- 20.03.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Manager zwischen den Stühlen - von Peter Sempelmann
Viele Köche verderben den Brei
Wien (OTS) - Nur ein starker Manager kann auch ein guter Manager
sein. Ein Manager, der im Vorstand, im Aufsichtsrat und bei den
Eigentümern genug Rückhalt hat, um selbstständig Entscheidungen zu
treffen, die auch einmal unpopulär sein können; Beschlüsse und
Weichenstellungen, die für Außenstehende manchmal schwer
nachvollziehbar sind.
Wer die Biografie des Apple-Gründers Steve Jobs gelesen hat, weiß,
dass dieser niemals so erfolgreich gewesen wäre, wenn er sich von den
Meinungen Außenstehender beeinflussen lassen hätte. Auch
Magna-Gründer Frank Stronach wäre niemals auf die Idee gekommen, sich
nach der Laune der Aktionäre zu richten. "Niemand muss an Magna
beteiligt sein. Wer unzufrieden ist, kann seine Anteile verkaufen",
war stets sein Credo, mit dem er Diskussionen um seinen Weg rasch zu
beenden wusste.
Andere Unternehmen, andere Sitten: Für viele Manager großer,
staatsnaher Betriebe bleibt es ein Wunschtraum, Beschlüsse ohne Zuruf
von außen treffen zu können. Politische Interventionen gehören für
sie zum Alltag, Reformstaus sind die Folge. Ganz ähnlich ist die
Situation von Managern, die ein Unternehmen leiten müssen, das eine
lange Geschichte hat und stark mit einer mächtigen Unternehmerfamilie
verbunden ist.
Olaf Koch, Vorstandschef des deutschen Handelsriesen Metro, ist einer
dieser wenig beneidenswerten Firmenchefs. Chef ist Koch nämlich nur
auf dem Papier. Im Hintergrund zieht Franz Markus Haniel, das
Oberhaupt der Unternehmerfamilie Haniel, die Fäden. Seit 2003 ist
Haniel Vorsitzender des Aufsichtsrats der Franz Haniel & Cie. GmbH,
seit dem Jahr 2007 auch Aufsichtsratsvorsitzender der Metro AG.
Im Jänner hat Koch das Erbe des nach Streitigkeiten unter den
Eigentümern im Aufsichtsrat und in der Zentrale zurückgetretenen
Managers Eckhard Cordes angetreten. Nach Umsatz- und Gewinneinbußen
hatte Koch für den gestrigen Dienstag eine neue Strategie für die
Metro-Gruppe angekündigt. Doch es blieb bei der Ankündigung und bei
unscharfen Äußerungen wie "Wir müssen das Geschäftsmodell schärfen".
Für die eigentlichen Probleme, darunter die Streitigkeiten unter den
zwei zum Konzern gehörenden Elektronik-Handelsketten Media Markt und
Saturn, hatte er keine passende Lösung parat, und er konnte nur "ein
Ende der Grabenkämpfe" in der Metro-Gruppe fordern. "Kulturwandel ist
Chefsache" betonte Koch noch. Wenn er tatsächlich der Chef wäre,
hätte er den Wandel bereits eingeleitet.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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