AGES: Forschungsprojekt MELISSA brachte wesentliche Verbesserungen für den Bienenschutz

Gesamtsicht zur Bienengesundheit in Österreich

Wien (OTS) - Mit dem Forschungsprojekt "MELISSA" wurden in Österreich seit 2009 Bienenschädigungen und mögliche Zusammenhänge mit Bienenkrankheiten und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wissenschaftlich untersucht. Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag in den Mais-, Raps- und Kürbisanbaugebieten Österreichs. Unter Einbeziehung der Imkervertreter, der Vertreter der Landwirtschaftskammern, der Saatgutwirtschaft und der ExpertInnen der AGES im Einvernehmen mit den Bundesländern, beauftragt vom Lebensministerium, wurde auf Grundlage der Ergebnisse aus "MELISSA" und wissenschaftlicher Erkenntnisse anderer Mitgliedstaaten sowie einer normenkonformen Risikobewertung dazu vom Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) ein umfassender Anforderungs- und Auflagenkatalog für die Vermarktung und Ausbringung von insektizidgebeiztem Saatgut vorgeschrieben.

Aus dem Endbericht lassen sich folgende Schlüsse ableiten:

  • Durch umfangreiche Auflagen und Maßnahmensetzungen (partielles Anbauverbot) und eine maßgebliche Verbesserung der Beizqualität trat eine signifikante Reduktion von Bienenverlusten ein.
  • Die disziplinierte Umsetzung der Auflagen und deren Gewährleistung ist die Grundlage für die Vermeidung von Bienenschäden und optimierten Bienenschutz.
  • Zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers ist vorrangig Fruchtfolge zielführend. Dennoch ist es zusätzlich notwendig, zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Eindämmung und Bekämpfung dieses Quarantäneschädlings verfügbar zu haben.
  • Es gibt einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut. Von ca. 367.000 Bienenvölkern in Österreich wurden im Jahr 2011 bei 1396 Bienenvölkern Schädigungen durch insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen.
  • Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts MELISSA liefern wichtige Ansatzpunkte zur Verbesserung in der Bewertung und der Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln national und auf EU-Ebene.

Verbesserte Beizqualität verringert Eintrag in Umwelt und verbessert den Anwenderschutz

Ein wesentliches Ergebnis des Forschungsprojekts ist die in Zusammenarbeit mit der Saagutwirtschaft erfolgte massive Verbesserung der Beizmittelqualität: Bereits 2009 konnte bei 96 % der in Österreich mit Insektiziden gebeizten Saatgutpartien der Wert von 0,75 g Abrieb je 100.000 Korn unterschritten werden (Grenzwert 2009:
1,3 g Abrieb je 100.000 Korn; ab 2010 galt der Grenzwert 0,75 g Abrieb je 100.000 Korn). 2011 lag dieser Wert bereits bei 0,17 g / 100.000 Korn. In Kombination mit Abdrift mindernder Sätechnik ergibt sich daraus neben deutlich weniger Beizmittel-Eintrag in die Umwelt auch eine deutliche Verbesserung des Anwenderschutzes. Die risikobasierten Auflagen und ein partielles Anbauverbot haben auch dazu geführt, dass trotz steigender Mais-Anbauflächen die Verwendung von gebeiztem Saatgut um 35 Prozent verringert wurde.

Risikomindernde Maßnahmen wirken bei strikter Einhaltung

Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zeigen auch, dass bei Einhaltung aller risikomindernden Maßnahmen Bienen wirksam geschützt werden können: In Kärnten und weiten Teilen Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark traten keine Bienenverluste durch mit Neonicotinoiden gebeiztem Saatgut auf. Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen in den vergangenen drei Jahren zu einer Reduktion des Schadensausmaßes in jenen Gebieten geführt haben, wo gezielt Schritte zur Einhaltung der Auflagen gesetzt wurden.

Gesamtsicht zur Bienengesundheit

Im Zuge von MELISSA gelang es, eine umfassende Gesamtsicht zur Bienengesundheit in Österreich zu gewinnen: die Untersuchungen erstreckten sich nicht nur auf Rückstände von insektiziden Beizmitteln und andere Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Schadensfall, sondern auch auf zahlreiche Krankheitserreger und Parasiten.

Der Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektiziden Beizmitteln ist unbestritten: In den Jahren 2009 - 2011 sind in Österreich trotz signifikanter Verbesserungen durch behördliche Maßnahmensetzungen regional gehäuft Bienenschäden aufgetreten, die mit der Verwendung von insektizidgebeiztem Mais- und Ölkürbissaatgut in Zusammenhang zu bringen waren. Die starke regionale Komponente mit einer Häufung in Gebieten mit kleinräumiger landwirtschaftlicher Struktur ist ein Hinweis auf besondere Umweltsituationen und daraus resultierender verstärkter Exposition der Bienen mit den bezeichneten insektiziden Pflanzenschutzmitteln in den betroffenen Gebieten.

Dass in Bienenproben auch Rückstände von zum Teil schon lange nicht mehr zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, ist aus Sicht der AGES nicht akzeptabel. Eine genaue Ursachenforschung, aus welchen Anwendungen diese Rückstände stammen, war im Rahmen dieses Forschungsprojekts allerdings nicht möglich. Denkbar sind missbräuchliche Anwendungen in der Landwirtschaft, aber auch im Haus-und Kleingartengartenbereich.

Problem Maiswurzelbohrer

Im Zeitraum des Forschungsprojekts MELISSA hat sich auch der Maiswurzelbohrer weiter ausgebreitet: In Kärnten z. B. konnte er sich in nur vier Jahren, aus Südosten durch das Lavanttal kommend, über das gesamte Bundesland mit einer Ost-West-Ausdehnung von immerhin 180 Kilometern ausbreiten. Auch nördlich der Alpen zeichnet sich in Oberösterreich eine deutliche Vergrößerung des Befallsgebietes ab:
2011 wurden bereits aus 16 Bezirken Käferfunde gemeldet. Mit dem erstmaligen Auftreten an gleich drei Fallenstandorten im Ennstal im Jahr 2011 hat der Käfer einen Sprung von insgesamt beinahe 80 km in einem Jahr gemacht und die letzten bisher befallsfreien Maisstandorte der Steiermark erobert.

Ausführliche Informationen finden Sie unter www.ages.at Endbericht MELISSA: www.dafne.at (Projektnummer 100472)

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