WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Woche der Wahrheit für die AUA - von Günter Fritz

Wie es aussieht, hat die AUA tatsächlich nur noch eine Chance

Wien (OTS) - Ganze acht Tage haben AUA-Management und -Mitarbeiter noch Zeit, sich auf wichtige Weichenstellungen für ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Airline zu einigen: Denn danach, am 29. Februar, soll bei einer Aufsichtsratssitzung entschieden werden, wie es mit der AUA weitergeht und ob die Mutter Lufthansa frisches Kapital zuschießt. Dieses ist notwendig, um die Flugzeugflotte zu harmonisieren, qualitativ aufzurüsten und die Langstrecke wieder auszubauen. Damit dies passiert, muss AUA-CEO Jaan Albrecht dem Aufsichtsrat glaubhaft versichern können, dass er bei der defizitären Airline den Turnaround schaffen kann. Das wiederum heißt, er muss heuer rund 220 Millionen Euro einsparen - wovon ein Gutteil vom Personal kommen soll. Womit wir beim Knackpunkt angelangt wären: Denn wie berichtet streiten AUA-Führung und Gewerkschaft um einen neuen, für den Airline-Konzern günstigeren Kollektivvertrag. Die AUA hat derzeit nämlich drei, die unterschiedlich teuer sind: AUA alt, Lauda Air und Tyrolean.

Besonders teuer sind die alten AUA-Verträge für das fliegende Personal mit ihren automatischen jährlichen Vorrückungen in der Höhe von sieben Prozent. Das hat zur Folge, dass die AUA heuer mit 438 Millionen Euro etwa gleich hohe Personalkosten haben wird wie vor drei Jahren, obwohl in diesem Zeitraum 1500 Mitarbeiter abgebaut worden sind. Piloten mit Durchschnittsgehältern von 13.000 Euro bekommen 39 Gehälter Abfertigung.

Weil solche Regelungen in Zeiten eines immer schärferen Wettbewerbs nicht mehr finanzierbar sind, hat der AUA-Vorstand vergangene Woche den KV einseitig gekündigt. Die angedrohte Überführung von rund 2300 fliegenden AUA-Mitarbeitern in den Tyrolean-KV würde die Kosten für diese schlagartig um 20 bis 25 Prozent senken. Freilich würde so eine Maßnahme alles andere als reibungslos über die Bühne gehen; eine entsprechende Reaktion der Gewerkschaft würde wohl nicht ausbleiben. Bislang blieb das Wort Streik trotz aller Kontroversen glücklicherweise ausgespart - ein solcher hätte wohl fatale Folgen für die AUA und damit auch für den Standort. Das trifft noch mehr auf das zweite immer wieder genannte Drohszenario - ein Konkurs der AUA -zu. So gesehen hilft nur eins: Die beiden Parteien müssen die Zeit zum Verhandeln nützen und eine für beide Seiten akzeptable Lösung zustande bringen - auch wenn das nicht einfach wird und sie bisher nicht glücklich agiert haben. Damit das gelingt, müssen auch Politik und Systempartner ihren Beitrag leisten - denn so, wie es aussieht, hat die AUA tatsächlich nur noch eine Chance.

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