"Kunst hat Recht.": Österreichs Kunstschaffende rufen zum Protest

Wien (OTS) - Der Einkommensverlust durch unbezahlten Konsum von Musik, Filmen, Bildern und Texten hat für viele Kunstschaffende in Österreich ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Mit der Initiative "Kunst hat Recht." machen nun KünstlerInnen aller Sparten gemeinsam für ihre Rechte als Urheber mobil: Zur Entwicklung eines zeitgemäßen Urheberrechts fordern sie die Einsetzung einer Regierungskommission. Weiters fordern sie von den Regierungsparteien ein Bekenntnis zur Festplattenabgabe, die den KünstlerInnen als Ausgleich für Privatkopien zehn Mio. Euro bringen soll. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohen die KünstlerInnen mit Protesten. Als erste symbolische Maßnahme wollen sie den Nationalfeiertag boykottieren, wenn sie kein Gehör finden.

Noch nie wurde mehr Text, Bild, Film und Musik konsumiert als heute. Dennoch geraten Österreichs Kunstschaffende zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, denn immer weniger Menschen bezahlen für künstlerische Leistungen.

Die Folge dieses Trends zur "Gratiskultur" sind Einkommensverluste für die KünstlerInnen: Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 1.030 Euro liegen die heimischen Kunstschaffenden bereits um 400 Euro netto unter dem Verdienst der ArbeitnehmerInnen. Ein Drittel der heimischen Kunstschaffenden lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Die Künstlerinnen und Künstler führen diese negative Entwicklung unter anderem auf die Missachtung des Urheberrechts zurück - also die unbezahlte Verwendung von Filmen, Musik, E-Books und Bildern. War davon zuerst nur die Musikbranche betroffen und danach auch der Film, wird dies nun zum Problem für alle Kunstrichtungen. Durch die neuen technischen Entwicklungen ist es möglich geworden, Kunst zu konsumieren, ohne dafür zu bezahlen und ohne rechtlich dafür belangt werden zu können. Dazu hat sich die Meinung verbreitet, dass die Durchsetzung des Urheberrechts falsch wäre und das Urheberrecht den Kunstschaffenden auch gar nichts nützen würde.

"Jedem Handwerker wird eine faire Bezahlung seiner Leistungen zugestanden. Aber wenn es nach den Vertretern der Internet-Industrie geht, sollen wir gratis arbeiten. Provider und Online-Plattformen schlagen Profit aus unserer Leistung, aber ein Drittel der heimischen Künstler lebt unter der Armutsgrenze. Österreich droht ein Land der Nebenerwerbskünstler zu werden. Damit muss Schluss sein, sonst hat auch das Kulturland Österreich wenig Zukunft", so Gerhard Ruiss, Autor und Mitbegründer der Initiative.

Damit Österreichs Kunstschaffende für ihre Leistung wieder fair bezahlt werden, haben sich Künstlerinnen und Künstler aller Sparten zur Initiative "Kunst hat Recht." zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie eine bessere Durchsetzung ihrer Rechte bewirken. "Wir haben das Recht, über die Verwendung unserer Werke selbst zu bestimmen. Teile der Internet-Industrie wollen uns dazu zwingen, dass wir unsere Werke herschenken. Dazu sind wir nicht länger bereit", ergänzt der Musiker Christof Straub.

"Wir fordern die Einsetzung einer Regierungskommission, die noch in diesem Jahr einen konkreten Plan für ein zeitgemäßes Urheberrecht und seine Durchsetzung ausarbeitet. Zweitens fordern wir das längst fällige Bekenntnis zur Festplattenabgabe, mit der für das private Kopieren bezahlt wird. Dazu brauchen Österreichs Kunstschaffende die Initiative des Justizministeriums", erläutert Schauspielerin Mercedes Echerer die zwei Hauptforderungen. Früher wurden die privaten Kopien der Konsumenten mit der Leerkassettenvergütung bezahlt, die sich seit 2007 aber mehr als halbiert hat. Sollte das Gesetz auf Festplatten nicht angewendet werden, droht den heimischen Kunstschaffenden ein zusätzlicher Einkommensverlust von rund zehn Mio. Euro pro Jahr.

Die Bevölkerung wissen die Kunstschaffenden grundsätzlich auf ihrer Seite: Laut einer aktuellen Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts marketagent.com unter 500 Österreichern zwischen 18 und 50 Jahren meinen 83 Prozent der Befragten, dass die Rechte der Künstler gesetzlichen Schutz verdienen. "Sogar über neunzig Prozent der Bevölkerung unterstützen unser Recht auf geistiges Eigentum. Das ist ein klarer Handlungsauftrag an die Politik, für eine bessere Durchsetzbarkeit unserer Rechte als Urheber zu sorgen", so der Spielfilmproduzent Danny Krausz.

Dass gleichzeitig so viele Menschen urheberrechtlich geschützte Werke ohne Bezahlung konsumieren, erklären sich die KünstlerInnen mit dem mangelnden Bewusstsein für den Wert künstlerischer Arbeit. Bildhauer und Maler Michael Kos: "Es ist für viele nicht spürbar, dass sie damit eigentlich Künstler schädigen. Und jeder hat einen Freund, eine Freundin, die es auch so macht. Ein solches Problem kann nur auf politischer Ebene gelöst werden."

Die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Kulturbranchen zeigt ein düsteres Bild für das Kulturland Österreich:

* Musik: Der Umsatz des heimischen Musikmarkts hat sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Die Talsohle ist noch nicht erreicht: Erst im Jahr 2010 hat Österreichs Musikmarkt weitere acht Prozent eingebüßt.

* Film: Bereits im Jahr 2005 sind der heimischen Filmwirtschaft durch Piraterie 16,5 Mio. Euro entgangen. Mittlerweile werden österreichische Filme schon vor dem Kinostart in großem Stil auf Online-Plattformen illegal verbreitet. Die Schäden für die heimische Filmbranche nehmen weiter zu.

* Literatur: Zwei Drittel der E-Books werden raubkopiert. Für Online-Veröffentlichungen gibt es kein einziges funktionierendes Honorarmodell. Treffen die Prognosen für die Marktanteile digitaler Medien zu, drohen Honorarverluste von der Hälfte bis zur Gänze.

* Bildende Kunst / Fotografie: Die unbezahlte Nutzung von digitalen Bildern trifft Fotografen und Bildende Künstler, für die Bildvergütungen ein existenzielles Standbein darstellen, besonders hart.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind die Künstlerinnen und Künstler zu Protestmaßnahmen bereit. "Seit Jahren machen wir auf das Problem aufmerksam und werden von der Politik ignoriert. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir handeln müssen. Wenn wir bis zum Sommer dieses Jahres keine positive Reaktion auf unsere beiden Hauptforderungen bekommen, werden wir alle Künstlerinnen und Künstler dazu aufrufen, als ersten Schritt den Nationalfeiertag am 26. Oktober zu boykottieren. Dann muss sich das offizielle Österreich eben ohne Kunst und Kultur feiern", stellt Mercedes Echerer die erste Maßnahme vor. Weitere Protestmaßnahmen werden derzeit entwickelt, Kreativität ist in hohem Maß vorhanden (www.kunsthatrecht.at).

Link zu Fotos: http://www.kunsthatrecht.at/presse/ und
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2691

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Organisationsbüro "Kunst hat Recht."
Christiane Fuchs-Robetin
Tel.: 01-505 26 25-66
E-Mail: initiative@kunsthatrecht.at

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