- 12.03.2012, 16:38:46
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Alchemisten-Logik"
Ausgabe vom 13. März 2012
Wien (OTS) - Die deutsche Bundesbank sagte es beneidenswert offen:
Man sei froh darüber, dass die Kreditausfallversicherungen bei
Griechenland schlagend werden, denn dies würde die Glaubwürdigkeit
solcher Produkte erhöhen. Wenn diese CDS (credit default swaps)
genannten Papiere nicht schlagend geworden wären, hätten sich wohl
alle Marktteilnehmer gefragt, wozu es dieses Instrument überhaupt
gibt. Und da dieser Markt insgesamt 32.500 Milliarden Dollar groß
ist, hätte ein Zusammenbruch neue unbekannte Gefahren ausgelöst. Man
sieht, auch in der Alchemie kann eine zwingende Logik stecken.
Österreich kostet die Erkenntnis - über die verstaatlichte
Kommunalkredit -, dass ein kleineres Übel hingenommen wird, um
möglicherweise ein größeres zu verhindern, 424 Millionen Euro. Blöd,
irgendwie.
Besonders blöd, weil es durchaus regulatorischen Gepflogenheiten
entsprochen hätte, wenn Nationalbank und Finanzmarktaufsicht auf
diesen schlichten Umstand rechtzeitig hingewiesen hätten. Ganz
besonders blöd, weil die Eigentümervertreter im Finanzministerium ihr
Sachwissen aus diversen EU-Sitzungen nutzen hätten können, um die
Kommunalkredit-Papiere rechtzeitig zu verkaufen.
Die Druiden der Finanzindustrie brauen ihre Zaubertränke, auf dass
das Finanzsystem ewig halten möge. Kreditausfallversicherungen sind
allein schon wegen ihres Volumens systemrelevant, sie bleiben also.
Die Politik hat ausnahmsweise rechtzeitig reagiert: Dies sei ein
neuerlicher Hinweis, wie wichtig eine Finanztransaktionssteuer sei.
Stimmt. Eines hat sie noch vergessen (und auch die deutsche
Bundesbank): Diese Kreditausfallversicherungen finden im
regulatorischen Vakuum statt. Wie viele dieser Papiere tatsächlich im
Umlauf sind, wird nur geschätzt. Sie sind von keiner Behörde
zugelassen, sie werden über keine Börse gehandelt, es gibt dafür
keine Aufsicht.
Österreich sollte die neue 424-Millionen-Euro-Erfahrung wenigstens
dazu nutzen, dies alles einzufordern - in der EU und in den vielen
neuen Aufsichtsgremien, die es mittlerweile gibt. Denn es kann ja
wohl nur Schwachsinn sein, dass eine simple Bausparkasse eine
Banklizenz benötigt, während diese hochkomplexe Spekulation jeder
machen kann.
www.wienerzeitung.at/leitartikel
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