• 29.03.2012, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Glück oder Unglück beim Händewaschen - von Esther Mitterstieler

Honorar verlange ich keines. Ich bin ja nicht Meischberger

Wien (OTS) - Zugegeben: Die Österreicher sind ein glückliches
Volk, hat erst jüngst eine Marketagent-Umfrage ergeben. Immerhin 84
Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden. Ein Wermutstropfen scheint
der Hang zur Korruption mancher (Ex-)Politiker und mancher
(Ex-)Manager zu sein. Da verbrüdert man sich fröhlich bei der Jagd
und will das als reine Männerfreundschaften verkaufen. Es braucht
keinen IQ von 140, um diese Art von Geschäftstüchtigkeit zu
durchschauen. Wenn dann Politiker in eine Causa verwickelt sind und
gleichzeitig im U-Ausschuss sitzen, der über eben diese Causa zu
entscheiden hat, zeugt das von einer ausgeprägten Unkultur, nämlich
nicht vom Sesselkleben loszukommen.

Kultur beweist der Österreicher dann, wenn es um das schöne
lateinische Sprichwort "Manus manum lavat", vulgo "Eine Hand wäscht
die andere", geht. Der Ausdruck stammt vom römischen Philosophen
Seneca. Lange ist es her, und trotzdem scheint das Motto in
Österreich im Jahr 2012 aktueller denn je. Und
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hat zu Recht diese Form der
Verhaberung angeprangert. Zur Erläuterung der Händewäscherei heißt es
in der Enzyklopädie: "Man hilft sich gegenseitig zum beiderseitigen
Vorteil." So geschehen bei der Telekom Austria, so geschehen bei den
Immobiliendeals von Walter Meischberger und Konsorten, so geschehen
bei der Causa Hypo Alpe Adria. Ein kleiner enzyklopädischer Zusatz
ist seit gestern besonders zu erörtern: Unerlaubte Handlungen bleiben
beim gegenseitigen Händewaschen ungesühnt, wenn sich die Täter
gegenseitig decken. Die Meinl Bank will mit Ex-Finanzminister
Karl-Heinz Grasser nicht Hände gewaschen haben, jetzt klagt sie ihn
wegen des Verdachts der Geldwäsche. Grasser legte 500.000 Euro für
seine Schwiegermutter an. Die Bank will dabei Widersprüchlichkeiten
entdeckt haben. Noch ein Beispiel könnte in die Annalen des lauen
Händewaschens eingehen: Die Inseratevergabe der Regierung,
insbesondere der SPÖ, zu eigennützigen Zwecken hat auch nichts mit
ausgesprochenem Demokratieverständnis zu tun.

Als kleinen Tipp für die Herren kann man nur sagen: Beim nächsten Mal
besser die Hände in den Hosentaschen lassen. Honorar verlange ich für
den Tipp keines. Ich bin ja nicht Meischberger.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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