WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Demokratie als Schlüssel zum Wachstum - von Eva Komarek

Der Umbruch hat die Region wirtschaftlich viel gekostet

Wien (OTS) - Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi ist Geschichte, Tunesien hat nach dem Sturz von Präsident Zine el Abidine Ben Ali gewählt, Ägypten befindet sich in einer Transitionsphase - kurzum:
Nordafrika hat sich grundlegend verändert. Rein politisch betrachtet wird der eingeschlagene Weg zu Freiheit und Demokratie natürlich bejubelt, Jubel alleine wird diesen Ländern allerdings nicht auf die Beine helfen.
Die Revolution hat die Region wirtschaftlich viel gekostet. In Ägypten ist die ökonomische Lage stark angespannt, es braucht dringend Investitionen. Nicht zuletzt der Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land, hat sich halbiert. Im Frühjahr des Vorjahres hatten die G8-Staaten noch Kreditzusagen über 20 Milliarden $ gemacht, doch geflossen ist bisher noch relativ wenig. Inzwischen musste sich Ägypten aufgrund der angespannten Devisensituation an den IWF wenden. Auch Tunesien, das mittlerweile seit Monaten weitgehend friedlich ist, ist wirtschaftlich noch nicht wirklich angesprungen, und das, obwohl es ein investitionsfreundliches Klima gibt. Auch die Touristen bleiben noch weitgehend aus. Gerade für Tunesien ist Europa ein wichtiger Wirtschaftspartner, denn das Land macht drei Viertel des Außenhandels mit der EU. Besser steht Libyen da, das vor allem von seinen großen Rohstoffvorkommen profitiert. Zudem haben einige westliche Firmen ihre Aktivitäten vor Ort wieder aufgenommen.

Was diese Region also dringend braucht, ist wirtschaftliche Unterstützung, denn sonst könnte der Demokratisierungsprozess gefährdet sein. Da sind einerseits natürlich die westlichen Staaten gefordert, die über die Probleme der Eurokrise Nordafrika nicht vergessen sollten. Anderseits ist aber auch die Privatwirtschaft gefordert. Doch gerade hier liegt die Krux an der Sache, denn für Investoren bietet diese Region mittelfristig wenig Sicherheit und Stabilität. Die Investitionen ausländischer Unternehmen sind versiegt und für Finanzinvestoren ist Nordafrika von der Landkarte verschwunden. Dabei könnten sich gerade in dieser Region Investitionen langfristig sehr lohnen. Goldman Sachs hat vor ein paar Jahren etwa Ägypten auf die Liste der Next 11 gesetzt und dem Land damit viel Potenzial einräumt. Diese Region hat eine junge Bevölkerung, verfügt über viele Bodenschätze und bricht in eine demokratische Zukunft auf. Nicht zuletzt über Investitionen kann politischer Druck ausgeübt werden, damit institutionelle und rechtliche Strukturen geschaffen werden, die die Marktöffnung gelingen lassen. Dann könnte die Region zu einem echten Wachstumsträger werden.

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