Neue Form der EMS-Auswertung empört Studierende der MUW

Dieses Jahr soll der Test erstmals geschlechtsspezifisch ausgewertet werden

Wien (OTS) - Wie in der Novembersitzung des Senats der
Medizinischen Universität Wien angekündigt wird der EMS-Test für Studienwerber in Wien dieses Jahr geschlechtsspezifisch ausgewertet. Die Details hierzu wurden erst jetzt mit der Veröffentlichung des Testinfo-Heftes bekannt. Die Zulassung zum Medizinstudium erfolgt über den Testwert, der sich aus der Gesamtpunktezahl und dem Mittelwert berechnet. Jedoch wird ab heuer der Mittelwert für beide Geschlechter getrennt bestimmt, anstatt wie in den Vorjahren für alle Teilnehmer gemeinsam. "Dies führt nach der Berechnung des entscheidenden Testwerts bei gleicher Leistung im Test, zu einem höheren Wert für Studienwerberinnen als für Studienwerber. Dies stellt eine deutliche Diskriminierung beider Geschlechter dar. Medizinstudentinnen könnten zukünftig als "Quotenfrauen" abgestempelt werden, auch wenn sie von der geschlechtsspezifischen Auswertung nicht profitiert haben ", warnt Christian Orasche Vorsitzender der ÖH Medizin Wien

"In den vergangenen Jahren zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Testwerten von Männer und Frauen, zugunsten der Männer. In Deutschland und der Schweiz wird ein vergleichbarer Test (TMS) seit Jahren bereits ohne signifikante Geschlechtsunterschiede angewandt. Die Ursachen dieser Diskrepanz können nicht nur auf einen Faktor zurückgeführt werden, Bildungsexperten vermuten jedoch Unterschiede in der Sekundärbildung.", führt Birgit Ludwig, stellvertretende Vorsitzende der ÖH Medizin Wien aus. "Der bestehende Gender Gap stellt mit Sicherheit ein Problem dar, welches von der Politik in Angriff genommen werden muss. Die jetzige Lösung kaschiert das grundlegende Problem nur", stellt sie weiter fest.

"Eine einfache Proberechnung zeigt den Unterschied. Erreicht ein männlicher Teilnehmer 130 Punkte beim EMS, und beträgt der Mittelwert der Männer 102,5 so ergibt sich ein Testwert von 114,8. Nun erzielt eine Teilnehmerin ebenfalls 130 Punkte, beträgt der Mittelwert der Frauen 97, erhält sie einen Testwert von 117,7 und liegt somit, bei gleicher Standardabweichung (18,6), in der Rangliste deutlich - in etwa 50 bis 100 Plätze - vor ihrem männlichen Mitstreiter", erklärt Philipp Wimmer, stellvertretender Vorsitzender der ÖH Medizin Wien.

"Derzeit wird geprüft, ob diese Form der geschlechtsspezifischen Testauswertung den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Sollte sich eine Rechtswidrigkeit herausstellen, werden wir betroffene Testteilnehmer unterstützen", führt Abelina Zimba Referentin für Bildungspolitik der ÖH Medizin Wien, aus.

"Die ÖH Medizin Wien ist sich einig, dass Frauenförderung und Gleichbehandlung auch im Jahre 2012 ein wichtiges und aktuelles Thema ist. Den Testwert der Frauen im Schnitt um einige Punkte anzuheben, also Punkte zu verschenken aufgrund des Geschlechts, können wir als Studierendenvertreter der MUW nicht gutheißen", so die Studierendenvertreterin abschließend.

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Christian Orasche
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