- 30.03.2012, 17:00:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter "Polit-Kommunikation von vorgestern "
Der klassischen Mittel des vorigen Jahrhunderts haben weitgehend ausgedient.
Wien (OTS) - Der Internetsuchdienst Google bietet für den Begriff
"Politische Kommunikation" fast 30 Millionen Einträge. Da kann man
viel aus Theorie und Praxis lernen - oder man schaut der ÖVP zu. Da
sieht man, wie es nicht geht. Alle beschäftigen sich mit den 10.000
Euro, die der ÖVP-Abgeordnete Amon von der Telekom für eine
Parteizeitung wollte, aber niemand redet von den 100.000 Euro, die
der langjährige SPÖ-Telekom-Sprecher Kurt Gartlehner für eine seiner
Firmen kassiert hat. Die ÖVP kriegt den sumpfigen Geruch der
Korruption nicht los, während das BZÖ sich groß aufplustert, obwohl
immer neue Fakten rund um Zahlungen an eine BZÖ-Werbeagentur
auftauchen.
Auch die Grünen erweisen sich als kommunikatives Phänomen. Ihnen
ist kein Vorwurf für korruptes Verhalten zu machen, wobei nur
besonders Böswillige behaupten, das läge an mangelnder Gelegenheit.
In allen Umfragen stagnieren sie jedenfalls bei rund 14 Prozent. Es
gelingt ihnen einfach nicht, ihre Wählerbasis zu vergrößern. Liegt
das am stets selbstgerechten Auftreten des Großinquisitors Peter
Pilz oder an der noblen Zurückhaltung der Parteispitze? Sicher ist,
dass auch die schon lange nicht mehr junge Partei der Grünen mit der
modernen Kommunikation nicht zurechtkommt.
Gemeinsamkeiten Das Wort Kommunikation kommt vom lateinischen
communis und heißt gemeinsam. Politiker können ihre Wähler nur
erreichen, wenn es Gemeinsamkeiten gibt. Die zu finden, wird in
einer immer mehr aufgesplitterten Gesellschaft immer schwieriger. Die
SPÖ kommt noch am ehesten mit den Pensionisten zurecht, deren
Interessen sie bisher recht gut bewahrt hat. Ob das für das Budget
immer richtig war, ist eine andere Frage. Die ÖVP ist bei den Bauern
noch relativ unbestritten. Aber bei allen anderen Gruppen der
Gesellschaft kann keine politische Gruppierung auf dauerhaften
Rückhalt hoffen. Die Aufteilung aller Gesellschaftsbereiche in Rot
und Schwarz war zwar der Gründungskonsens der 2. Republik, aber das
funktioniert nicht mehr, weil sich seither alles verändert hat. Nur
die beiden ehemals staatstragenden Parteien benehmen sich noch, als
hätten sie große Mehrheiten.
Die FPÖ macht es sich da leicht. In einem Land, wo die
Zufriedenheit mit dem politischen System immer geringer wird,
funktioniert der undifferenzierte Protest noch immer am besten. Dass
es Jörg Haiders Mitstreiter waren, die, kaum an der Macht, den Staat
ausgenommen haben und noch immer ein Lächeln auf den Lippen tragen,
wird offenbar verziehen. Vielleicht, weil man von ihnen ohnehin nicht
mehr erwartet hat.
Die politische Kommunikation mit den klassischen Mitteln hat
weitgehend ausgedient. Die modernen Medien eröffnen Zugänge zu
unterschiedlichen Gruppen, aber auch in der digitalen Welt müssen
Gemeinsamkeiten gesucht werden. Und sie funktioniert nicht als
Einbahnstraße. Wer die sozialen Medien von Facebook bis Twitter
nutzt, will ernst genommen werden. Das wird noch ein weiter Weg für
unsere Politiker.
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at
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