- 25.03.2012, 08:00:34
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"trend": Neuer IHS-Chef plädiert für Euro-Austritt Griechenlands
Der designierte IHS-Chef, Wirtschaftsforscher Christian Keuschnigg, rät im trend-Gespräch Griechenland zum Austritt aus der Eurozone.
Wien (OTS) - Der designierte Direktor des Instituts für Höhere
Studien (IHS), Christian Keuschnigg, rät im Interview mit dem am
Montag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend" Griechenland zum
Austritt aus der Eurozone. "Beide Alternativen - drinnen bleiben oder
raus gehen - erfordern sehr schwierige Anpassungen für das Land",
erläutert der Experte, "der Vorteil des Rausgehens wäre, dass eine
einmalige und schnelle Anpassung des Wechselkurses stattfinden kann.
Das erlaubt, rasch wieder zu exportieren und zu wachsen." Wenn der
Austritt nicht erfolge, so Keuschnigg, müsse ein anderer
Anpassungsmechanismus greifen - und das könne nur ein langer Prozess
von Lohnreduktion und Produktivitätssteigerung sein. Der Austritt
wäre "ein Ende mit Schrecken, das aber gleichzeitig auch ein
Neuanfang für das Land ist, das danach ja wieder wachsen kann. Im
Euroverbund drinbleiben bedeutet, dass das Land über einen Zeitraum
von vielleicht zehn Jahren jedes Jahr real zwei bis fünf Prozent
Lohneinbußen hinnehmen muss, um die bestehende Fehlentwicklung zu
korrigieren. Das ist ein sehr langer Zeitraum, das ist politisch
schwer vorstellbar und hat große Folgewirkungen."
Der unlängst erfolgte Schuldenschnitt sei für Griechenland
"sinnvoll", die Sanierung habe, glaubt Keuschnigg, dennoch "nicht
mehr als eine fifty-fifty-Chance." Der Euro sei für Länder wie
Griechenland zu hart, die Löhne müssten um bis zu dreißig Prozent
sinken, um Wettbwewerbsfähigkeit zu erlangen. Es sei, so Keuschnigg
im "trend"-Gespräch weiter, "unvermeidbar, dass in Griechenland oder
Spanien der Sozialstaat abgebaut wird, weil ja auch die Lohneinkommen
der Aktiven reduziert werden müssen. Da führt kein Weg daran vorbei."
Insgesamt sei der Sozialstaat "nicht am Ende, aber es braucht eine
Korrektur" - und das, nach Ansicht des Finanzexperten, nicht nur in
den ärmeren Ländern. An erster Stelle, so der in St. Gallen (Schweiz)
lehrende Universitätsprofessor, müsste in vielen Ländern das
Pensionsalter hinaufgesetzt werden. "Das gilt insbesondere auch für
Österreich. Hier ist das Pensionsantrittsalter weit niedriger als im
europäischen Durchschnitt."
Als eine der Hauptursachen für die Euro-Krise sieht Keuschnigg die
"zu geringe Kapitalisierung der Banken; dadurch werde die
Ansteckungsgefahr für andere Länder massiv in die Höhe Nach Ansicht
des Experten sollte die Eigenkapitalquote "eher gegen zwanzig Prozent
gehen, und nicht wie derzeit oft bei weniger als zehn Prozent. Es
gibt aber auch renommierte Ökonomen, die dreißig Prozent fordern."
Rückfragehinweis:
trend Redaktion, Tel.: (01) 534 70/3402
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