WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Glück oder Unglück beim Händewaschen - von Esther Mitterstieler

Honorar verlange ich keines. Ich bin ja nicht Meischberger

Wien (OTS) - Zugegeben: Die Österreicher sind ein glückliches Volk, hat erst jüngst eine Marketagent-Umfrage ergeben. Immerhin 84 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden. Ein Wermutstropfen scheint der Hang zur Korruption mancher (Ex-)Politiker und mancher (Ex-)Manager zu sein. Da verbrüdert man sich fröhlich bei der Jagd und will das als reine Männerfreundschaften verkaufen. Es braucht keinen IQ von 140, um diese Art von Geschäftstüchtigkeit zu durchschauen. Wenn dann Politiker in eine Causa verwickelt sind und gleichzeitig im U-Ausschuss sitzen, der über eben diese Causa zu entscheiden hat, zeugt das von einer ausgeprägten Unkultur, nämlich nicht vom Sesselkleben loszukommen.

Kultur beweist der Österreicher dann, wenn es um das schöne lateinische Sprichwort "Manus manum lavat", vulgo "Eine Hand wäscht die andere", geht. Der Ausdruck stammt vom römischen Philosophen Seneca. Lange ist es her, und trotzdem scheint das Motto in Österreich im Jahr 2012 aktueller denn je. Und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hat zu Recht diese Form der Verhaberung angeprangert. Zur Erläuterung der Händewäscherei heißt es in der Enzyklopädie: "Man hilft sich gegenseitig zum beiderseitigen Vorteil." So geschehen bei der Telekom Austria, so geschehen bei den Immobiliendeals von Walter Meischberger und Konsorten, so geschehen bei der Causa Hypo Alpe Adria. Ein kleiner enzyklopädischer Zusatz ist seit gestern besonders zu erörtern: Unerlaubte Handlungen bleiben beim gegenseitigen Händewaschen ungesühnt, wenn sich die Täter gegenseitig decken. Die Meinl Bank will mit Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser nicht Hände gewaschen haben, jetzt klagt sie ihn wegen des Verdachts der Geldwäsche. Grasser legte 500.000 Euro für seine Schwiegermutter an. Die Bank will dabei Widersprüchlichkeiten entdeckt haben. Noch ein Beispiel könnte in die Annalen des lauen Händewaschens eingehen: Die Inseratevergabe der Regierung, insbesondere der SPÖ, zu eigennützigen Zwecken hat auch nichts mit ausgesprochenem Demokratieverständnis zu tun.

Als kleinen Tipp für die Herren kann man nur sagen: Beim nächsten Mal besser die Hände in den Hosentaschen lassen. Honorar verlange ich für den Tipp keines. Ich bin ja nicht Meischberger.

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