungsverbund der dort tätigen Banken geben. Um den Widerstand dagegen zu brechen, wurde den Volksbanken beschieden, dass jede Bank, die bei der notwendigen Hauptversammlung diese Beschlüsse verweigert, unter Kuratel gestellt wird: Wer dagegen ist, hätte keine Einlagensicherung mehr, die Aufsicht würde sofort einen Regierungs-Kommissär dorthin entsenden, um die Geschäfte zu leiten. Der als neuer Vorstandsvorsitzende in der Regierung akkordierte Ex-Bawag-Vorstand Stephan Koren überlegt derzeit, ob er sich diese Monster-Aufgabe antun soll. Er fürchtet Einflussnahme durch das Finanzministerium, was die Geschwindigkeit der Entscheidungen verlangsamen würde. Und eines hat die Volksbanken AG sicher nicht:
Zeit.

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