- 13.02.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das neue Griechen-Paket könnte klappen - von Wolfgang Tucek
Griechenlands Exit würde der EU nicht die Notfinanzierung abnehmen
Wien (OTS) - Es ist nicht das Votum im griechischen Parlament, das
nach zwei Jahren teurem Rettungstaumel die Chance auf eine Wende für
Griechenland und die anhaltende Einheit der Eurozone wachsen lässt.
Denn Besserung gelobt haben dieselben Athener Kandidaten im Dezember
schon einmal ohne größere Folgewirkung. Vielmehr ist es die
längerfristige Entfernung Athens vom Finanzmarkt, welche das zweite
Hilfspaket gewährleisten und die Griechen von den derzeitigen
Fantasiezinsen jenseits der dreißig Prozent erlösen soll. Denn die
Spreads der restlichen Peripherieländer sinken, und günstig kann das
griechische Problem die Retter in keinem Fall mehr kommen. Auch der
als Lösung vorgeschlagene Austritt Griechenlands aus EU und Eurozone
würde der Union nicht die Finanzierung des kaputten Staats vor ihrer
Haustür abnehmen, nur die Einflussmöglichkeiten würden sinken. Die
griechischen Banken kollabierten, kein zurechnungsfähiger Investor
sonst gäbe noch Geld. Selbst der IWF würde wohl endgültig aussteigen
und die Union mit ihrem Patienten alleine lassen, weil von der
Schuldentragfähigkeit, die der IWF für seine
Notfinanzierungsprogramme braucht, dann nicht einmal mehr ansatzweise
die Rede sein könnte.
Daher ist es positiv, dass das zweite Rettungspaket inklusive
Privatschuldenschnitt trotz aller Verzögerungen und Winkelzüge von
griechischer Seite auf Schiene gebracht wurde. Morgen, Mittwoch,
treffen einander wieder die Euro-Finanzminister, um die Verhandlungen
abzuschließen. Zwar ist es nicht sehr ermutigend, dass
Oppositionsführer Antonis Samaras von der konservativen Nea
Dimokratia gleich wieder von Nachverhandlungen spricht und
Finanzminister Evangelos Venizelos sich zuweilen mehr um seine
Führungsrolle bei den griechischen Sozialisten statt um die
Verhandlungen über die Reformprogramme kümmert. Doch nach der Wahl im
April bleibt in Athen politisch ohnehin kein Stein auf dem anderen.
Daher werden die Griechen wohl noch mehr als bisher unter Aufsicht
gestellt - Berlin und Paris basteln an einem Sperrkonto für den
Schuldendienst. Die Diskussionen um die mangelnde Umsetzung der
Reformen werden zwar nicht so rasch aufhören, wegen des
Privatschuldenschnitts werden aber die Rückzahlungen in den kommenden
Jahrzehnten deutlich gedrückt. Inzwischen werden IWF, Euroländer und
der Rettungsschirm EFSF die Hauptgläubiger Griechenlands und
entziehen es so dem direkten Zugriff der Märkte - Ansteckung und noch
größerer Schaden für die Eurozone wären vorläufig abgewendet.
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