• 12.03.2012, 10:26:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Teures Öl dank billigem Geld - von Alexander Hahn

An der Zapfsäule büßen Sie bereits für die Sünden der EZB

Wien (OTS) - Erdöl, das Schmiermittel der Weltwirtschaft: Hohe
Ölpreise schaden der Konjunktur, die wiederum maßgebend für die
Nachfrage nach Rohöl ist. In der Theorie sorgt diese ökonomische
Gesetzmäßigkeit für ein Gleichgewicht am Ölmarkt. Gar nicht in dieses
Bild passt jedoch, dass der globale Wirtschaftsmotor derzeit gehörig
stottert, dem Nordseeöl Brent aber nicht mehr viel fehlt auf sein
Rekordhoch vom Sommer 2008.

Die Begründungen reichen von nachlassenden Fördermengen bis zum
Säbelrasseln in der Iran-Krise. Diese Faktoren mögen wohl zu den
Preissteigerungen beigetragen haben, jedoch liefern sie keine
überzeugenden Erklärungen für die ungewöhnliche Situation.
Schließlich hat das erste Argument schon einen Bart wie Methusalem
und trifft nur auf klassisches Erdöl zu, nicht jedoch auf
Unkonventionelles wie Ölsande. Und der Nahe Osten ist schon seit
Jahrzehnten ein Pulverfass - selbst als 2003 der Irakkrieg begann,
kostete ein Fass Brent bloß ein Viertel des heutigen Preises.
Maßgeblich verändert hat sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise
jedoch die Geldpolitik. Zunächst waren es die US-Notenbank Fed und
ihr kleiner Zauberlehrling, die Bank of England, die sämtliche
geldpolitischen Tabus über Bord warfen, während sich die EZB in
Tradition der Deutschen Bundesbank zunächst noch einen letzten Rest
von Hartwährungspolitik bewahrt hatte. Mit der sich zuspitzenden
Euroland-Schuldenkrise vollzog auch die EZB die endgültige Wende in
Richtung billiges Geld: Nicht Bundesbank-Chef Axel Weber wurde
folglich im Vorjahr Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet,
sondern der Italiener Mario Draghi verleiht der Notenbank seither ein
Gesicht.

Dieser fackelte nicht lange und öffnete umgehend sämtliche
Geldschleusen. Angesichts der einen Billion Euro, die Draghi binnen
zwei Monaten in den maroden europäischen Bankenapparat geblasen hat,
dürften selbst Fed-Chef Ben Bernanke die Ohren schlackern. Aber auch
den Ölexporteuren, die auf einem kostbaren Rohstoff sitzen, der sich
im Gegensatz zu den Geldmengen nicht beliebig vermehren lässt. Dieses
Missverhältnis sorgt für einen Kaufkraftverlust des Geldes, den sich
Ölanbieter über höhere Preise abgelten lassen.

Nicht zuletzt dank Draghis Geldflut hat der Euro selbst gegen den
Dollar seit Mitte 2011 deutlich an Wert verloren, weshalb Öl in Euro
bereits mehr kostet als 2008. Aber es gibt auch eine gute Nachricht:
Denn das beste Rezept gegen hohe Ölpreise sind hohe Ölpreise. Die
Wirtschaftstreibenden senken den Verbrauch und Substitute werden
gefördert. Gegen ungeniertes Gelddrucken der westlichen Notenbanken
vermag jedoch auch teures Öl nichts zu verrichten.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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