WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Burn-out und die Rolle des Chefs - von Thomas Pressberger

Führungskräfte spielen bei Burn-out eine große Rolle

Wien (OTS) - Was Burn-out nicht ist: Burn-out ist keine Gaudi. Burn-out von 9 bis 16 Uhr - komischerweise nur in der Arbeit, danach wieder alles easy -, das gibt es zum Beispiel nicht. Burn-out ist auch nicht mit Depression gleichzusetzen, auch nicht mit Tachinieren. Auch Burn-out-Experten - eine Spezies, die in letzter Zeit immer häufiger auftritt - sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Wie hieß es in der Guttenberg-Affäre rund um seinen EU-Beraterjob in Sachen Internetfreiheit so schön: "Wenn ich mich mitten auf die Straße stelle und von einem Auto angefahren werde, heißt das nicht, dass ich Automechaniker bin." Burn-out-Experte ist man auch nicht dadurch, indem man einmal davon betroffen war. Was Burn-out ist: Eine ernsthafte Erkrankung - auch wenn dies noch nicht als Krankheit klassifiziert ist -, über die die Öffentlichkeit schlecht informiert ist. Auch ist kaum bekannt, wohin man sich im Ernstfall wenden kann. Der neu gegründete Verein "Burn Aut" - bei dessen Namen es sich nicht um einen Rechtschreibfehler handelt - versucht Know-how zu kanalisieren, den Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten und für Prävention zu sorgen.

In der Praxis kann dem aber bereits vorher begegnet werden. Wie sich herausgestellt hat, ist nicht die Arbeitsquantität, sondern die Arbeitsqualität eine der Hauptursachen für Burn-out. Das bedeutet, dass die Führungskräfte bei der Entstehung der Krankheit eine entscheidende Rolle spielen. Augenscheinlich wird das, wenn in einem Team mehrere Mitarbeiter betroffen sind. Die Frage, wie viele Führungskräfte ihren Job gut machen und tatsächlich führen können -klare Vorgaben machen, richtig Feedback geben oder jemals an einem Mitarbeiterführungsseminar teilgenommen haben -, sei an dieser Stelle dahingestellt. Laut Experten soll es sich jedenfalls nicht um die überwiegende Mehrheit handeln (Zynismus gilt übrigens als eines der ersten Symptome für Burn-out).

Was aber alle Arbeitgeber und Führungskräfte machen können, ist, sich zu informieren, wie sie betroffenen Mitarbeitern helfen können. Oder noch besser dafür sorgen, dass es gar nicht so weit kommt. Und das heißt, Seminare besuchen und sich Know-how über Burn-out anzueignen. Denn man kann ja ruhig ein schlechter Chef sein, solange man dabei nicht gleich seine Mitarbeiter verheizt - denn nicht selten reißen diese ihre schlechten Vorgesetzten im Arbeitsalltag heraus. Vor allem aber wird die Schlagkraft des Unternehmens erhöht. In jedem Fall haben beide etwas davon.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001