- 17.02.2012, 20:18:42
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit einem halben Fuß im Konkurs und im Häfen" (von Alfred Lobnik)
Ausgabe vom 18.2.2012
Graz (OTS) - Von einem alten Grazer Richter erzählt man sich,
er habe einmal gefragt: "Was wollen Sie vom Gericht?" -
"Gerechtigkeit, Herr Rat." - "Werden S' net frech!"
Bei Gericht wird bekanntlich Recht gesprochen, nicht Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit ist eine philosophische Größe. Was ist schon ein
gerechtes Urteil im Sturm-Prozess? Ginge es nach manchen Fans, hätte
man Hannes Kartnig schon längst einsperren und den Schlüssel
wegschmeißen müssen.
Die harte Strafe gegen Kartnig ist die rechtsstaatliche Entsprechung
dafür. Der Senat war in generalpräventiver Stimmung, um das einmal so
flapsig zu sagen. Und die Strahlkraft des Urteils ist erheblich.
Wäre es nach Kartnigs Verteidigern gegangen, waren die Vorwürfe von
Anfang an absurd. Er selber fühlte sich hartnäckig lediglich der
Steuerhinterziehung schuldig, so ein bisserl schuldig halt. "Das
machen doch alle." Und wenn? Ist es dann in Ordnung?
Man musste gut zuhören in diesem Verfahren, denn hinter manchem
Wortwitz steckte tiefe Wahrheit. In jedem Verein gebe es eine
"Geschenkabteilung", gab Kartnig zu Protokoll. "Wenn ich einem Kicker
kein Geld schwarz auf die Hand gebe, spielt der nicht bei mir. So
einfach ist das."
Manchmal war seine Ehrlichkeit entwaffnend. Und Frank Stronach
resümierte bei seiner Zeugenaussage: "Jeder Verein steht mit einem
halben Fuß im Konkurs." Die halbe Liga war zumindest damals fußmarod.
Onkel Frank aus Amerika hat vielen geholfen. Dann eben auch in seiner
alten steirischen Heimat.
Im Finanzministerium, schwadronierte Kartnig, habe ein hoher Beamter
gesagt, dem Kartnig müsste man einen Orden verleihen. Seit er vor
Gericht steht, zahlen die Vereine brav ihre Steuern.
Das Bonmot bezieht seinen Reiz aus der Hoffnung, der Sturm-Prozess
könnte einen Läuterungsprozess eingeleitet haben. Das Gericht hat
dazu eine klare Botschaft formuliert: Alle Vorstände, auch
ehrenamtliche, haften. Kompromisslos. Beinhart. Bis zum bitteren
Urteil.
Der GAK-Prozess folgt nächstes Jahr: mit mindestens so gravierenden
Vorwürfen, mit mehreren angeklagten Ex-Präsidenten. So mancher im
roten Lager wird die Botschaft vernommen haben. Für einige schlaflose
Nächte dürfte gesorgt sein.
Fast ein Jahr hat es bis zum Urteil gegen Kartnig und seine sieben
Mitangeklagten gedauert. Das Gericht hat sich viel Zeit genommen.
Recht wurde endlich gesprochen.
"Alles andere ist primär", wie Hans Krankl einmal sagte.****
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