Sozialpartner, IV: Bildungsdialog mit den MinisterInnen Hundstorfer, Mitterlehner, Schmied, Töchterle zur Lehrlingsausbildung

Dritter Teil der Beratungen mit zuständigen Ministerien zur Bildungsreform

Wien (OTS) - Um gemeinsame Vorschläge der Sozialpartner und der Industriellenvereinigung zur Stärkung der Lehrlingsausbildung geht es heute, Mittwoch, beim dritten Bildungsdialog der Präsidenten der Sozialpartner und der Industriellenvereinigung mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Wirtschaftsminister Mitterlehner, Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung treten ein für eine Offensive zur Stärkung der Lehrlingsausbildung, eine Reform der neunten Schulstufe und die (Weiter-) Entwicklung der Berufsbildung auf Hochschulebene.

Die duale Berufsbildung soll im Bildungssystem als gleichwertige Alternative zu den vollschulischen Berufsbildungsangeboten etabliert werden, sind sich Sozialpartner und Industriellenvereinigung einig. Für notwendig halten sie die Erhöhung des Anteils an erfolgreichen Lehrabschlüssen bei gleichzeitiger Evaluierung und Steigerung der Ausbildungsqualität. Bereits in den Schulen wollen sie Maßnahmen, damit alle SchülerInnen die Bildungsziele der achten Schulstufe erreichen können, und eine Optimierung des Nahtstellenmanagements zwischen Schule und Beruf. Als Angebot für LehrabsolventInnen soll schließlich über eine Berufsakademie als "dritte Säule" neben Universitäten und Fachhochschulen und über die Verbesserung der Durchlässigkeit zu hochschulischer Bildung diskutiert werden.

ÖGB Präsident Foglar: Qualitätssicherung in allen Bildungsbereichen - auch bei Lehre
ÖGB-Präsident Erich Foglar begrüßte die von den Bundesministern Mitterlehner und Hundstorfer bereits gesetzten Schritte in Richtung Stärkung der Lehrausbildung. "Coachingangebote sind ein wichtiger Beitrag, um frühzeitig eventuell auftretenden Schwierigkeiten entgegen zu wirken, die Erarbeitung von Standards für die Lehrabschlussprüfungen und die Schulung der PrüferInnen sehen wir ebenso als wichtigen Beitrag zu Qualitätssteigerung."

Für noch bessere Qualität gebe es aber zusätzliches Potenzial. "Qualitätssicherung ist in allen Bildungsbereichen Thema, hier darf die Lehrausbildung nicht zurück bleiben." Foglar nannte zwei Kernpunkte: Die Lehrlingsstellen müssten in ihrer Behördenfunktion aktiv einbezogen werden, es bestehe aber auch Bedarf, die Kriterien und das System an international übliche Standards der Qualitätssicherung im Bildungsbereich anzupassen. Auch die Betroffenen selbst - Lehrlinge und Lehrabsolventen - müssten standardisiert und regelmäßig nach ihrer Meinung gefragt werden. "Mit diesen und weiteren wichtigen Elementen kann es gelingen, die Berufsausbildung positiv weiter zu entwickeln."

AK Präsident Tumpel: "Bei der Bildung niemanden zurücklassen" Mehr als 6.000 SchülerInnen in Österreich haben nach neun Schuljahren keinen positiven Abschluss. Darauf weist AK Präsident Herbert Tumpel hin, um die Dringlichkeit des Anliegens einer Reform der neunten Schulstufe zu unterstreichen. "Wir dürfen niemanden zurücklassen", sagt Tumpel, "das ist sowohl im Interesse der Jugendlichen als auch der Gesellschaft, die auf kein Talent verzichten kann." Konkret schlagen die Sozialpartner eine Bildungspflicht der Schule statt der derzeitigen Schulpflicht vor, die jetzt unabhängig vom Abschluss der SchülerInnen einfach nach neun Jahren endet. Entwickelt werden sollen Modelle, wie garantiert werden kann, dass praktisch jede/r SchülerIn die Mindeststandards für die achte Schulstufe erreicht.

Wichtigste Funktion einer reformierten neunten Schulstufe soll zielgerichtete Vorbereitung auf eine Lehrausbildung ein. Verbessert werden soll dazu nicht zuletzt die Berufsorientierung durch entsprechende Ausbildung aller LehrerInnen, durch Bildungscoaches an den Schulen und Realbegegnungen auch von OberstufenschülerInnen mit der betrieblichen Realität. Tumpel: "Unsere jungen Leute sollen die für sie beste Ausbildung machen können - und nicht die erstbeste."

WKÖ Präsident Leitl: "Berufsbildung auf Hochschulebene weiterentwickeln"
Neben der vom AK-Präsidenten eingeforderten Reform der neunten Schulstufe und der Attraktivierung der Lehre betonte WKÖ-Präsident Christoph Leitl, dass auch die Weiterentwicklung der Berufsbildung auf Hochschulebene in künftigen Reformschritten stärker bedacht werden müsse. Dementsprechend wären im tertiären Bildungssektor neben Universitäten und Fachhochschulen zusätzlich Berufsakademien als "Dritte Säule" überlegenswert.

Leitl: "Grundsätzlich muss es künftig aber auf alle Fälle eine Verbesserung der Durchlässigkeit zum postsekundären und tertiären Bildungssektor vor allem für Absolventen der dualen Ausbildung sowie der berufsbildenden Fachschulen geben." Bestehende Abschlüsse wie Meister, Werkmeister oder Diplome von Fachakademien könnten durch Berufsakademien in ihrer Attraktivität gestärkt werden und somit dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken.

LK Präsident Wlodkowski: Agrarische Berufe auch im Gewerbe anerkennen
"Die LK Österreich verlangt ebenso wie die anderen Sozialpartner Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Lehrlingsausbildung. Gerade für den Agrarsektor ist es unabdingbar, eine mehrberufliche Ausbildung in den Agrarschulen anzubieten und sicherzustellen. Darüber hinaus ist uns die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen zwischen Gewerbe und Landwirtschaft ein zentrales Anliegen. Auch das Nachholen von Berufsbildungsabschlüssen im 2. Bildungsweg spielt für die agrarische Zielgruppe eine zentrale Rolle", erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, zu den Zielen des Bildungsdialog der Sozialpartner.

Weiters unterstrich Wlodkowski die Forderung der Sozialpartner für die Einführung von Mindeststandards für das Erreichen von konkreten Bildungszielen am Ende der 8. Schulstufe. Wlodkowski: "Gerade die agrarischen Schulen sind, wie die hohe Nachfrage und die Steigerung der Schülerzahlen in den letzten Jahren gezeigt haben, sehr beliebt, auch für jene die das polytechnische Jahr absolvieren und dann eine Lehre in einem anderen Beruf beginnen wollen."

IV-Präsident Sorger: "Standort stärken über Qualitätsverbesserung im Bildungswesen"
"Das Bildungs- und Qualifikationsniveau eines Landes, so wie die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften bestimmen heute maßgeblich die Attraktivität des Innovations- und Wirtschaftsstandortes", betont der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger. Diese Investitionen seien auch vor dem Hintergrund des Verlusts des Triple-A-Ratings wichtig. "Für uns ist die Sicherung des Fachkräftenachwuchses eines der vorrangigen Themen, da es für Unternehmen nach wie vor schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Die Schere zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Qualifikationen, die Bewerber mitbringen, geht immer weiter auseinander. Hier müssen wir daher gegensteuern", so Sorger. Diese Initiative zur Qualitätsverbesserung sei der Industrie ein besonderes Anliegen.

Durch eine Öffnung und Durchlässigkeit des Bildungssystems auf allen Stufen werde Jugendlichen eine Ausbildung und Karriere gemäß ihren Talenten und Fähigkeiten ermöglicht. "Wichtig ist, jene beruflichen Bildungswege in den tertiären Sektor einzugliedern, die in anderen Ländern bereits akademisch anerkannt werden", so der IV-Präsident.

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