"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit einem halben Fuß im Konkurs und im Häfen" (von Alfred Lobnik)

Ausgabe vom 18.2.2012

Graz (OTS) - Von einem alten Grazer Richter erzählt man sich,
er habe einmal gefragt: "Was wollen Sie vom Gericht?" -"Gerechtigkeit, Herr Rat." - "Werden S' net frech!"

Bei Gericht wird bekanntlich Recht gesprochen, nicht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist eine philosophische Größe. Was ist schon ein gerechtes Urteil im Sturm-Prozess? Ginge es nach manchen Fans, hätte man Hannes Kartnig schon längst einsperren und den Schlüssel wegschmeißen müssen.

Die harte Strafe gegen Kartnig ist die rechtsstaatliche Entsprechung dafür. Der Senat war in generalpräventiver Stimmung, um das einmal so flapsig zu sagen. Und die Strahlkraft des Urteils ist erheblich.

Wäre es nach Kartnigs Verteidigern gegangen, waren die Vorwürfe von Anfang an absurd. Er selber fühlte sich hartnäckig lediglich der Steuerhinterziehung schuldig, so ein bisserl schuldig halt. "Das machen doch alle." Und wenn? Ist es dann in Ordnung?

Man musste gut zuhören in diesem Verfahren, denn hinter manchem Wortwitz steckte tiefe Wahrheit. In jedem Verein gebe es eine "Geschenkabteilung", gab Kartnig zu Protokoll. "Wenn ich einem Kicker kein Geld schwarz auf die Hand gebe, spielt der nicht bei mir. So einfach ist das."

Manchmal war seine Ehrlichkeit entwaffnend. Und Frank Stronach resümierte bei seiner Zeugenaussage: "Jeder Verein steht mit einem halben Fuß im Konkurs." Die halbe Liga war zumindest damals fußmarod. Onkel Frank aus Amerika hat vielen geholfen. Dann eben auch in seiner alten steirischen Heimat.

Im Finanzministerium, schwadronierte Kartnig, habe ein hoher Beamter gesagt, dem Kartnig müsste man einen Orden verleihen. Seit er vor Gericht steht, zahlen die Vereine brav ihre Steuern.

Das Bonmot bezieht seinen Reiz aus der Hoffnung, der Sturm-Prozess könnte einen Läuterungsprozess eingeleitet haben. Das Gericht hat dazu eine klare Botschaft formuliert: Alle Vorstände, auch ehrenamtliche, haften. Kompromisslos. Beinhart. Bis zum bitteren Urteil.

Der GAK-Prozess folgt nächstes Jahr: mit mindestens so gravierenden Vorwürfen, mit mehreren angeklagten Ex-Präsidenten. So mancher im roten Lager wird die Botschaft vernommen haben. Für einige schlaflose Nächte dürfte gesorgt sein.

Fast ein Jahr hat es bis zum Urteil gegen Kartnig und seine sieben Mitangeklagten gedauert. Das Gericht hat sich viel Zeit genommen. Recht wurde endlich gesprochen.

"Alles andere ist primär", wie Hans Krankl einmal sagte.****

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