Wohin steuert das von Roland Rainer geschaffene ORF-Zentrum am Küniglberg?

Wien (OTS) - Offener Brief

Herrn Dr. Alexander Wrabetz
ORF Generaldirektor
Würzburggasse 30
1136 Wien

Sehr geehrter Herr Dr. Wrabetz,

unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Meldungen lassen befürchten, dass das von Roland Rainer, einem der bedeutendsten österreichischen Architekten, geplante ORF-Zentrum gefährdet ist.

Wie Ihnen und der kultur- und architekturinteressierten Öffentlichkeit gut bekannt, stellt dieses Bauwerk eine der wichtigsten, zeitgenössischen Architekturen dar,
ungeachtet dessen repräsentiert es international wie kaum ein anderes Gebäude eine unverwechselbare Identität eines Medienzentrums.

Gleichzeitig steht das ORF-Zentrum am Küniglberg für eines der raren Beispiele in Österreich, im Rahmen dessen ein öffentlicher Bauherr mit einer Vision, klaren Vorstellungen und für eine kompromisslose Umsetzung erfolgreich gekämpft hat.

Das Roland Rainer-Komitee ersucht daher höflich und fordert Sie auf:

  • Offenlegung der Vorstellungen des ORF im Hinblick auf mögliche Absiedelungspläne.
  • Offenlegung des vorgesehenen Umgangs mit den Gebäuden am Küniglberg (Nutzung, bauphysikalische, bauästhetische Maßnahmen, etc.).
  • Einbindung des Roland Rainer-Komitees in alle wesentlichen Pläne und Entscheidungen.

Wesentliche Fakten zur Entwicklung und Geschichte des ORF-Zentrums:

Im Oktober 2010 wurde vom ORF in der "Wiener Zeitung" ein Inserat geschaltet, mit dem er sich auf die Suche nach einer Liegenschaft für einen neuen Standort in Wien begab. Im August 2011 sicherte sich die Geschäftsführung mit einem fünf-stelligen Betrag eine Option für ein großes Grundstück in Wien, St. Marx. Die Fläche gehört der Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft, einer Tochter der Stadt Wien. Zwischen diesen Meldungen gab es Berichte über das noch nicht entschiedene Verfahren mit dem Bundesdenkmalamt und über eine etwaige Nachnutzung bei einer Übersiedlung nach "Neu Marx", wo laut einem Artikel im "Falter" der Wien Holding 2011 ein "Media Quarter" mit TV-Studios im Entstehen ist. Am 11. Jänner 2012 wurde den ORF Mitarbeitern bekannt gegeben, dass die Geschäftsführung und die Rechtsabteilung mit 600 Mitarbeitern wegen dem schlechten Bauzustand des sechsstöckigen Hauptgebäudes demnächst abgesiedelt werden müssen.

Dem Vernehmen nach arbeitet die Bauabteilung des ORF bereits an der Ausschreibung der Sanierungsarbeiten.

Abgesehen davon, dass es sich hierbei um ein vom Rechnungshof geprüftes Unternehmen handelt, gibt es gegenüber der Öffentlichkeit eine Verantwortung für den weiteren Umgang mit diesem Bauwerk.
Die Zukunft des ORF-Zentrums sollte unter keinen Umständen spekulativen Interessen des Marktradikalismus unterliegen. Es ist als baukulturelle Aufgabe der öffentlichen Hand (ORF, Bund, Stadt) zu sehen. Dafür seien hier zwei gute Beispiele in Wien angeführt: Das alte Staats-, später Bundestheater-Kulissendepot Gottfried Sempers, errichtet 1874-77, wurde 1972 zum Abbruch freigegeben. Zwischen 1994 und 1996 konnte es nach langen Auseinandersetzungen als Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste denkmalpflegerisch und funktionell ausgezeichnet revitalisiert werden.

Mitglieder des Roland Rainer Komitees arbeiten seit Jahren an Vorschlägen für den architektonischen und denkmalpflegerisch richtigen Umgang mit dem ORF-Zentrum. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden wiederholt der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei hat sich gezeigt, dass die erarbeiteten Vorschläge mit der Architektur Roland Rainers vereinbar sind, sie entsprechen der Richtlinie für Energieeffizienz am Baudenkmal, sind bauphysikalisch geprüft, und darüber hinaus kostengünstiger als die von der ORF-Bautechnik erarbeiteten Lösungen.

Dieses Schreiben ist von unserem Anliegen getragen, das ORF-Zentrum im Geiste Roland Rainers zu bewahren, und damit auch dem kulturellen Anspruch dieses Landes gerecht zu werden.

Der Vorstand
Roland-Rainer-Komitee

Georg Driendl Peter Noever Architekt Designer, Ausstellungskurator Gregor Eichinger Marta Schreieck Architekt Architektin Jürgen Radatz Johanna Rainer Architekt Architektin Eva Rubin Wilfried Posch Architektin Architekt, Professor Carl Pruscha Architekt, Professor

Rückfragen & Kontakt:

Georg Driendl
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