• 18.03.2012, 19:59:01
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum das Konzil nicht nur gefeiert werden sollte" (von Thomas Götz)

Ausgabe vom 19.03.2012

Graz (OTS) - Heute tritt in Kärnten die österreichische
Bischofskonferenz zusammen. Neben dem Alltagsgeschäft wird die Herren
ein Jubiläumstermin interessieren: Im Herbst jährt sich zum 50. Mal
die Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils.

Was damals in Rom geschehen ist, darüber gehen die Meinungen in der
Kirche bis heute auseinander. Grob vereinfacht halten die einen die
Reformen dieser Versammlung aller Bischöfe der Welt für die Ursache
aller Krisen, die die Kirche seither beuteln. Die anderen klagen, die
Kirche habe auf halbem Weg der Mut verlassen. Bei konsequenter
Umsetzung der Reformideen stünde sie heute besser da.

Die Gesamteinordnung des Konzils spaltete die Kommentatoren schon
damals: War es ein Bruch mit der vorangegangenen Kirchengeschichte
oder nur deren Fortschreibung? Besonders das Dekret zur
Religionsfreiheit schied die Geister. Es atmet einen neuen Geist der
Toleranz gegenüber anderen Religionsgemeinschaften, der älteren
lehramtlichen Äußerungen ebenso abgeht wie neueren. Der Schweizer
Bischof Marcel Lefebvre und seine in der Piusbruderschaft
organisierten Anhänger erkannten das Konzil deshalb nicht an.

Der Jubiläumstermin wäre also eine hervorragende Gelegenheit, die
Konzilstexte mit dem zu vergleichen, was in fünf Jahrzehnten daraus
geworden ist. Die Relektüre der Beschlüsse könnte auch zur Entgiftung
der Diskussion beitragen. Manche Phrase von damals ist ja mit den
Jahren zur Axt geworden, die man Gegnern trefflich an den Kopf werfen
konnte. Die Kirche als "wanderndes Gottesvolk" ließ sich gegen
Bischöfe ins Treffen führen, das Wort Johannes XXIII. vom
"Aggiornamento", gemeint ist die Heranführung der Tradition an die
heutige Zeit, gegen Reform-skeptiker jedweder Art verwenden. Was
damals wirklich intendiert war, die Zwischentöne, Rückbezüge und das
Kleingedruckte, interessierte bald niemanden mehr. Es hätte nur die
Kampflust gedämpft.

Der Jahrestag wäre eine Gelegenheit, dem steril, ja für viele
unverständlich gewordenen innerkirchlichen Positionsstreit das
ideologische Unterfutter zu nehmen. Das Jubiläum wäre auch eine
Chance, sich anstecken zu lassen von dem furchtlosen Aufbruchsgeist,
der die Jahre des Konzils prägte und der in so krassem Gegensatz zur
heutigen Verzagtheit steht.

Schlimmstenfalls fällt den Bischöfen nicht mehr ein als
Beschwörungen, Festreden und Jubiläumsgottesdienste. Sinnloser könnte
man eine Gelegenheit zum Nachdenken, ja vielleicht sogar zum
Neubeginn nicht vergeuden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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