NÖ Impftag: Gesunde Kinder durch neue Impfungen!

Gemeinsame Fortbildung für Ärzte und Apotheker

Wien (OTS) - Am Samstag, dem 3. März, findet in Langenlois der dritte niederösterreichische Impftag statt. Er widmet sich dem umfangreichen Thema "Kinder-Impfungen". Dank modernster Impfstoffe und eines ausgeweiteten kostenlosen Kinderimpfprogramms können unsere Kleinsten vor gefährlichen Krankheiten wirksam geschützt werden. Dennoch entpuppen sich manche Eltern als Impfverweigerer und setzen sich und ihre Kinder einem enormen gesundheitlichen Risiko aus. Laut einer neuen Studie lassen sich 20 Prozent der Befragten nie impfen! Der NÖ Impftag ist eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Apotheker.

Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Präventionsmaßnahmen, insbesondere bei Kindern. In Niederösterreich gibt es bereits seit geraumer Zeit einen Sechsfachimpfstoff im Rahmen der Kinder-Impfaktion NÖ als Ganzjahresaktion. Dabei werden alle Kinder ab Säuglingsalter grundimmunisiert. Zusätzlich wird die Impfung gegen MMR (Masern, Mumps, Röteln) und Rotavirus im Rahmen des Gratis-Kinderimpfprogramms angeboten.

Seit Februar 2012 werden die Impfungen gegen Pneumokokken- und Meningokokken C-Erkrankungen in das kostenlose Impfprogramm aufgenommen. Meningokokken-Infektionen sind besonders gefährlich und verursachen etwa 100 Erkrankungen pro Jahr in Österreich mit einer Sterblichkeit von 13 Prozent, Pneumokokken verursachen ca. 300 gesicherte Krankheitsfälle mit einer Sterblichkeitsrate von rund zehn Prozent. Das heißt, dass in Österreich durchschnittlich 43 Personen im Jahr an einer der beiden Infektionen sterben. "Mit der Implementierung dieser beiden Impfungen ist das Österreichische Impfkonzept wieder einen wichtigen Schritt weiter in den Bemühungen zur Vermeidung von impfpräventablen Erkrankungen", so Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinder- & Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten, und Initiator des NÖ Impftages.

Wichtigste Änderungen im Gratiskinderimpfplan seit Februar 2012:

  • Ausweitung der Impfung gegen Pneumokokken auf alle Säuglinge/Kleinkinder mit Dosen im 3., 5. und 12. Lebensmonat.
  • Reduktion der notwendigen Impfdosen gegen Pneumokokken und des Sechsfachimpfstoffs im Säuglingsalter von ursprünglich 4 (3+1) Dosen auf 3 (2+1) Dosen.
  • Aufnahme einer Impfung gegen Meningokokken (ACWY) mit einer Dosis für Schulkinder im 12. Lebensjahr.
  • Reduktion der Zahl der Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus im Schulalter von zwei auf eine Dosis als Vierfachimpfstoff mit Keuchhusten- und Kinderlähmungskomponente.

Die Prioritäten bei der Auswahl der Gratisimpfungen wurden nach dem letzten Stand des Wissens einerseits auf sehr häufig vorkommende Erkrankungen, andererseits auf seltene sehr schwerwiegend verlaufende Krankheiten gesetzt. "Eine weitere Vorgabe war, dass man die Kinder mit möglichst wenigen Stichen gegen möglichst viele Krankheiten schützt", so Sektionschefin Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner, Leiterin der Sektion III, Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten, Bundesministerium für Gesundheit.

Neue Studie: 20 Prozent der Bevölkerung lassen sich NIE impfen!

Trotz der großen Erfolge der Impfprogramme und der guten Verträglichkeit moderner Impfstoffe sind die Verunsicherung und Skepsis gegenüber Impfungen stärker denn je: In einer Umfrage an über 1600 Personen im Alter von über 18 Jahren sagten über 20 Prozent der Befragten aus, dass sie sich nie impfen lassen. Ein Fünftel der gesamten Bevölkerung steht demnach einem der wichtigsten präventivmedizinischen Instrumente der Medizin ablehnend gegenüber. Dies, obwohl große und auch unabhängige Gesellschaften wie die WHO oder die UNICEF Impfungen auch in den entwickelten Ländern als unverzichtbare Hilfe in der Bekämpfung von Krankheiten, Möglichkeiten zur Senkung des Antibiotikaverbrauchs und damit auch zur Vermeindung von Resistenzen gegen hochpotente Krankheitserreger sehen.

Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie zum Beispiel Masern oder Keuchhusten könnten mittels der Impfprogramme bei einer anhaltend hohen Durchimpfung fast eliminiert werden. "Dadurch entsteht jedoch oftmals der falsche Eindruck, dass jene Infektionskrankheiten nicht mehr gefährlich wären. Der Eindruck trügt - denn nur durch flächendeckende Impfprogramme können diese bisherigen Erfolge erhalten beziehungsweise ausgebaut werden", so Rendi-Wagner.

Volkswirtschaftliche Bedeutung des Impfens

Schutzimpfungen gehören zu den wirksamsten Methoden, um vor Infektionskrankheiten zu schützen. Dies hat nicht nur einen positiven Einfluss auf die geimpfte Person, sondern ist auch volkswirtschaftlich von großer Bedeutung. "Mit einer Impfung und dem dadurch entstandenen Impfschutz erspart man der beziehungsweise dem Geimpften einerseits, eine oft lebensbedrohliche Krankheit durchzumachen, andererseits der Allgemeinheit, für die oft hohen Kosten der Behandlung einer Infektionskrankheit aufkommen zu müssen", meint HR Dr. Alfred de Martin, Landessanitätsdirektor des Landes Niederösterreich.

Gratisschulimpfungen nun auch beim niedergelassenen Arzt möglich

Der sogenannte "Kärntner Impfschadensfall", bei dem ein zwölfjähriger Bub nach einer Hepatitis B Impfung an einer Entzündung des Sehnervs erkrankt war, sorgte für einige Unruhe nicht zuletzt auch unter den impfenden Ärztinnen und Ärzten. Der Patient hat zwar in der Zwischenzeit sein Sehvermögen wieder erlangt und auch als Ursache für die Erkrankung konnte eine Herpes simplex Infektion festgestellt werden, es blieb aber die Verurteilung der impfenden Amtsärztin wegen mangelnder Aufklärungspflicht. In der Folge weigerten sich auch in Niederösterreich wegen der bestehenden Rechtsunsicherheit viele SchulärztInnen, die Gratisimpfungen durchzuführen. Für Dr. Dietmar Baumgartner, Kinderarzt und Impfreferent der Ärztekammer für NÖ, war diese Entwicklung ein Schritt in die falsche Richtung: Um eine ausreichende Durchimpfungsrate auch im Schulalter zu gewährleisten, hat das Land Niederösterreich als erstes Bundesland ermöglicht, dass alle Gratisschulimpfungen auch bei niedergelassenen ÄrztInnen durchgeführt werden können." Dafür hauptverantwortlich zeichnet Landessanitätsdirektor Dr. de Martin. "Diese letztlich von den verantwortlichen Landespolitikern beschlossene Möglichkeit der Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft in die Durchführung auch der Schulimpfungen sollte beispielgebend auch für andere Bundesländer sein", fordert Baumgartner.

Nichts desto trotz ist es unabdingbar, durch entsprechende Informationen sowohl der Eltern als auch der Ärzteschaft die Teilnahme an den Schulimpfungen wieder zu verbessern. Aufgrund der leider zunehmenden Impfmüdigkeit in der Bevölkerung sind diese Impfaktionen ein entscheidender Baustein dafür, die Durchimpfungsrate für die wichtigsten durch Impfung vermeidbaren Erkrankungen zumindest bis zum Ende des Grundschulalters hoch zu halten.

In der Zwischenzeit wurden vom Gesundheitsministerium geeignete und sehr detaillierte Aufklärungsbögen erarbeitet, die es außer in deutscher Sprache auch in Englisch, Kroatisch, Russisch, Türkisch und Slowenisch gibt. Die Aufklärungsbögen sowie weitere Informationen zum Impfplan können von der Homepage des Ministeriums unter Prävention/Impfen heruntergeladen werden www.bmg.gv.at.

Impfaktionen in der Apotheke

Apothekerinnen und Apotheker spielen seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle bei der Information über die Notwendigkeit von Impfungen. "Die Impfaktionen in den Apotheken helfen mit, die Impfraten stabil zu halten bzw. zu erhöhen", sagt Mag.pharm. Dr. Christian Müller-Uri, Apotheker in Schwechat und Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes.

Die Apothekerschaft beschäftigt sich mit verschiedenen Konzepten, um die Durchimpfungsraten zu erhöhen. Eines davon ist eine elektronische Impferinnerung per SMS direkt aus der Apotheke. "Viele Impfungen werden in Schemata verabreicht, wo erst nach Monaten eine Auffrischungsimpfung notwendig ist", weiß Müller-Uri. Die Impflinge vergessen in solchen Fällen manchmal auf die Auffrischung, was den Impfschutz allerdings gefährdet. Ein kurzes SMS aus der Apotheke erinnert den Kunden an die bevorstehende Auffrischungsimpfung.

Heute am 1. März startet eine Impfaktion gegen Meningokokken (Serotypen A, C, W135 and Y für Erwachsene und Jugendliche ab 11 Jahren). Bis 30. September können die Impfstoffe gegen diese heimtückische Erkrankung zu einem günstigeren Preis in den Apotheken bezogen werden.

Ab April folgt dann für zwei Monate die Hepatitis-Impfaktion. Hier wurden leider in den vergangenen Jahren steigende Fallzahlen festgestellt. Umso wichtiger ist es, auf die Gefährlichkeit von Hepatitis - nicht nur im Zusammenhang mit klassischen Reiseländern -hinzuweisen.

Die Impfaktion gegen FSME (Zecken) läuft noch bis 31. Juli 2012. Am 1. Mai startet die Auffrischungs-Impfaktion für junge Erwachsene. Dabei schützt eine einzige 4-Fach-Impfung gegen die schweren Infektionskrankheiten Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung und Keuchhusten. Der Impfstoff ist bis Ende Juni in den Apotheken vergünstigt zu beziehen.

Rückfragen & Kontakt:

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