• 05.03.2012, 09:51:06
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel:Die Banken handeln allemal vernünftig von Hans-Jörg Bruckberger

Das billige Geld der EZB verleitet geradezu zum Spekulieren

Wien (OTS) - Es war der programmierte Erfolg: Die EZB hat den
kränkelnden Banken die nächste Geldspritze verpasst und von den
Märkten neuerlich Applaus erhalten. 800 Institute liehen sich die
Rekordsumme von 529,5 Milliarden Euro. Kurz vor Weihnachten hatten
sich europäische Banken bereits 489,2 Milliarden zu extrem günstigen
Konditionen gesichert. Im Rahmen dieser Drei-Jahres-Tender stellt die
EZB den Kreditinstituten ungewöhnlich lange Mittel zum Niedrigzins
von einem Prozent zur Verfügung.

In der Theorie ist das eine feine Sache: Geben die Banken das billige
Geld an die Unternehmen weiter, wird eine neuerliche Kreditklemme
verhindert und die Konjunktur angekurbelt. Tatsächlich aber haben die
Banken das wirtschaftlich Sinnvollste gemacht und mit dem billigen
Geld lieber selbst spekuliert. Davon zeugen die seit dem ersten
Tender gesunkenen Renditen auf südeuropäische Bonds. Dahinter steckt
eine einfache Rechnung: Staatsanleihen von Spanien oder Italien
rentieren weit höher als das eine Prozent, das die Banken an Zinsen
zahlen müssen. Die Differenz streifen die Geldhäuser elegant ein.

Auch nicht schlecht, sanieren sich wenigstens die Banken - und die
Schuldenländer können sich am Kapitalmarkt wieder günstiger
refinanzieren, womit auch ihnen geholfen wird. Andererseits sinkt
damit erst wieder der Anreiz zu nachhaltigen Reformen und zum
Umdenken. Und zwar auf beiden Seiten, denn die Banken werden
neuerlich geradezu zum Spekulieren verleitet. Und die Rechnung zahlt
letztendlich - wie immer - der Steuerzahler, schließlich leiten die
Banken das Zentralbankgeld ja nicht zu denselben Konditionen an die
Staaten weiter. Insofern kann man argumentieren - was manch ein
Ökonom auch tatsächlich tut -, dass sich die Banken ihre Gewinne de
facto vom Steuerzahler holen, nur dass es auf diese Weise nicht so
auffällt.

Fest steht jedenfalls, dass die EZB im Grunde gar keine andere Wahl
gehabt hat, als die Märkte mit billigem Geld zu fluten. Ohne dieses
wären Banken und Märkte womöglich kollabiert. Wer einen Brand löschen
muss, philosophiert besser nicht über Verschwendung von Trinkwasser.
Und macht sich keine Sorgen, ob er damit Möbel beschädigt. Sobald die
ärgsten Brandherde aber erloschen sind, sollte man sehr wohl über
Langzeitfolgen und Wiederaufbau nachdenken. Die EZB ist eine
Milliardenwette eingegangen, deren Ausgang völlig offen ist. Ob
Banken und Volkswirtschaft langfristig wirklich besser dastehen? Oder
wird, um beim pyrotechnischen Sprachbild zu bleiben, am Ende gar
wieder einmal Öl statt Wasser ins Feuer gegossen?

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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