WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das neue Griechen-Paket könnte klappen - von Wolfgang Tucek

Griechenlands Exit würde der EU nicht die Notfinanzierung abnehmen

Wien (OTS) - Es ist nicht das Votum im griechischen Parlament, das nach zwei Jahren teurem Rettungstaumel die Chance auf eine Wende für Griechenland und die anhaltende Einheit der Eurozone wachsen lässt. Denn Besserung gelobt haben dieselben Athener Kandidaten im Dezember schon einmal ohne größere Folgewirkung. Vielmehr ist es die längerfristige Entfernung Athens vom Finanzmarkt, welche das zweite Hilfspaket gewährleisten und die Griechen von den derzeitigen Fantasiezinsen jenseits der dreißig Prozent erlösen soll. Denn die Spreads der restlichen Peripherieländer sinken, und günstig kann das griechische Problem die Retter in keinem Fall mehr kommen. Auch der als Lösung vorgeschlagene Austritt Griechenlands aus EU und Eurozone würde der Union nicht die Finanzierung des kaputten Staats vor ihrer Haustür abnehmen, nur die Einflussmöglichkeiten würden sinken. Die griechischen Banken kollabierten, kein zurechnungsfähiger Investor sonst gäbe noch Geld. Selbst der IWF würde wohl endgültig aussteigen und die Union mit ihrem Patienten alleine lassen, weil von der Schuldentragfähigkeit, die der IWF für seine Notfinanzierungsprogramme braucht, dann nicht einmal mehr ansatzweise die Rede sein könnte.

Daher ist es positiv, dass das zweite Rettungspaket inklusive Privatschuldenschnitt trotz aller Verzögerungen und Winkelzüge von griechischer Seite auf Schiene gebracht wurde. Morgen, Mittwoch, treffen einander wieder die Euro-Finanzminister, um die Verhandlungen abzuschließen. Zwar ist es nicht sehr ermutigend, dass Oppositionsführer Antonis Samaras von der konservativen Nea Dimokratia gleich wieder von Nachverhandlungen spricht und Finanzminister Evangelos Venizelos sich zuweilen mehr um seine Führungsrolle bei den griechischen Sozialisten statt um die Verhandlungen über die Reformprogramme kümmert. Doch nach der Wahl im April bleibt in Athen politisch ohnehin kein Stein auf dem anderen.

Daher werden die Griechen wohl noch mehr als bisher unter Aufsicht gestellt - Berlin und Paris basteln an einem Sperrkonto für den Schuldendienst. Die Diskussionen um die mangelnde Umsetzung der Reformen werden zwar nicht so rasch aufhören, wegen des Privatschuldenschnitts werden aber die Rückzahlungen in den kommenden Jahrzehnten deutlich gedrückt. Inzwischen werden IWF, Euroländer und der Rettungsschirm EFSF die Hauptgläubiger Griechenlands und entziehen es so dem direkten Zugriff der Märkte - Ansteckung und noch größerer Schaden für die Eurozone wären vorläufig abgewendet.

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