"Kulturmontag spezial" am 2. April aus Maribor: Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kulturhauptstadt 2012

Weiters: Portugals alte Hauptstadt Guimaraes, "art.genossen: Der letzte Akt" und David Lynchs "Inland Empire" im "art.film"

Wien (OTS) - Martin Traxl meldet sich mit einem "Kulturmontag spezial" am Montag, dem 2. April 2012, ab 22.30 Uhr in ORF 2 aus Maribor, der europäischen Kulturhauptstadt 2012. Die Beiträge drehen sich um die Geschichte der Stadt, die Zukunft ihrer Bewohner und die Versuche, Kultur als Problemlöser einzusetzen. Die "art.genossen" untersuchen danach in der Dokumentation "Der letzte Akt - Künstler und Modell" das ambivalente Verhältnis zwischen Maler und Modell, und "art.film" zeigt um 0.00 Uhr David Lynchs Drama "Inland Empire" mit Laura Dern und Jeremy Irons als ORF-Premiere.

Maribor-Marburg: Gelebte Geschichte. Eine hundertjährige Marburgerin erinnert sich

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Leben in Maribor mit Österreich eng verknüpft. Bis 1918 gehörte das alte Marburg zum Herzogtum Steiermark und war zu 80 Prozent deutschsprachig, außerhalb der Stadt wurde Slowenisch gesprochen. Das bis zum Ersten Weltkrieg friedliche Miteinander wurde erstmals empfindlich gestört: Die Habsburger ließen Slowenen wegen angeblicher staatsfeindlicher Aktivitäten verhaften, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Volksgruppen - der Beginn einer langen, leidvollen Geschichte gegenseitiger Vertreibungen, deren Wunden bis heute nicht ganz verheilt sind. Im Kulturhauptstadtjahr wird das noch immer tabuisierte Thema erstmals in der Ausstellung "Die Deutschen und Maribor" aufgearbeitet. Die bald 102-jährige Katarina Mocnik hat das alles erlebt - sie erzählt, wie sie mit 15 Jahren als Dienstmädchen aus dem Umland zu einer deutschen Familie nach Maribor kam, vom Königreich Jugoslawien, von der Annektierung durch Hitler-Deutschland, vom Partisanenkrieg, von der Industrialisierung der Stadt während des Kommunismus unter Tito und schließlich vom Zerfall Jugoslawiens und den Schwierigkeiten der jungen unabhängigen Republik Slowenien auf der Suche nach einer neuen Identität.

Maribor 2012: Die etwas andere Kulturhauptstadt. Kultur als Problemlöser statt Spektakel-Kultur

Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Obdachlose, Bauernsterben - keine guten Voraussetzungen, um den slowenischen Steuerzahlern zu erklären, warum Geld in Kulturprojekte gesteckt werden soll. Die Verantwortlichen der Kulturhauptstadt machen aus der Not eine Tugend:
Statt das wenige Geld in große Spektakel zu stecken, wird in die lokale Kunst- und Kulturszene investiert und in nachhaltige sozioökonomische Kulturprojekte. Das Programm "Urban Furrows", also "Städtische Furchen", initiiert städtische Gemeinschaftsgärten, hilft bei der Integration der Roma-Minderheit oder regt den Anbau alter Getreidesorten und Obstbäume an. Fünf Orte im weiteren Umland von Maribor sind ins Kulturhauptstadtprogramm einbezogen: Ptuj, Murska Sobota, Novo Mesto, Velenje und Slovenj Gradec, deren bestehende Kunstszene, Festivals und Künstler heuer nicht zuletzt mit internationaler Beteiligung gestärkt und belebt wird. Der "Kulturmontag" berichtet über die spannenden Projekte, Martin Traxl spricht mit dem slowenischen Autor und Mitgestalter des Programms, Ales Steger.

Guimaraes: Portugals alte Hauptstadt. Die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2012

Das kleine Städtchen Guimaraes im Norden Portugals war im 12. Jahrhundert für kurze Zeit die erste Hauptstadt des Landes: Alfons I. ließ sich nach dem Sieg über die Mauren zum König krönen und erlangte die Unabhängigkeit vom spanischen Kastilien. Die zweite europäische Kulturhauptstadt dieses Jahres hat ganz ähnliche Probleme wie Maribor: Die einst blühende Textil- und Lederindustrie ist in Billiglohnländer abgesiedelt, die Sparpakete im krisengeschüttelten Portugal tun ihr Übriges, um die Arbeitslosigkeit hoch und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft niedrig zu halten. Wie in Maribor soll auch hier Kultur neues Leben in die Industrieruinen bringen und nachhaltige Kunstprojekte einerseits Arbeitsplätze schaffen, andererseits auch Touristen in die reizvolle Region locken. 111 Millionen Euro werden in das dichte Programm investiert - aber kann diese geballte Kulturaktion die Probleme der verarmten Bevölkerung tatsächlich lösen? Der "Kulturmontag" mit einem Lokalaugenschein.

Der "Kulturmontag" steht als zeitnahe Servicewiederholung jeweils am Dienstag im Hauptabend auf dem Programm von ORF III und ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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