"Kulturmontag" am 20. Februar: Milos-Forman-Porträt in den "art.genossen", schwere Zeiten für die Lipizzaner

Weiters: Russland - Milliardenprojekt Sotschi und "Wojna"-Aktionisten gegen Putin

Wien (OTS) - Clarissa Stadler führt am Montag, dem 20. Februar 2012, ab 22.30 Uhr in ORF 2 durch einen "Kulturmontag", der diesmal unter anderem die Geschichte der Spanischen Hofreitschule nachzeichnet und Leiterin Elisabeth Gürtler zum Interview bittet. Weitere Themen sind die Milliarden-Baustelle Sotschi, wo die Errichtung von Sportanlagen und Hotels für die Olympischen Winterspiele 2014 kritische Umweltschützer und Architekten auf den Plan ruft, sowie die Aktionistengruppe "Wojna", die für demokratische Präsidentenwahlen in Russland mobil machen. Die "art.genossen" zeigen zum 80. Geburtstag des Regisseurs das neue Porträt "Milos Forman -Ein Störenfried wird 80", in dem der Meister selbst, Michael Douglas oder Louise Fletcher Geheimnisse zur Entstehung seiner Filme verraten. Als "art.film" steht um 0.00 Uhr "Das Leben der Anderen" von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck auf dem Programm von ORF 2.

Ross-Kür: Nationalgut Lipizzaner. Hohe Schule, schwere Zeiten

Als Kind hatte der niederländische Journalist und Autor Frank Westerman ein Erweckungserlebnis: Da stand er vor einem weißen Ross und sein Reitlehrer raunte ihm zu: "Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte." Nicht durchgängig so pathetisch, vielmehr spannungsgeladen arbeitet Westerman nun - Jahrzehnte später - die Geschichte des 20. Jahrhunderts in seinem Buch "Das Schicksal der weißen Pferde" auf. Nach Zusammenbruch der k. u. k. Monarchie drohte den Lipizzanern buchstäblich die Schlachtung, später stritten Mächte und Mächtige um sie. Die Nazis wollten ihnen mehr militärischen Drill verordnen; ihre Rettung durch eine US-Panzereinheit vor der Sowjetarmee verarbeitete Walt Disney zu einem Rührstück mit Lilli Palmer. Und heute? Da müssen diese "Kronjuwelen" des Habsburgerreichs Kasse machen. Seit die Spanische Hofreitschule 2001 aus der staatlichen Verwaltung ausgegliedert und in eine Gesellschaft öffentlichen Rechts überführt wurde, lastet nicht nur finanzieller Druck auf dem Ross-Ballett. Das bedeutet eine Steigerung der Aufführungen, Rationalisierungsdruck und Merchandising-Offensiven. Eine ausgeglichene Bilanz für 2011 verkündet Hofreitschul-Leiterin Elisabeth Gürtler. Ob diese auch für Tiere und Bereiter gilt, beschäftigt mittlerweile sogar das deutsche Feuilleton. Kritik an gnadenloser Expansion und Niveauverlusten in der Hohen Schule wird offiziell stets dementiert. Der "Kulturmontag" zeichnet die Geschichte der Kultpferde nach und bittet Elisabeth Gürtler zum Interview.

Bau-Stelle: Milliardenprojekt Sotschi. Die Olympia-Stadt klotzt mit Superlativen

Wo heilende Quellen sprudeln, rollt auch der Rubel. Jetzt rollen in der Kurstadt am Schwarzen Meer vor allem Bagger und schweres Baugerät an: Sotschi, das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein exklusiver Treffpunkt der Hocharistokratie, später errichtete Stalin hier eine seiner Datschen und sprach von seinem "grünen Hain". Heute offenbaren sich dem Besucher Schlamm, Erdhaufen und Baustellen. Die Stadt an der "russischen Riviera" wird olympiafit gemacht, 2014 werden die Winterspiele hier ausgetragen. Bauvolumen: geschätzte 950 Milliarden Rubel, rund 25 Milliarden Euro. Für Wladimir Putin ist Sotschi Causa prima: Im Entstehen sind eine ganze Reihe von Eishallen, ein Medienzentrum für 17.000 Journalisten; drei Hotels, von denen das größte 4.200 Zimmer fasst, werden in die einstige Beschaulichkeit geklotzt. Die Stadien - fünf an der Zahl - werden direkt am Meer in einem ehemaligen Vogelschutzgebiet errichtet. Unweit, in der Kernzone eines Nationalparks, ist ein riesiges Skigebiet im Entstehen. Die österreichische Firma Doppelmayr baut im Gebiet um Krasnaya Polyana 40 Seilbahnen, eine davon wird sogar für den Transport von Autos geeignet sein. Eine Million Kubikmeter Holz ist den Bauarbeiten bisher zum Opfer gefallen. Umweltaktivisten sprechen von irreparablen Schäden, Architekten beklagen den sorglosen Umgang mit historischer Bausubstanz. In der Zwischenzeit feiert sich die Stadt mit dem "Winter International Arts Festival". Ein Lokalaugenschein im "Kulturmontag".

Wahl-Kämpfe: Putin spaltet Russlands Künstler. Mit den Aktionisten von "Wojna" in Moskaus Untergrund

Es herrscht Krieg in Russland: ein Krieg der Worte, ein Krieg der Symbole. "Putin hau ab!" stand auf den Plakaten Zehntausender Demonstranten, die in Moskau für demokratische und faire Präsidentenwahlen mobil machten. Ungeachtet jeder sibirischen Kälte:
Solch eisigem Gegenwind ist der Mann, der sich Anfang März zum dritten Mal ins Präsidentenamt wählen lassen will, noch nie ausgesetzt gewesen. Zu Deutsch "Krieg" lautet der Name der Aktivistentruppe Wojna. Mit Bildern, die sich ins kollektive Bewusstsein brennen und auch von den Machthabern nicht einfach weggewischt werden können, proben die Kunst-Guerilleros schon seit 2007 den Aufstand. Auf eine Brücke in St. Petersburg malte die Truppe einen 60 Meter langen Phallus. Als die Brücke - wie in Sommernächten üblich - aufgezogen wurde, bekam der in direkter Nachbarschaft angesiedelte Inlandsgeheimdienst die erektile Provokation zu sehen. Aber es sind nicht nur die Interventionen und gezielten Sabotageakte von Wojna, die - via YouTube - gesehen und gehört werden, auch die Stimme der russischen Intelligenzija stößt auf Resonanz. Boris Akunin, einer der populärsten Krimiautoren des Landes, kritisiert Wladimir Putin ganz offen. Kein Wunder, dass dieser vor allem Künstler auf seine Seite ziehen will. Der erfolgreiche Regisseur Stanislaw Goworuchin ist Chef von Putins Wahlkampfstab. Neben Maestro Valery Gergiev findet sich auch der Name von Anna Netrebko auf der Liste von Putins Unterstützern. ORF-Korrespondentin Carola Schneider gelang unter abenteuerlichen Umständen ein Geheimtreffen mit den polizeilich gesuchten Kunst-Outlaws von Wojna, die sie bei ihren Aktionen durch eine Moskauer Nacht begleitet hat - ein Bericht über Russland im denkbar heftigsten Wahlkampf.

art.genossen: Milos Forman - Ein Störenfried wird 80

Zu seinem 80. Geburtstag widmet der ORF Milos Forman, dem Regisseur von so großartigen Filmen wie "Amadeus" oder "Einer flog über das Kuckucksnest", ein neues Filmporträt. Der Meister selbst, Michael Douglas und Louise Fletcher verraten darin auch Geheimnisse zur Entstehung der Filme.

Für die Oscar-prämierte Romanverfilmung "Einer flog über das Kuckucksnest" wurde ihm bereits 1975 das Attribut Regielegende verliehen. Nach wie vor zählt er zu den Größten seiner Zunft - der am 18. Februar 1932 in der Tschechoslowakei geborene Jan Tomas Forman. Jetzt wird der US-amerikanische Regisseur und Filmemacher tschechischer Herkunft, Milos Forman, 80.

Ist auch das filmische Schaffen des Regie-Altmeisters quantitativ überschaubar geblieben, seinen Werken wird durchwegs höchste Qualität zugemessen. Eine handwerkliche Qualität vor allem, der sich der junge Jan Tomas schon an der Prager Filmhochschule verpflichtet fühlte. Seine Kindheit wurde vom Nationalsozialismus überschattet: Der jüdische Vater floh nach Südamerika, Mutter und Stiefvater wurden vor den Augen des Siebenjährigen nach Auschwitz deportiert. Verwandte organisierten nach dem Krieg einen Platz in einer Internatsschule für ihn, wo schon bald sein Interesse am Theater und an den Filmen von Buster Keaton und Charlie Chaplin erwachte.

1964 legte Milos Forman seinen ersten Spielfilm vor. Erfolgreich auf mehreren Festivals, wurde "Der Schwarze Peter" von der kommunistischen Regierung der Tschechoslowakei jedoch abgelehnt. Die Geschichte eines aufmüpfigen Teenagers wurde als "provokativ", "komödiantisch" und für einen "kommunistischen" Film nicht passend angesehen. Für Forman wiederum war dies entscheidend, seinem Stil treu zu bleiben. Das hatte absehbare Konsequenzen: Die 1968 gedrehte Gesellschaftssatire "Der Feuerwehrball" wurde in der Tschechoslowakei verboten. Das kommunistische Regime empfand den Filmemacher als störenden Nestbeschmutzer, doch dieser wollte nicht klein beigeben. Er setzte auf das Demokratisierungsprogramm des liberalen kommunistischen Parteichefs Alexander Dubcek. Der damit verbundene aufkommende Prager Frühling wurde aber im August 1968 durch Warschauer-Pakt-Truppen brutal beendet. Milos Forman, zu Filmverhandlungen gerade in Paris, wurde vom eigenen Studio denunziert. Eine Heimkehr war nicht mehr möglich. Er reiste in die USA, lieferte schon 1971 mit "Taking off" den ersten offiziellen US-Beitrag für die Filmfestspiele Cannes und wurde mit dem Hauptpreis der Jury belohnt.

1975, im Jahr seiner Einbürgerung in die USA, sollte Forman mit "Einer flog über das Kuckucksnest" sein erstes Meisterwerk vorlegen, das in allen fünf Hauptkategorien mit einem Oscar bedacht wurde. Nach "Hair" 1979 und "Ragtime" 1981 forcierte Milos Forman wieder die Filmbiografie in seinem Schaffen. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen kontroverse Persönlichkeiten, Individuen, Nonkonformisten, Helden des Alltags. Immer wieder dreht es sich dabei um historische Persönlichkeiten wie auch in "Amadeus". 1985 wurde das Biopic über Wolfgang A. Mozart mit acht Oscars als einer der besten Filme aller Zeiten gewürdigt.

Mit einem Film über den provokanten amerikanischen Verleger Larry Flint ("Larry Flint - Die nackte Wahrheit", 1996), den exaltierten Performancekünstler Andy Kaufman ("Der Mondmann", 1999) und den spanischen Maler und Grafiker Francisco de Goya ("Goyas Geister", 2006), führte Forman seine ihm eigene Filmemacher-Handschrift fort -immer daran interessiert, Menschen zu beobachten, die sich gegen den Wind stellen, Nichtgefügige, Unangepasste.

Milos Forman: "Mich interessiert immer das konfliktfreudige Individuum, das sich gegen die Institution erhebt. Nebensächlich, ob es damit scheitert oder Erfolg hat."

Der "Kulturmontag" steht als zeitnahe Servicewiederholung jeweils am Dienstag im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information und ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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