• 27.03.2012, 13:15:26
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Wlodkowski: Pflicht-Kennzeichnung für Eier-Verarbeitung und Gastronomie

Konsumenten bevorzugen heimische Qualität - Käfigeier werden abgelehnt

Wien (OTS) - "Obwohl seit 01.01.2012 in ganz Europa die Haltung
von Legehennen in konventionellen Käfigen verboten ist, werden in 13
Mitgliedstaaten immer noch Eier in solchen Käfigen produziert. Sie
landen dann häufig im Verarbeitungs- oder Gastrobereich und machen
jenen Landwirten Konkurrenz, die, wie die Österreicher, ihre
Eier-Erzeugung schon längst umgestellt haben. Wenn sie die Wahl
haben, greifen die Konsumenten zu Eiern aus alternativen heimischen
Haltungsformen, das zeigen die Zahlen aus dem
Lebensmitteleinzelhandel. Damit die Verbraucher künftig auch bei
Verarbeitungsprodukten, in denen Eier enthalten sind, und in der
Gastronomie auswählen können, verlangen wir eine verpflichtende
Kennzeichnung nach Herkunft und Haltungsform", stellte heute Gerhard
Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, vor
Journalisten fest.

"Bei Lebensmitteln, wie etwa Nudeln oder Kuchen, sowie in der
Gastronomie fehlt bisher eine klare Kennzeichnung der Eierherkunft
und damit die Wahlmöglichkeit für Konsumenten. Wir verlangen daher
eine verpflichtende Angabe der Herkunft und der Haltungsform sowohl
auf Verarbeitungsprodukten mit Eianteil als auch in der Gastronomie.
Außerdem fordern wir strenge Kontrollen bei Eierhändlern, damit die
Kunden vor illegaler Ware geschützt werden. Schließlich appellieren
wir an die österreichischen Lebensmittelhersteller und Importeure von
Industrieeiern und Eiprodukten, auf freiwilliger Basis keine Ware aus
konventionellen Käfigen einzuführen oder zu vermarkten", so
Wlodkowski. Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine brandaktuelle
Oekonsult-Umfrage, wonach sich 92% der Befragten für strenge
Kontrollen und gegen den Import von Eiern aus verbotener Käfighaltung
aussprechen.

Österreich: Vorreiterrolle bei Umstellung auf alternative
Haltungsformen

Mit der EU-Richtlinie 1999/74/EG wurde in der EU bereits im Jahr
1999 das Verbot der Haltung von Legehennen in konventionellen Käfigen
ab Jänner 2012 beschlossen. Österreich ist dieser Forderung bereits
Anfang 2009 nachgekommen. Heimische Legehennen befinden sich seither
in alternativen Haltungsformen, wie Bodenhaltung oder
Freilandhaltung.

"Dass Legehennen in 13 EU-Ländern aber weiter in konventionellen
Käfigen gehalten werden, hat nicht nur negative Folgen für den
Tierschutz, sondern führt auch zu Wettbewerbsverzerrungen.
Österreichs Landwirte, die bereits EUR 100 Mio. in tierschutzgerechte
Haltungsformen investiert haben, sind die Betroffenen. Es werden
nämlich nur 34% des Gesamtbedarfs an Eiern über den
Lebensmittelhandel vertrieben, der Rest verteilt sich auf die
Gastronomie, Hotellerie, die Großküchen und nicht zuletzt die
Lebensmittelindustrie. Bei Industrieeiern ist aber ein
Herkunftsnachweis unmöglich. Dazu kommt noch, dass 25% des heimischen
Bedarfes durch ausländische Eier, meist aus der konventionellen
Käfighaltung, abgedeckt werden. Das passiert deshalb, weil Käufer die
billigeren Import-Käfigeier der heimischen Ware aus tierfreundlichen
Haltungsformen vorziehen", erklärte Wlodkowski die Situation.

Vertragsverletzungsverfahren eröffnet

Belgien, Bulgarien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien,
Zypern, Lettland, Ungarn, die Niederlande, Polen, Portugal und
Rumänien haben das Verbot der konventionellen Käfighaltung noch nicht
umgesetzt. Daher hat die EU-Kommission gegen diese ein
Vertragsverletzungsverfahren eröffnet. In einem ersten Schritt wird
eine Frist von zwei Monaten gewährt, innerhalb derer sich die
betroffenen Mitgliedstaaten erklären müssen. Bis Strafen fällig
werden, dauert es jedoch einige Zeit. Die Kommission hofft, dass die
säumigen Länder ihre Haltung im Laufe des Verfahrens an die neue
Tierschutzgesetzgebung anpassen.

Weitere Nachteile für Österreich

"Nicht nur illegal eingeführte Käfigeier machen den heimischen
Eier-Produzenten Kopfzerbrechen. So haben etwa bei der
Besatzdichteregelung von Masthühnern heimische Bauern strengere
Tierschutzauflagen als ihre EU-Mitbewerber zu erfüllen, was zu einem
klaren Wettbewerbsnachteil führt. Eine weitere Herausforderung für
die heimischen Produzenten ist die mit Jänner 2012 vom
Lebensmittelhandel geforderte Umstellung auf eine GVO-freie Fütterung
im Mastbereich. Bei Legehennen haben die heimischen Bauern schon im
Sommer 2011 umgestellt und sind somit dem Wunsch des Handels und der
Konsumenten nachgekommen. Zusatzwünsche des Einzelhandels kann es
jedoch nicht zum Nulltarif geben, hier müssen wir gemeinsam einen Weg
finden", unterstrich Wlodkowski.

Eierversorgung zu Ostern gesichert

"Obwohl der europäische Eiermarkt derzeit aufgrund der nicht
fristgerechten Umstellung bei der Legehennenhaltung in 13 Ländern von
Turbulenzen geprägt ist, sind auch hierzulande zu Ostern genug Eier
vorhanden", so Benjamin Guggenberger, Geschäftsführer der
Österreichischen Frischeier Erzeugergemeinschaft (EZG Frischei).
"Nach dem Verbot der Käfighaltung 2009 war es die Aufgabe der
heimischen Eierwirtschaft, auf Alternativhaltung umzustellen und die
Produktion wieder auf den alten Stand zu bringen. Das ist durchaus
gelungen. Bis Ende 2011 wurden bereits wieder mehr Legehennen im
Inland gezählt als vor dem Käfigverbot", berichtete Guggenberger.
Aktuell werden von insgesamt 5,8 Mio. Legehühnern knapp 560.000 in
Bio-Freilandhaltung, 1,1 Mio. im Freiland, fast 4 Mio. in
Bodenhaltung und 240.000 in ausgestalteten Käfigen betreut.

Stabilisierung des Selbstversorgungsgrades erreicht

Nachdem der Selbstversorgungsgrad aufgrund der Umstellung auf
alternative Haltungsformen 2009 auf 74% gesunken war, wird er Ende
2012 schätzungsweise 80% erreichen. Einerseits haben viele
österreichische Eierbauern kräftig in ihre bestehenden Betriebe
investiert, andererseits sind Landwirte neu in die Eierproduktion
eingestiegen. Während also in anderen Ländern viele Ställe aufgrund
von Umbaumaßnahmen leer stehen, hat sich die heimische Eierproduktion
weitgehend erholt. 34% der hierzulande gelegten Eier werden als
Frischeier über den Lebensmittelhandel vertrieben. Er gewinnt seit
der Umstellung gegenüber der Direktvermarktung Marktanteile.

Preise wenig geändert

Während in Schlagzeilen immer wieder von Eierpreis-Explosionen die
Rede ist, stagnieren die Erlöse am österreichischen Markt. "Das gilt
nicht nur für die Produzenten, sondern auch für die
Konsumentenpreise, die sich seit 2010 nicht wesentlich geändert
haben", informierte Guggenberger. Was die Konsumenten freue, sei für
die Eierbauern oft existenzbedrohend, denn die Produktionskosten (vor
allem Futtermittel) seien in den letzten zwei Jahren extrem
gestiegen. Dazu kämen noch deutlich höhere Energiekosten.

Worauf sich Konsumenten verlassen können

Von den etwa 50 Mio. Eiern, die zu Ostern in Österreich gefärbt
werden, wird der Großteil im Inland in alternativen Haltungsformen
gelegt. Der Rest, der nötig ist, um den Bedarf zu decken, kommt
ebenfalls überwiegend aus alternativen Haltungsformen aus dem
Ausland. Für die Ostereier des EZG Frischei-Sortimentes werden
maximal sechs unbedenkliche Farbstoffe verwendet, beim Premium
Freiland Osterei nur zwei. Beim Kauf der gefärbten Eier empfiehlt
Guggenberger auf zwei Logos besonders zu achten: Das AMA-Gütesiegel
und das Logo "ohne Gentechnik hergestellt". Das gesamte
Ostersortiment der EZG ist auch dieses Jahr ausschließlich
gentechnikfrei. Das sich ebenfalls auf den Packungen der EZG
befindliche Logo "regional & fair" steht für die Partnerschaft
zwischen österreichischen Landwirten, Lebensmittelhandel und
Konsumenten und soll es den Kunden erleichtern, sich bewusst für
heimische Ware zu entscheiden.

Vorstoß auch beim Flüssigei unternommen

Einen Vorstoß in Richtung kontrollierte Herkunft haben die
österreichischen Frischeier-Erzeuger mit Pro Ovo, dem größten
Eierverarbeiter des Landes, unternommen, indem sie ein innovatives
Projekt mit dem Namen "frei" starteten. Für diese neuen
Flüssigeiprodukte (Vollei, Eiweiß und Eigelb) werden nur
hochwertigste Boden-, Freiland- und Bioeier von Legehennen verwendet,
die aus ausgewählten heimischen Familienbetrieben stammen und zu 100%
gentechnikfrei gefüttert werden; sie tragen auch das AMA-Gütesiegel.
So wie Wlodkowski fordern auch die österreichischen Eierbauern aber
generell eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln mit
Eianteil.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
LK-Pressestelle: Dr. Josef Siffert,
Tel 01/53441-8521, E-Mail [email protected]

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