Tiefgreifende und vom Konsens getragene Diskussionen im heutigen Bildungsvolksbegehren-Ausschuss

VBBI fordert 1. die Verbundlichung und Straffung der Bildungsorganisation, 2. die Autonomisierung der Schulleitungen und 3. die Einsetzung eines Bildungsrats nach deutschem Vorbild

Wien (OTS) - Die erste inhaltliche Debatte des Bildungsvolksbegehren-Ausschuss im Parlament führte heute zu einer regen und tief gehenden Diskussion. "Dieser Ausschuss macht Mut, dass der breit getragen Schulterschluss im Bildungsbereich, der mit der einstimmigen Einsetzung dieses Ausschusses seinen bisherigen Höhepunkt gefunden hat, auch in der inhaltlichen Umsetzung der Forderungen des Bildungsvolksbegehren weitergehen kann", kommentiert Hannes Androsch, Initiator des Bildungsvolksbegehrens, den Ausschuss. Für die Umsetzung von Veränderungen bedarf es darüber hinaus auch eine nationale Kraftanstrengung aller vom Bildungsbereich Betroffenen.

Androsch stellt drei zentrale Forderungen des Volksbegehren in den Vordergrund: "Die Verbundlichung und Straffung der Bildungsorganisation bei gleichzeitig größtmöglicher Autonomie der Leitung am Standort sind wesentliche Vorraussetzungen, um für die PädagogInnen und Pädagogen jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, ihre wertvolle Aufgabe bestmöglich zu erfüllen." Um eine langfristige Bildungsplanung in dieser Richtung zu ermöglichen, wünscht sich Androsch die Einsetzung eines Bildungsrats nach deutschem Vorbild. Auch die Anregung Bildungsexperten Daniel Landau, eine österreichische Bildungsstiftung ins Leben zu rufen, wird von Seiten des Bildungsvolksbegehrens begrüßt. Diese Bildungsstiftung soll ein flächendeckendes Netzwerk für Kinder, Eltern und PädagogInnen sein sowie für konkrete soziale Notsituationen und Projekte Mittel bereithalten.

Im zweiten Teil des Ausschuss, der sich mit der Elementarpädagogik befasste, wurden die Forderungen des Bildungsvolksbegehren von Bernd Schilcher, Mitinitiator der Bildungsvolksbegehren, vertreten. "Ein Kind lernt nie wieder so leicht wie in seinen ersten Lebensjahren," zitiert Schilcher Frau Dr. Macedonia vom Marx Plank Institut für Kognitions-und Neurowissenschaften in Leipzig. Schilcher meint jedoch, dass dies nicht die österreichische Volksmeinung ist, denn diese schaut anders aus: "Lasst doch die Kinder spielen, so lange wie möglich, der Ernst des Lebens fängt früh genug an." Frühkindpädagogik ist jedoch der Grundstein für jede weitere Bildung und Ausbildung, denn "jeder in die Elementarpädagogik investierte Euro erspart später sieben Euro an gesellschaftlichen Folge-Kosten," begründet Schilcher die Notwendigkeit einer Aufwertung des elementarpädagogischen Bereichs. Konkret fordert das Bildungsvolksbegehren:

Die Gleichstellung der Kindergärten mit den Schulen und der KindergartenpädagogInnen mit den LehrerInnen. Das heißt:

- Kindergärten kommen in die Bundeszuständigkeit.

  • KindergartenpädagogInnen erhalten dieselbe gemeinsame universitär-akademische Ausbildung wie alle anderen LehrerInnen.
  • Sämtliche PädagogInnen sollen grundsätzlich ein- und dasselbe Bundesdienstrecht und Besoldungsrecht erhalten, bei dem die Anfangsbezüge deutlich erhöht sind; zudem werden finanzielle Leistungsanreize eingebaut. Ein flächendeckendes Angebot an elementarpädagogischen Einrichtungen (Krabbelstuben, Kinderkrippen, Kindergärten), sowie bundesweite Ganztagsangebote. Das heißt:
  • Familien, in denen Eltern berufstätig sind, brauchen so früh wie möglich pädagogische - individuelle Einrichtungen für ihre Kinder.
  • Da Kinder schon ab Geburt ganz natürlich lernen, sollen sie in diesen Einrichtungen eine optimale, altersgemäße, pädagogische Förderung erhalten. Die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule muss optimiert werden.
  • Überführung der Kindergärten in die Bundeskompetenz sowie ein flächendeckendes Angebot an ganztägigen Einrichtungen bis zum Jahr 2020.
  • Die Volksschule selbst ist organisatorisch, pädagogisch und finanziell in die Lage zu versetzen, die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen und freie Rede wieder so zu vermitteln, dass die gegenwärtigen Defizite abgebaut werden.
  • Jede Bildungsinvestition im frühkindlichen Alter macht sich später um ein Vielfaches bezahlt.

Androsch betonte abschließend, dass neben der bildungspolitischen Bedeutung sich auch noch ein weiterer, demokratiepolitischer Aspekt in dem Ausschuss spiegelt: "Der Fortschritt im Ausschuss ist auch ein Zeichen des Umgangs der Politik mit den Instrumenten der direkten Demokratie und damit ein wichtiger Schritt für die Demokratieentwicklung in Österreich. Auch in diesem Sinn ist der von Konsens getragene Diskurs im Ausschuss positiv hervorzustreichen."

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