Brennpunkt Bildgebung: Enorme Bedeutung der Lymphknoten-Diagnostik

Wien (OTS) - 22. Februar, 2012.
Die Lymphknoten spielen nicht nur bei der Erkennung von Infektionserkrankungen, sondern auch bei jener von Tumorerkrankungen eine wichtige Rolle. Die Lymphknoten oder Lymphdrüsen sind Teil des Abwehrsystems des menschlichen Körpers, in welchem sich die Lymphozyten befinden, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen.

Tumore befallen Lymphwege
Bei vielen bösartigen Tumorerkrankungen erflogt die Ausbreitung primär über die Lymphwege bzw. die Lymphknoten, weswegen diese auch oft von Metastasen betroffen sind. Häufig der Fall ist dies bei Brustkrebs, Krebs von Dickdarm oder Mastdarm, Speiseröhren- und Magenkrebs sowie Lungenkrebs.
"Das Vorhandensein von Metastasen in den Lymphdrüsen ist von großer prognostischer Bedeutung. In der modernen Onkologie ist es wichtig zu wissen, ob die Lymphdrüsen vom Tumor befallen sind oder nicht, da für jeden Tumor und in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Tumors maßgeschneiderte Therapien zum Einsatz kommen", betont Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schima die wichtige Rolle der Lymphknotendiagnostik. Schima ist Vorstand der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Vinzenzgruppe Wien.

Bedeutende Rolle der Radiologie
Bei der Diagnostik kommt der Radiologie eine bedeutende Rolle zu. Je nach Lokalisation der Lymphknoten im Körper (Hals-, Achsel-, Leistenregion, Brust- oder Bauchraum) kommen Sonographie, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Bei oberflächlichen Lymphknoten (z.B. am Hals, in der Achsel- oder Leistenregion) ist die Sonographie eine ausgezeichnete Methode; für Brust- oder Bauchraum werden wiederum CT oder MRT verwendet.
Als besonders erfolgversprechend und effektiv haben sich auch Methoden aus der molekularen Bildgebung erwiesen, welche biologische Prozesse in vivo im Körper darstellen können. Bei der PET/CT (Positronen-Emissions-Tomographie in Verbindung mit einer Computer-Tomographie) werden so genannte Biomarker in den Körper injiziert, die in den Stoffwechsel eingebaut werden. Bei der Lymphknotendiagnostik kommt radioaktiv markierter Zucker (Fluoro-Deoxyglucose) zum Einsatz, der in tumor-befallenen Lymphknoten besonders stark eingelagert wird, da diese erhöhten Zuckerstoffwechsel aufweisen. Hierdurch lässt sich mit hoher Genauigkeit das Vorhandensein von Metastasen feststellen und durch die integrierte CT-Untersuchung auch eine präzise Aussage über deren Lokalisation treffen.

Kritische Unterscheidung zwischen Tumor und Entzündung
Wichtig ist aber vor allem die Wahl der richtigen diagnostischen Kriterien, so Prof. Schima: "Die größte Schwierigkeit in der Diagnostik von metastatisch veränderten Lymphknoten ist die Wahl spezifischer Kriterien, um Tumor-Lymphknoten von entzündlich-reaktiv veränderten Lymphknoten differenzieren zu können. Die Größe allein ist hier ein unzureichendes Kriterium, da auch Entzündungsreaktionen zu Lymphknotenvergrößerungen führen können."
Bei Entzündungsprozessen im Körper sind die Lymphknoten im Bereich des befallenen Organs meist vergrößert z.B. eine Schwellung der Halslymphknoten bei Angina. Nach dem Abklingen der Entzündung bilden sich diese im Regelfall aber wieder zurück und bedürfen keinerlei besonderer Behandlung.
Anders verhält sich dies bei der Ausdehnung einer Tumorerkrankung in die regionalen Lymphknoten, da dies auf ein bereits fortgeschrittenes Stadium schließen lässt, welches eine aufwendige Therapie erfordert, um eine weiter Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern.
Hierbei ist es entscheidend, dass die bildgebende Diagnostik mit hoher Sicherheit feststellen kann, ob es sich um eine Veränderung der Knoten auf Grund einer Infektion handelt, oder ob eine metastasische Infiltration vorliegt.
Eine alleinige Größenmessung per Computertomographie ist hier nicht ausreichend, da dies keine Rückschlüsse auf die Ursache der Vergrößerung zulässt und sich auch in normal großen Lymphknoten bereits Mikro-Metastasen angesiedelt haben können. Mittels Magnetresonanztomographie können durch spezielle Untersuchungssequenzen, die die Diffusionsbewegungen von Wassermolekülen im Körper darstellen und durch spezifische Kontrastmittel, die sich nach intravenöser Gabe selektiv in den Lymphknoten anreichern, mit hoher Treffsicherheit tumorinfiltrierte Lymphknoten identifiziert werden.

Lymphknoten-Biopsie bald nur mehr in Ausnahmefällen nötig
Mit den nicht-invasiven Methoden der Bildgebung mittels Sonographie, CT oder MRT lassen sich in den allermeisten Fällen eindeutige Aussagen über den Zustand der Lymphknoten treffen. Bei schwierig gelagerten Fällen kommt die PET/CT, welche bei manchen Tumorerkrankungen wie dem Lungenkarzinom bereits die Methode der ersten Wahl ist, zum Einsatz, um operable Lungenkarzinome von fortgeschrittenen (=nicht operablen) Lungenkarzinomen mit ausgedehntem Lymphknoten-Befall unterscheiden zu können.
Nur in ausgewählten Fällen braucht man heutzutage die Lymphknotenbiopsie, wobei hier die Ultraschall- oder CT-gesteuerte Feinnadelbiopsie oder die chirurgische Lymphknotenentfernung (vor allem bei oberflächlichen Lymphknoten) zum Einsatz kommen.
"Durch die Verbesserung der nicht-invasiven Diagnostik mit Magnetresonanztomographie und durch die bessere Verfügbarkeit der PET/CT in Österreich ist es absehbar, dass in Zukunft invasive und belastende Lymphknotenbiopsien nur mehr in Ausnahmefällen nötig sein werden." zeigt sich Prof. Schima optimistisch.

Ab 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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