Anonymous in ÖSTERREICH: "Wir haben 10.295 Politiker-E-Mails"

Hacker-Gruppe will ab Mitternacht mit Veröffentlichung beginnen - es geht um "Steuerhinterziehung, Korruption und noch Schlimmeres"

Wien (OTS) - In einem Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH (Sonntag-Ausgabe) legt die Hacker-Gruppe Anonymous ihre Pläne offen. Aus Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung hackten die Aktivisten Politiker-Accounts und wollen nun ab Mitternacht die erbeuteten E-Mails Schritt für Schritt veröffentlichen.

ÖSTERREICH: Ihr wollt - aus Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung - Mails von Politikern outen. Wozu?
Anonymous: Wir haben die Operation Pitdog gestartet, um zu zeigen, wie es sich anfühlt, überwacht zu werden. Die eigentliche Aufgabe -Bloßstellen der IT-Sicherheit - wurde auch erfüllt.

ÖSTERREICH: Von welchen Politikern habt ihr Mails?
Anonymous: Wir sind an E-Mails und andere Materialien von allen größeren Parteien gelangt. Es ist eine breite Palette von Politikern betroffen.

ÖSTERREICH: Ihr behauptet, diese E-Mails würden die Republik "erschüttern".
Anonymous: Es gibt speziell im Bereich der ÖVP und SPÖ eine Menge Indizien für Skandale. Auch die FPÖ liefert im internen Nachrichtenverkehr genug Stoff, um deren sehr rechte Ausrichtung zu unterstreichen und hier werden die Behörden wohl auch wieder Ermittlungen im Bereich der Wiederbetätigung und Verhetzung aufzunehmen haben.

ÖSTERREICH: Andere Parteien sind nicht betroffen?
Anonymous: Beim BZÖ sind wir auch fündig geworden. Deren Mails sind aber bei Weitem nicht so interessant. Zu guter Letzt stießen wir auf einiges an Unverständnis bei der Parteikommunikation der FPK. Da hatten wir einiges zu lachen.

ÖSTERREICH: Ihr hattet einigen Politikern zur "Selbstanzeige" geraten. Weshalb?
Anonymous: Das wissen die einzelnen Politiker genau. Es geht dabei um verschiedene Delikte: angefangen von Steuerhinterziehung über Korruption bis hin zu noch schlimmeren Tatbeständen. Hier nehmen wir die E-Mails als Beweise und hoffen, dass es unsere Justiz, welche jedoch offensichtlich auf Anweisung von Parteien handelt, auch so sieht.

ÖSTERREICH: Ich kann die Inhalte der E-Mails derzeit natürlich noch nicht bewerten. Wie viele E-Mails habt Ihr denn konkret?
Anonymous: Es handelt sich um genau 10.295 E-Mails, hauptsächlich parteiinterne Kommunikation, aber auch private Nachrichten mit brisantem Inhalt. Diese könnten zu einigen Konflikten in der politischen Landschaft führen.

ÖSTERREICH: Die FPÖ hatte auffallend nervös auf Eure Ankündigung reagiert. Versteht Ihr diese Angst?
Anonymous: Anhand der Materialien, die uns vorliegen, können wir die Angst natürlich nachvollziehen. Es sind viele private Gespräche dabei, aber eben auch brisante Informationen über diverse Deals, die wohl nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

ÖSTERREICH: Ihr habt auch angedeutet, dass der Verfassungsschutz Journalisten abgehört habe. Habt Ihr Beweise dafür?
Anonymous: Ja, 17. Hier hat uns ein Maulwurf im System des Verfassungsschutzes einige Dokumente zugespielt, die die Ermittlungen klar aufzeigen. Und die auch Beweise für sehr schlampiges Arbeiten sind. Teilweise wurde wahllos ermittelt, ob Journalisten in den Bereichen, in denen sie recherchieren, auch privat zu tun haben. So kam es zu den außergewöhnlichsten Verdächtigungen. Konkrete Beispiele möchten wir noch keine nennen.

ÖSTERREICH: Bekämpft Ihr mit der E-Mail-Veröffentlichung nicht eigentlich Feuer mit Feuer?
Anonymous: Der Vorwurf wäre berechtigt, wenn wir von zufällig ausgewählten Menschen Daten veröffentlichen würden. Das tun wir nicht. Aber jeder Bürger soll sehen, wie desolat die heimische Politik ist.

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