- 02.04.2012, 17:23:45
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Vom Nieren- zum Mühlstein"
Ausgabe vom 3. April 2012
Wien (OTS) - Heute, Dienstag, um 19 Uhr soll Luxemburgs
Regierungschef Jean-Claude Juncker in Linz eine Festrede halten -
anlässlich der Verleihung des Ludwig-Scharinger-Preises an begabte
Studierende. Sein persönlicher Gesundheitszustand wird dabei
vermutlich mehr Interesse hervorrufen als jener des Euro. Denn er
habe, sagt Österreichs Finanzministerin Maria Fekter, als Chef der
Eurogruppe die Beschlüsse zum Euro-Rettungsschirm in Kopenhagen
deshalb nicht selbst erklärt, weil er an Nierensteinen laboriere.
Daher, so lässt uns die Finanzministerin via "Standard" wissen, sei
sie ihm auch nicht gram. Na, Gott sei Dank.
Fekter, die in Internet-Foren mittlerweile "Maria ohne Gnade" genannt
wird, hat Österreich einen Mühlstein umgehängt. Diskrete Gespräche
zur Euro-Rettung macht sie gerne publik, zur geringen Freude ihrer
Kollegen. Im September 2011 erklärte sie umfangreich der staunenden
Öffentlichkeit, welche Tipps der eigens dafür angereiste
US-Finanzminister Timothy Geithner der EU gegeben hatte. Der ging
wohl von Vertraulichkeit aus, aber Fekter erteilte ihm gleich auch
öffentlich eine Absage. Dass die EU und die EZB einen schönen Teil
seiner Vorschläge mittlerweile praktizieren, sei nur am Rande
erwähnt.
Ob die Euro-Finanzminister in Fekters Beisein das offene Wort
weiterhin pflegen, sei dahingestellt. Aber eines ist auffällig: Wenn
sich die Finanzminister jener EU-Staaten treffen, deren Budgets
herzeigbar sind, ist Fekter nicht dabei. Das liegt wohl weniger am
Zustand der öffentlichen Haushalte in Österreich als vielmehr am
Mitteilungsbedürfnis der Ministerin.
Auf dem internationalen Parkett haben Fekters Äußerungen daher nicht
eben zur Reputation der österreichischen Politik beigetragen.
FPÖ-Politiker, die Despoten hofieren, mehrten den Ruf des Landes
zuletzt auch nicht gerade.
Umso wichtiger wäre es, dass die Regierungsmitglieder im Ausland
ordentlich auftreten. Dazu gehört übrigens nicht nur Etikette,
sondern durchaus eine eigene Meinung.
Fekters Doppel-Ausrutscher ist auch für die ÖVP schädlich. Deren
bürgerliche Stamm-Klientel ist eher peinlich berührt. Wenn Fekter
meint, ihre Abstempelung in "blond, blauäugig und aus der Provinz"
habe auch geholfen, eine Marke zu werden, mag sie damit recht haben.
Die ohnehin ramponierte Marke ÖVP wird dadurch nicht gerade "positiv
aufgeladen", so viel ist sicher.
www.wienerzeitung.at/leitartikel
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