Donau-"Schifferlversenken": Nach Blockade droht Sprengstoffeinsatz

Gesunkenes Baggerschiff soll im Nationalpark gesprengt werden

Wien (OTS) - Mit "Handgranatenfischen" vergleicht Wolfgang Rehm, Sprecher der Umweltorganisation VIRUS, den Plan, einem seit 9 Monaten im Nationalpark Donauauen bei Regelsbrunn/Orth am Donaugrund liegenden Schiffswrack mit Sprengmitteln zu Leibe zu rücken. "Dynamitfischen ist zu Recht verpönt und tötet in großem Umkreis Fische und andere Lebewesen".

Die Vorgeschichte: Im Auftrag der via donau finden an der Donau regelmäßig Baggerungen großen Umfangs statt. Diese wären, wie VIRUS betont, wenig effektiv für die Schifffahrt, würden so aber für die anhaltende Eintiefung der Donaustromsohle sorgen und stehen deshalb seit Jahrzehnten im Fokus der Kritik. Im Mai 2011 kam es bei derartigen Arbeiten zu einem Mißgeschick, in dessen Folge ein Schottertransportschiff eines Baggerunternehmers sank und seither die im Nationalpark gelegene Schifffahrtsrinne blockiert. Seit Monaten muss sich daher die Schiffahrt mit einer Notfahrrinne arrangieren. "Dies klappt erstaunlich gut, ist aber - schon weil es ein Sicherheitsproblem darstellt - dennoch ein unhaltbarer Zustand," so Rehm. Schließlich wäre es im vergangenen November auch bereits zu einem Auffahrunfall gekommen, der für Schlagzeilen gesorgt hat. "Es ist unverständlich, warum die sonst so empfindliche Oberste Schifffahrtsbehörde den Eigner monatelang entweder wirkungslos herumdoktern oder einfach gar nichts tun lässt und nicht schon längst eingegriffen hat. Hier wären von Amts wegen ein kompetentes Bergeunternehmen zu beauftragen und die vollen Kosten für diese Ersatzvornahme dem Verantwortlichen aufzubrummen gewesen," wettert Rehm, der sich des Eindrucks einer Sonderbehandlung nicht erwehren kann, nachdem die Behörde den Verantwortlichen, der auch Obmann des Fachverbandes Schifffahrt der Wirtschaftskammer ist, mit Samthandschuhen anfasse.

VIRUS hat nun Informationen erhalten, denen zufolge auch überlegt wird, dem Wrack mit Unterwassersprengmitteln zu Leibe zu rücken. Diese brisante Nachricht schlug bei den Umweltschützern wie eine Bombe ein und liefert Munition, sich weitere Schritte vorzubehalten "So sehr Ärger über ein mögliches Verlustgeschäft subjektiv verständlich sein mag, sind derartige Radikalmethoden in einem Nationalpark keinesfalls tolerierbar," warnt Rehm und weist darauf hin, dass dafür eine Vielzahl von Genehmigungen, darunter jedenfalls eine nationalparkrechtliche Bewilligung erforderlich wäre. "Hier haben wir allerdings mit der Niederösterreichischen Landesregierung erst beim Pilotprojekt Bad Deutsch Altenburg im Vorjahr schlechte Erfahrungen gemacht. Für dieses Prestigeprojekt der via donau wurde weder die im Europaschutzgebiet erforderliche Naturverträglichkeitsprüfung, noch die ebenfalls gebotene Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, dafür aber trotz gravierender rechtlicher Mängel eine nationalparkrechtliche Bewilligung erteilt. Alle drei für die Entscheidung jeweils zuständigen Landesbehörden haben ihren Bescheid zeitgleich an jenem 1. Dezember 2011 erledigt, an dem Landesrat Pernkopf per Presseerklärung politisch grünes Licht gegeben hat, das erinnert sehr an die politisch bestellten Bescheiderlassungen der Hainburg-Ära", so Rehm. Deshalb könne nicht mehr darauf vertraut werden, dass aktuell der rechtliche Schutz des Nationalparks greifen, ja nicht einmal, dass alle erforderlichen Verfahren durchgeführt würden. "Wir werden jedenfalls alle zu Gebote stehenden Mittel einsetzen um derartige ungeheuerliche Zerstörungsversuche zu torpedieren," so Rehm abschließend.

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Wolfgang Rehm , 0699/12419913, virus.umweltbureau@wuk.at

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