- 06.03.2012, 12:00:40
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Falter veröffentlicht Justiz-Abschlussbericht im Fall Kampusch
Staatsanwaltschaft Innsbruck nennt Vorwürfe von Ex-OGH-Präsident Rzeszut "Verhöhnung des Opfers" "Verschwörungstheorien" und "phantastische Theorien".
Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in
ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe exklusiv den geheimen
Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Innsbruck im Fall Natascha
Kampusch. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelte nach einer
Anzeige des Justizministeriums, da Ex-OGH Präsident Johann Rzeszut
mehreren Staatsanwälten Amtsmissbrauch und Untätigkeit vorgeworfen
hatte.
Die zuständige Innsbrucker Staatsanwältin Gabriele Ginther-Schöll
rechnet mit den Vorwürfen der ehemaligen Höchstgerichtspräsidenten
Johann Rzeszut und Ludwig Adamovich erstaunlich hart ab. Ex-OGH
Präsident Rzeszut, so der Vorhabensbericht verbreite nur noch
"Verschwörungen", die in den Akten überhaupt keine Deckung fänden.
"Bei Natascha Kampusch handelt es sich augenscheinlich in den Augen
des Dr. Rzeszut nicht um ein maßstabsgerechtes Opfer, weil sie vom
Täter nicht gänzlich zerstört wurde, sondern sich der Situation
angepasst hat und sich nach außen hin stark gibt. Die Frage ist nur,
ob das den Vorstellungen des Dr. Rzeszut gerecht werdende Opfer ein
solches Schicksal überhaupt überlebt hätte."
Ja, schreibt die Staatsanwaltschaft Innsbruck, es gebe
Widersprüche und einige schwache Indizien", aber "keinen konkreten
Hinweis", dass Wolfgang Priklopils Freund Ernst H. , "in Zusammenhang
mit der Entführung Kampuschs stehen könnte". Rzeszut, so die
Staatsanwältin, "verhöhne" das Opfer, indem er dessen Todesangst
während der Flucht infrage stellt. "Hier wird darauf verwiesen, dass
Kampusch von Schlägen, Essensentzug, Licht und Ventilatorenentzug,
sowie von Fesseln mit Kabelbindern und Drohungen erzählt hat. (...)
Unter diesen Umständen eine Freiwilligkeit der Gefangenschaft
anzunehmen, erscheint lebensfremd."
Dem Falter liegen auch die Zeugenaussagen von Adamovich und
Rzeszut aus dem Innsbrucker Verfahren vor. Die Staatsanwaltschaft
zerpflückt sie und hält sie für "Verschwörungen", "Spekulationen" und
"phantastische Theorien".
Im Falter meldet sich nun auch der Chef der Wiener
Oberstaatsanwaltschaft Werner Pleischl zu Wort. Er sagt: "Wir können
das Opfer nicht foltern, damit es das sagt, was manche hören wollen."
Rückfragehinweis:
Dr. Florian Klenk Stv. Chefredakteur Falter Marc Aurelstraße 9 1011 Wien Tel: 01/53660-924 [email protected]
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