Initiative Inklusion Österreich: Offener Brief an Unterrichtsministerin Schmied

Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Bundesministerin Dr.in Schmied,

Ihre Antwort auf eine parlamentarische Anfrage (Nr. 9900/J-NR/2011), in der Sie die Existenz von Sonderschulen neben einem voll ausgebauten inklusiven System befürworten, und weiters die wesentlichen Inhalte der Konvention durch die Rechtswirklichkeit in Österreich für erfüllt ansehen, veranlasst uns, diesen Brief an Sie zu richten.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, zu deren Einhaltung sich Österreich im Oktober 2008 verpflichtet hat, sieht eine inklusive Schule für alle Schultypen und für alle Schulstufen vor.

Die Wirklichkeit in Österreich sieht jedoch leider so aus, dass nur knapp über die Hälfte aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf integrativ in Regelschulen unterrichtet wird, der anderen Hälfte bleibt die Sonderschule als einzige Wahl. Der Anteil der Kinder am gemeinsamen Unterricht ist hierbei von Bundesland zu Bundesland verschieden, in einigen Ländern beträgt dieser nur ein Drittel aller Kinder.

Wie langjährige Erfahrungen von Eltern beeinträchtigter Kinder bis heute zeigen, wird ihnen der Wunsch nach einem Platz in der gemeinsamen allgemeinen Schule der Nachbarschaft oft verwehrt, dies umso eher, wenn das Kind einen höheren Unterstützungsbedarf aufweist und/oder älter ist (ab der Sekundarstufe I). Und wer das Glück hat, einen Integrationsplatz zu ergattern, klagt nicht selten über mangelnde Qualität im integrativen Unterricht, weil es an ausreichend und inklusiv ausgebildetem pädagogischen und assistierenden Personal sowie an den passenden Hilfsmitteln mangelt. Dabei könnte dies in Form einer gemeinsamen inklusiven Schulform kostensparend und effizient eingesetzt werden.

Wir von der Initiative Inklusion Österreich sind überzeugt, dass das Festhalten am Auslaufmodell Sonderschule das entscheidende Hindernis darstellt, dass sich unser Schulsystem quantitativ und qualitativ nicht in Richtung eines inklusiven Systems weiterentwickeln kann, welches allen Kindern mit und ohne Beeinträchtigung eine individuelle Förderung im gemeinsamen Unterricht ermöglicht!

Lassen Sie nicht zu, dass der dringend notwendige Transfer von sonderpädagogischen Ressourcen in die allgemeinen Schulen durch die Aufrechterhaltung des teuren Parallelsystems Sonderschule blockiert wird!

Wir fordern daher von Ihnen als hauptverantwortlicher Bundesministerin ein klares Bekenntnis zur inklusiven Schule und einen Plan zur schrittweisen Umwandlung der Sonderschulen bis zu einem verbindlich vereinbarten "Tag X", an dem die inklusive Schule für alle in ganz Österreich Wirklichkeit wird!

Weiters wollen wir ausdrücklich festhalten, dass wir im Zuge der laufenden Mitarbeit an den Runden Tischen des Unterrichtsministeriums niemals eine Fortschreibung des Parallelsystems Sonderschule befürwortet haben, und daher auch kein Strategiepapier des Unterrichtsministeriums mittragen, in dem nicht alle Kräfte auf die inklusive Schule konzentriert werden.

Mit freundlichen Grüßen - für die Initiative Inklusion Österreich:

Wolfgang Begus, Waltraud Engl, Ewald Feyerer, Rainer Grubich, Sven Hosse, Maria Kreilinger, Fritz Neumayer, Claudia Niedermair, Irene Moser, Petra Pinetz, Wilfried Prammer, Ingeborg Pröglhöf, Bernhard Schmid, Volker Schönwiese, Anna Taupe-Lehner, Christian Treweller

Rückfragen & Kontakt:

Initiative Inklusion Österreich
Mag. Bernhard Schmid
Tel.: 0699-8118-9070

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