• 14.03.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nur die späte Ost-Skepsis am Euro verwundert - von Daniela Friedinger

Das Scheitern an Maastricht liefert eine willkommene Ausrede

Wien (OTS) - Dem Euro, so scheint es, ist keine Ruhe vergönnt.
Kaum ist in Griechenland der Schuldenschnitt gelungen und das zweite
Hilfspaket auf Schiene gebracht, bläst der Gemeinschaftswährung
erneut rauer Wind entgegen, diesmal aus - ungewohnter - östlicher
Richtung. So ist in Tschechien eine Debatte entflammt, ob und wann
man den Euro einführen soll. Premier Petr Necas beteuerte zwar, dass
sich das Land keinesfalls eine Ausnahme zum EU-Vertrag ausverhandeln
wolle. Der Eurozone nicht beizutreten, wie es Präsident Vaclav Klaus
gefordert hatte, komme nicht infrage. Tags darauf setzte
Nationalbank-Gouverneur Miroslav Singer aber nach: Tschechien könne
seine Krone frühestens 2017 gegen den Euro eintauschen.

Tschechien ist bei Weitem nicht das einzige Land, in dem sich die
Zweifel am Euro mehren. In Polen etwa, das allgemein als großer
Anhänger der Europäischen Union gilt, ist die Zustimmung zum Euro in
der Bevölkerung von mehr als 70 Prozent auf deutlich unter 50 Prozent
gesunken. Und während Premierminister Donald Tusk vor Ausbruch der
Wirtschaftskrise 2008 noch meinte, zur Fußball-EM 2012 werde Polen
nicht mehr in Zloty zahlen, wird mittlerweile längst kein Datum zur
Euro-Einführung mehr genannt.

Die Tatsache, dass Zweifel am Euro aufkommen, ist an sich nicht
verwunderlich, liefert die Schuldenkrise und der Rattenschwanz an
Problemen, den sie nach sich zieht, doch genug Argumente gegen die
Gemeinschaftswährung. Erstaunen lässt vielmehr, dass die
Euro-Euphorie erst jetzt nachlässt und der Aufschrei nicht schon viel
früher kam.

Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Einerseits ist den
osteuropäischen Ländern natürlich bewusst, dass ein Aufbegehren gegen
eines der wichtigsten Projekte Europas bei den alten EU-Ländern nicht
gut ankommt, zumal man sich durch den EU-Beitritt ja zum Mitmachen an
der Einheitswährung verpflichtet hat. Andererseits haben viele
CEE-Staaten eine willkommene Ausrede, aufgrund derer die Frage des
Euro-Beitritts für sie keine akute ist: Da sie die
Maastricht-Kritierien derzeit nicht erfüllen, kann die Entscheidung
getrost auf die lange Bank geschoben werden.

Dazu kommt, dass gerade die kleinen, unter Wechselkursschwankungen
leidenden Volkswirtschaften auch um die Vorteile des Euro wissen.
Insofern hat das späte Äußern von Vorbehalten wohl einen ganz banalen
Grund: Osteuropa sieht die positiven Seiten der gemeinsamen Währung,
ist aber, was das Beheben ihres einstigen Konstruktionsfehlers
anbelangt, ebenso ratlos wie der Westen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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