- 14.02.2012, 14:22:04
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Falter-Vorabmeldung: Kein Schutz für schwer krankes Asylwerberkind
Wien (OTS) - Die Wochenzeitung Falter enthüllt in ihrer morgen,
Mittwoch erscheinenden Ausgabe einen neuen Asylskandal: Ein vor elf
Jahren in Wien geborener Bub erhält von den Asylbehörden keinen
subsidiären Schutz, obwohl er schwerer Bluter ist und eine Ausweisung
aus Österreich lebensgefählich ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit
zu schweren Behinderungen führen wird.
Der 11-jährige Gymnasiast Yahya Essid, dessen Eltern aus Tunesien
stammen und 2001 in Wien um Asyl ansuchten, benötigt drei Mal pro
Woche einen Impfstoff, von dem jede einzelne Dosis 1.129 Euro kostet.
"Bekommt er diese Substitution nicht, ist Yahya Essid schwer
blutungsgefährdet", sagt Hans Wank, Oberarzt am St.
Anna-Kinderspital, der den Buben behandelt.
In Tunesien hat das Kind, wie Falter-Recherchen ergaben, keinen
Rechtsanspruch auf Behandlung. "Es ist davon auszugehen, dass er ohne
Therapie körperlich behindert sein wird", sagt sein behandelnder
Arzt.
Die Asylbehörden verweigerten dem Buben Schutz mit der Begründung,
ein Vertrauensarzt der österreichischen Botschaft in Tunis habe 2008
versichert, die Bluter-Krankheit sei in Tunesien prinzipiell
behandelbar. Falls es die Medikamente nicht auf Krankenschein gebe,
müssten die Eltern die viele tausend Euro teure Therapie finanzieren.
Essids Asylanwalt Andreas Lepschi kritisiert, dass die
Asylbehörden die Expertise des behandelnden Facharztes aus dem St.
Anna ignorieren. "Jedem Verkehrsunfall mit Peitschenschlagsyndrom
wird im Gerichtsverfahren ein medizinisches Gutachten eingeholt, im
Asylverfahren ist das trotz einer lebensbedrohenden Erkrankung eines
Kindes offensichtlich anders", sagt Lepschi.
Laut Innenministerium wird derzeit von einer Abschiebung
abgesehen. Die Familie hofft nun, dass die Stadt Wien dem kranken
Kind ein Bleiberecht aus humanitären Gründen gewährt.
Rückfragehinweis:
Falter
Redaktion Politik
Nina Horaczek
Tel. 01/53660 913
[email protected]
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