Falter-Vorabmeldung: Kein Schutz für schwer krankes Asylwerberkind

Wien (OTS) - Die Wochenzeitung Falter enthüllt in ihrer morgen, Mittwoch erscheinenden Ausgabe einen neuen Asylskandal: Ein vor elf Jahren in Wien geborener Bub erhält von den Asylbehörden keinen subsidiären Schutz, obwohl er schwerer Bluter ist und eine Ausweisung aus Österreich lebensgefählich ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schweren Behinderungen führen wird.

Der 11-jährige Gymnasiast Yahya Essid, dessen Eltern aus Tunesien stammen und 2001 in Wien um Asyl ansuchten, benötigt drei Mal pro Woche einen Impfstoff, von dem jede einzelne Dosis 1.129 Euro kostet. "Bekommt er diese Substitution nicht, ist Yahya Essid schwer blutungsgefährdet", sagt Hans Wank, Oberarzt am St. Anna-Kinderspital, der den Buben behandelt.

In Tunesien hat das Kind, wie Falter-Recherchen ergaben, keinen Rechtsanspruch auf Behandlung. "Es ist davon auszugehen, dass er ohne Therapie körperlich behindert sein wird", sagt sein behandelnder Arzt.

Die Asylbehörden verweigerten dem Buben Schutz mit der Begründung, ein Vertrauensarzt der österreichischen Botschaft in Tunis habe 2008 versichert, die Bluter-Krankheit sei in Tunesien prinzipiell behandelbar. Falls es die Medikamente nicht auf Krankenschein gebe, müssten die Eltern die viele tausend Euro teure Therapie finanzieren.

Essids Asylanwalt Andreas Lepschi kritisiert, dass die Asylbehörden die Expertise des behandelnden Facharztes aus dem St. Anna ignorieren. "Jedem Verkehrsunfall mit Peitschenschlagsyndrom wird im Gerichtsverfahren ein medizinisches Gutachten eingeholt, im Asylverfahren ist das trotz einer lebensbedrohenden Erkrankung eines Kindes offensichtlich anders", sagt Lepschi.

Laut Innenministerium wird derzeit von einer Abschiebung abgesehen. Die Familie hofft nun, dass die Stadt Wien dem kranken Kind ein Bleiberecht aus humanitären Gründen gewährt.

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