WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Ruhe vor den Göttern des Gemetzels von: Thomas Jäkle

Noch überwiegt die Freundschaft - in allen Gesprächen

Wien (OTS) - Ausgsteckt ist! So könnte man das Motto für die österreichische Telekombranche nennen. Denn viele Unternehmen der Branche laden derzeit gerade dazu ein, dass sie übernommen werden.

Übernahmekandidaten gibt es eine ganze Handvoll. Veränderungen infolge von U-Ausschüssen werden neben dem Übernahmekarussell auch zum Sesselrücken führen. Noch überwiegt Freundschaft in allen Gesprächen. Noch.

Die heimischen Telekomanbieter sind jedenfalls so günstig zu haben wie kaum je zuvor: Die Aktie der Telekom ist geradezu ein Schnäppchen, wenngleich das Unternehmen derzeit durch ein (ökonomisch holpriges) Tal marschiert, dessen Ende noch nicht ganz zu sehen ist. Die Deutsche Telekom prüft derzeit alle Investments im Ausland und schlummert mit T-Mobile Austria fast unbemerkt von der Öffentlichkeit im Stillen dahin. France Telécom und Finanzinvestor Mid Europa Partners haben Orange Austria so gut wie verkauft. Wenn da nicht die Kleinigkeiten wie der Verkauf der Billigschiene Yesss samt UMTS-Frequenzen an A1 sowie der Viertelsanteil an Eety nicht wären, die die EU-Wettbewerbshüter noch auf den Plan rufen können und Juristen derzeit Kopfzerbrechen machen. Der willige Käufer Hutchison 3G scheint alle Zeit der Welt zu haben und sich zurückzulehnen. Am Schluss könnte Hutchison 3G selbst an einen Exit und Verkauf der Tochter "3" denken, was der Geschäftsführer Ende November als Szenario genannt hat.

Kein Geheimnis ist auch, dass Festnetzanbieter Tele 2, der sich mit der Übernahme von Silverserver - einem der ältesten Provider Österreichs - kürzlich behübscht hat, eigentlich immer zum Verkauf steht. Und dass UPC von der US-Mutter Liberty Global eher heute als morgen abgegeben werden soll, ist auch kein Geheimnis.

Bei der Telekom Austria ist es mit der Ruhe vorbei. U-Ausschuss und Finanzinvestor Ronny Pecik mit Big Spender Naguib Sawiris, dem ägyptischen Milliardär und Orascom-Eigentümer, werden die ersten Aufsichtsratsmandate oder gar den Finanzchef beanspruchen. Der Vertrag mit TA-Finanzchef Hans Tschuden, der im Sommer 2011 schon so gut wie durchgewunken schien, ist zwei Monate vor Ablauf Ende März noch nicht verlängert. Tschuden könnte in den Dealings von Pecik mit/gegen ÖIAG - je nach Sichtweise - zum (ersten) Bauernopfer werden. Und damit schließt sich auch wieder der Kreis beim TA-Chef Ametsreiter, U-Ausschuss und Investoren: Sollte der TA-Chef mehr gewusst haben als zugegeben, dann werden die Götter des Gemetzels ihm sagen:Servus!

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