WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Arabischer Frühling am Wiener Prater - von Thomas Jäkle

Die ÖIAG wird zum Juniorpartner von Pecik & Konsorten degradiert

Wien (OTS) - Kein Stein bleibt bei der Telekom Austria auf dem anderen. Es beginnt eine Zeitenwende. Die "Erinnerungslücken" von Michael Jungwirth, dem Vorstandsassistenten von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, in der Vorwoche werden den involvierten Telekom-Mitarbeitern nichts mehr nutzen. Spätestens mit der Vernehmung von Hannes Ametsreiter, der noch vor Frühlingsbeginn vom U-Ausschuss einvernommen wird, ist die Schonfrist vorbei. "Das ist mir nicht erinnerlich" und "Dazu habe ich keine Wahrnehmung" wird zu den Zahlen, Daten und Fakten des U-Ausschusses nicht mehr reichen.

Die zweite Front gegen die Telekom Austria wird der Wiener Geschäftsmann und Finanzinvestor Ronny Pecik zum Frühlingsbeginn eröffnen. Als das WirtschaftsBlatt bereits Mitte Oktober darüber berichtet hat, dass Pecik über 25 Prozent der Telekom-Aktien verfügt, wurde das in der Alpenrepublik angesichts der nicht berauschenden Zahlen, Daten und Fakten sowie einem schwächelnden Aktienkurs nicht ernst genommen. Für manche schien dies sogar ein Schutz gegen eine feindliche Übernahme zu sein. Im Rücken hat Pecik ein Konsortium rund um den ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris, der Teile seines Imperiums Orascom gerade versilbern will und - vielleicht im Gegensatz zu Pecik - nicht nur dicke Kasse machen, sondern sein Milliardenvermögen schön verteilt in Europa in beständige Werte anlegen will.

Pech für die staatliche ÖIAG, die sich mit 28,42 Prozent noch als größter Kernaktionär fühlt. Die weiße Flagge mit dem Bundesadler hat die ÖIAG schon gehisst und den neuen mächtigen Aktionären Kooperationsbereitschaft signalisiert. Die Klingen wird ÖIAG-Chef Markus Beyrer mit Pecik und Konsorten wohl nicht kreuzen. Sie werden im Frühling, spätestens zur Hauptversammlung im Mai, mindestens ein Quartett mit eigenen Leuten in Vorstand und Aufsichtsrat abstellen wollen - und somit wird die ÖIAG zum neuen Juniorpartner. Schachspieler Pecik wird sicher aus dem Hintergrund weiterhin bequem die Fäden ziehen und bei günstiger Gelegenheit Kasse machen und aussteigen.

Die dritte Front im jungen Frühling könnte der Nebendeal im Zuge der Übernahme von Orange durch Hutchison 3G ("3") werden. Sollte die EU die 390 Millionen Euro teure Übernahme von Yesss durch die Telekom kippen, wäre das mindestens eine peinliche Panne. Für die neuen Eigentümer ist das ein weiteres Argument, die Telekom Austria auf den Kopf zu stellen.

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